Berliner Kunstgriff
11.10. – 18.10.16

11. Oktober 2016 • Text von

Musikalische Höhen, politische Tiefen, assoziative Fotografien und rationale Gemälde: Es gibt vier gute Gründe in der kommenden Woche der Lethargie von immer kürzer werdenden Tagen zu trotzen und dieser Kunstgriff hat sie alle.

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Johannes Jahnel, Konzertmeister der 2. Violinen des Konzerthausorchesters Berlin, und Yui Yasuhara, Dozentin an der HfM „Hanns Eisler“ und der Universität der Künste Berlin. Courtesy of the artist and me Collectors Room Berlin.

Den Auftakt des Rahmenprogrammes der Ausstellung „My Abstract World“ im me Collectors Room Berlin macht ein Konzert anlässlich des 125. Geburtstags des Komponisten Sergei Prokofjew. Die Verschränkung von Kunst und Musik als einzigartiges kuratorisches Prinzip der aktuellen Ausstellung wird am Mittwochabend, den 12. Oktober, von dem Geiger Johannes Jahnel und der Pianistin Yui Yasuhara in Echtzeit fortgesetzt. Die farbenreiche Musik Prokofjews weist nicht – wie der von Max Dax gestaltete Soundtrack – einen inhaltlichen Bezug zu den Werken auf, sondern wird in den Ausstellungsräumen als synästhetische Erweiterung des visuellen Vokabulars der Sammlung präsentiert. Um den revolutionären Charakter der beiden Sonaten Prokofjews selbst unmusikalischen Ohren zu vermitteln, wird die „Suite im alten Stil“ des russischen Komponisten Alfred Schnittke als Interludium zu hören sein.

WANN: Das Konzert beginnt am Mittwoch, den 12. Oktober, um 19 Uhr.
WO: me collecors Room/ Stiftung Olbricht, Auguststraße 68, 10117 Berlin. Infos und Tickets gibt’s online.

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Karl-Heinz Adler: o.T., 1979, Collage, farbige Papiere, Karton, 30 x 23,8 cm. Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin. Foto: Uwe Walter, Berlin.

Auch am Donnerstag, den 13. Oktober, führt euch unser Veranstaltungstipp in die Auguststraße. Bei EIGEN + ART wird die Ausstellung „systeme/ systems“ des deutschen Malers Karl Heinz Adler, Jahrgang 1927, eröffnet. In den Siebzigern notierte der Künstler, dass sein künstlerisches Schaffen sich auf das Magische, das Rational-Geistige, das Serielle und die praktische Anwendung ästhetisch-künstlerischer Erfahrung  bezieht. Damit schreibt sich sein umfangreiches Oeuvre einerseits in die Entwicklung der Malerei des 20. Jahrhunderts ein, während Adlers künstlerischer Werdegang andererseits Zeugnis über die repressive Kulturpolitik der DDR und die anschließende Öffnung gegenüber der westlichen (Kunst-)Welt ablegt. Serielle Schichtungen, Variationen von geometrischen Grundformen und die geradezu lyrische Verhandlung von Linie und Fläche verleihen den Werken von Karl Heinz Adler eine abstrakte Zeitlosigkeit.

WANN: Eröffnet wird am Donnerstag, den 13. Oktober, von 17 – 21 Uhr.
WO: Galerie EIGEN + ART, Auguststraße 26, 10117 Berlin. Details hier.

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Katharina Marszewski: ‚Busride/kleine Arbeit-oder aus gegebenem Anlass driving down to strike‘, 18 x 25 cm, Fine Art Metalic Print, Edition 3+1. Courtesy the artist and Exile, Berlin.

An der Kurfürstenstraße, dem anderen Epizentrum der Berliner Kunstwelt, eröffnet die Galerie EXILE ebenfalls am Donnerstag, den 13. Oktober, eine Einzelausstellung von Katharina Marszewski. Anlässlich des European Month of Photography werden unter dem Titel „Unnecessary Warsaw Correspondent“ die fotografischen Arbeiten der deutsch-polnischen Künstlerin ausgestellt. Das Thema: Die ambivalente Beziehung zu der Heimatstadt ihrer Eltern, welche 1985 dem sozialistischen System den Rücken kehrten und ihre Tochter in Düsseldorf großgezogen. Das Medium: Zweidimensionales Bild und dreidimensionaler Abzug zugleich, in dem seltenen Format von 7 x 10 Zentimeter, das ursprünglich zur Vorabsicht von entwickeltem Film verwendet wurde. Die Ästhetik: Eine visuelle Erkundung von Vertrautheit, Distanz und Assoziation.

WANN: Die Vernissage beginnt am Donnerstag, den 13. Oktober, um 19 Uhr.
WO: EXILE Berlin, Kurfürstenstraße 19, 10785 Berlin. Und im Internet.

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Richard Mosse: Come Out (1966) XXXI (Triple Beam Dreams), 2012. Digitaldruck, Privatsammlung SVLP. © Richard Mosse.

Die bei Weitem größte Eröffnung der kommenden Woche findet am Freitag, den 14. Oktober, in der Akademie der Künste im Hansaviertel statt. „Uncertain States – Künstlerisches Handeln in Ausnahmezuständen“ umfasst eine Ausstellung, sowie ein dreimonatiges Veranstaltungsprogramm und nähert sich in Auseinandersetzung mit der interdisziplinären künstlerischen Verarbeitung nicht nur dem aktuellen politischen Diskurs, sondern auch der Realität in Kriegsgebieten. Das Programm des Eröffnungswochenendes umfasst neben der Ausstellungseröffnung auch Konzerte, Buchpräsentationen  und Vorträge.

WANN: Auftakt ist am Freitag, den 14. Oktober, um 19 Uhr.
WO: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. Das gesamte Programm findet ihr online.

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