Berliner Kunstgriff
01.11. - 07.11.16

1. November 2016 • Text von

Weil uns gestern Abend viele kleine Gespenster die Süßigkeitenvorräte streitig gemacht haben, bleibt diese Woche nicht viel Zeit, um sich auf der Couch ausgiebig mit der Tafel Zartbitterschokolade zu unterhalten. Husch, husch, raus aus dem Körbchen!

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Tillmann Ohm „Reflections on HAL and Samantha“. Foto © the artist.

Das STATE Festival setzt zeitgenössische Kunst und Wissenschaft zueinander in Bezug und ist eine ganz und gar großartige Veranstaltung. Das können wir guten Gewissens behaupten, denn vor zwei Jahren waren wir bei der Premiere dabei und hatten einen Heidenspaß. Umso mehr kribbeln jetzt die Finger, da das STATE an diesem Wochenende in die zweite Runde geht: Am Samstag und am Sonntag kann im Kühlhaus nicht nur spannenden Vorträgen und Diskussionen gelauscht, sondern auch Filmsichtungen, Ausstellungen, Performances, diversen Workshops und Selbstexperimenten gefrönt werden. Thematisch dreht sich in diesem Jahr alles um den menschlichen Emotionsapparat, weshalb zahlreiche WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen eingeladen wurden, die sich in Bereichen wie künstliche emotionale Intelligenz, Experimentalpsychologie oder künstliche Kreativität auskennen. Um schon mal auf zwei Highlights aufmerksam zu machen: Der amerikanische Konzeptkünstler Jonathon Keats wird erstmals eine neue Arbeit präsentieren, außerdem wird der Dokumentarfilm „Lo And Behold: Reveries Of The Connected World“ von Werner Herzog gescreent. Lieber nicht verpassen!

WANN: Das STATE eröffnet am Donnerstag, den 3. November, um 19.30 Uhr, mit einer Feier im Naturkundemuseum. Dem Programm darf dann am Freitag und am Samstag beigewohnt werden. Wie, wo, was? Hier.
WO: Kühlhaus Berlin, Luckenwalderstr. 3, 10963 Berlin.

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STATE Festival 2016, Arthur Elsenaar „Perfect Paul“. Foto © Mateo Binder.

Wem die Kombi Kunst und Wissenschaft die Hirnwindungen verdreht, der kann sich alternativ auch auf Ersteres konzentrieren und sich am Freitag zu Contemporary Fine Arts begeben, wo gleich zwei Ausstellungen parallel eröffnen: Zum einen die Schau „100 Problems“ der aus England stammenden Künstlerin Hannah Perry, zum anderen die Gruppenausstellung „Cafe Pittoresque“. Hannah Perry ist ein Kind der 90er und setzt sich in ihrem vielschichtigen Oeuvre nicht nur mit dem visuellen Vokabular des Zeitalters, sondern auch mit Konflikten des Heranwachsens sowie des Beziehung-Führens auseinander. Für die Ausstellung bei CFA hat sie nun die Choreografin Holly Blakey sowie ein Tanz- und Musikensemble ins Boot geholt, mit denen sie am Freitag die Performance „Erotic Discourse“ realisiert. Bei „Cafe Pittoresque“ hingegen steht der russische Maler, Fotograf und Architekt Alexander Michailowitsch Rodtschenko im Mittelpunkt, der unter anderem das Oeuvre Albert Oehlens gleich in doppelter Ausführung gespenstisch durchschreitet.

WANN: Beider Eröffnungen finden parallel am Freitag, den 4. November, von 18 bis 20 Uhr, statt. Hannah Perrys Performance beginnt um 19 Uhr. Alles Weitere findet ihr hier.
WO: Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin.

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Renaud Regnery „Tatem und Tobu“. Courtesy: the artist, KLEMM’S Berlin.

Auch am Samstag ist Langeweile ausgeschlossen, denn bei KLEMM’S eröffnet die Ausstellung „Tatem und Tobu“ des französischen Künstlers Renaud Regnery. Hinter dem kryptischen Titel verbergen sich großformatige, monochrome Oberflächen in Pink sowie geometrisch angehauchte Gitterbilder, denen Tapeten zu Grunde liegen, die in den 30er Jahren im Zuge der amerikanischen Wirtschaftskrise mit Kachelmuster bedruckt wurden. Wozu das Ganze? Um möglichst preisgünstig scheuerfeste Fliesenverkleidungen zu simulieren. Renaud Regnery lässt diese Bilder nun ihre eigene Materialität und Entstehung performen, wobei sie zugleich auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit sowie unsere eigenen Alltagserfahrungen verweisen. Husch, husch, hin da!

WANN: Die Eröffnung findet am Samstag, den 5. November, von 18 bis 21 Uhr, statt. Infos hier.
WO: KLEMM’s Berlin, Prinzessinnenstr. 29, 10969 Berlin.

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