Berliner Kunstgriff
12.2. – 18.12.19

12. Februar 2019 • Text von

Was der Februar an Dauer misst, bietet das Berliner Kunstprogramm an Umfang. Die „Woche der Kritik“ geht zu Ende, bei Barbara Wien und Kewenig wird neu eröffnet, und das Institut für „Kunst im Kontext“ feiert 40 Jahre Bestehen in der nGbK. 

Jovana Reisinger, pretty girls don’t lie, filmstill. Courtesy: the artist.

Die 5. Woche der Kritik endet mit zwei Filmen zum Thema „Feminismen vorführen“. In „pretty girls don’t lie“ spielt Jovana Reisinger mit weiblichen wie männlichen Stereotypen und Blicken, und verbindet feministisches Denken mit Humor. Susanne Heinrich, wie Reisinger ebenso in Literatur und Musik zuhause, spürt in ihrem ersten Langfilm „Das melancholische Mädchen“ einer die postmoderne Gesellschaft aus- und umhüllenden Leere nach. Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren die Kulturwissenschaftlerin Nina Power und der Regisseur Whit Stillman zusammen mit den beiden Regisseurinnen über Feminismus im Film. Das Gespräch findet in englischer Sprache statt und wird moderiert von Frédéric Jaeger.

WANN: Der Film läuft am Donnerstag, den 14. Februar, um 20 Uhr. Tickets gibt es hier.
WO: Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str. 40 -41, 10178 Berlin.

James Lee Byars, Hear the First Totally Interrogative Philosophy around this Chair, New York 1977, Photo: Maria Gilissen.

James Lee Byars war Perfektionist. Die Ausstellung bei Kewenig ist eben diesem Perfektionismus und seiner stets anhaltenden Suche nach dem Schönen und Wahren gewidmet. Seide, Gold und Marmor sind die Materialien, anhand derer der 1997 verstorbene US-amerikanische Künstler seine ästhetische Philosophie zu verdeutlichen suchte. In seinem beeindruckenden Œuvre, das sich zwischen Minimalismus, Performance, Fluxus und Konzeptkunst bewegt, fließen Denken und Form ineinander über und verschmelzen. Mit „The Spinning Oracle of Delfi“, „The Moon Books“, oder „The Unicorn Horn in the white circle‘“ richtet die Ausstellung den Blick speziell auf Werke aus den 1980er Jahren.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 15. Februar, von 18 bis 21 Uhr.
WO: Kewenig Galerie, Brüderstraße 10, 10178 Berlin.

Eric Baudelaire, Also Known As Jihadi, 2017, film still. Courtesy: the artist and Galerie Barbara Wien, Berlin.

In der Ausstellung „Afterimage“ bei Barbara Wien präsentiert Eric Baudelaire „Also Known as Jihadi“, seinen dritten Film in Spielfilmlänge, zusammen mit Siebdruckarbeiten und einer Lichtvitrine. Der Film erzählt die Geschichte des in Frankreich geborenen Abdel Aziz, der 2012 der al-Nusra-Front im syrischen Aleppo beitrat. Protagonist des Films ist dabei nicht die Person Abdel Aziz, sondern die Landschaften, in denen sich seine Geschichte abspielt. Eric Baudelaire führt hier seine Auseinandersetzung und den Dialog mit dem japanischen Filmemacher Masao Adachi fort, der diese Landschaftstheorie, genannt „fukeiron“, mit seinem Film „A.K.A. Serial Killer“ 1969 erstmals umsetzte. Baudelaire entwickelt eine zweite Ebene, auf der er Gerichtsdokumente, Bild und Sound kombiniert, um so den Kontext der eigentlichen Person Abdel Aziz weiter zu beschreiben. Der Film urteilt nicht über den Charakter des Mannes, er be- und umschreibt, er zeichnet dessen (Werde-)Gang.

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, den 15. Februar, von 18 bis 21 Uhr statt.
WO: Barbara Wien Galerie, Schöneberger Ufer 65, 10785 Berlin

„Bauvorhaben Mitmachstadt“ beim Kulturfest „Spiellinie an der Kiellinie“, Kiel 1979, Foto: Leut’Werk.

Das Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin entstand Anfang der 1970er Jahre. Die Ausstellung in der nGbK zeichnet den Entstehungsprozess des einstig als „Modellversuch Künstlerweiterbildung“ bezeichneten Studiengangs nach. Einerseits stehen dabei Geschichte und Ideologie im Vordergrund, andererseits die vielen wiederkehrenden und anhaltenden Kooperationen zwischen dem Institut für Kunst und Kontext und der nGbK. Es geht um zeitspezifische Fragestellungen, Diskurse und künstlerische Arbeitsweisen, die zwischen 1978 und 2018 bearbeitet und entwickelt wurden. Das dokumentarische Archivmaterial erhält in den künstlerischen Arbeiten und Interventionen aktueller und ehemaliger Studierender des Instituts sein Gegenstück.

WANN: Am Freitag, den 15. Februar, geht es um 19 Uhr los. Weitere Termine rund um die Ausstellung gibt es hier.
WO: neue Gesellschaft für bildende Kunst e.V., Oranienstraße 25, 10999 Berlin.

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