Berliner Kunstgriff
09.01. - 16.01.18

9. Januar 2018 • Text von

Der erste Kunstgriff des Jahres besteht nicht nur aus Neuanfängen: Eine Finissage in der Galerie Wedding, dafür gleich zwei Eröffnungen in der Galerie Loock. Währenddessen tanzt im HAU die Gesellschaft.

Dafna Maimon: Orient Express, 2017, Installation. Photo Joe Clark. Courtesy of Galerie Wedding and the artist.

„Orient Express“ ist der Titel der Einzelausstellung von Dafna Maimon in der Galerie Wedding, die am Wochenende zu Ende geht. Anlässlich der Finissage aktiviert die Künstlerin ihre Installation mit der Performance „After Hours“, die szenische Darstellung des Endes einer Restaurant-Schicht: Zwei Angestellte inszenieren das Aufräumen nach ihrem Arbeitstag und reflektieren die Ereignisse des Abends. Die Verbindung von autobiografischen und gefundenen Materialien in postdigitalen Environments ist charakteristisch für das Werk der finnischen Künstlerin. So beschäftigt sich die Ausstellung in der Galerie Wedding beispielsweise mit der Geschichte ihres Vaters, der 1985 das erste Kebap Restaurant des Landes in Helsinki eröffnete, und reinszeniert ein von ihm in Auftrag gegebenes, hochbudgetiertes Werbevideo.

WANN: Die Performance findet am Donnerstag, den 11. Januar, und Samstag, den 13. Januar, jeweils um 19 Uhr, statt.
WO: Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, Müllerstraße 146 – 147, 13353 Berlin. Details hier.

Manfred Paul: Pampelmuse mit Löffel, 1984, Fotografie. Copyright Manfred Paul. Courtesy of Loock Galerie, Berlin.

Die Galerie Loock in der Potsdamer Straße eröffnet am Freitag gleich zwei Einzelausstellungen: In den Galerieräumen zeigt Miwa Yanagi neue Arbeiten und im Showroom werden Fotografien von Manfred Paul aus den 1980er Jahren ausgestellt. Yanagis Reflexion über die Katastrophe von Fukushima vor dem Hintergrund japanischer Mythologie trägt den Titel „The Goddess and the God Separate Under the Peach Tree“. Im Shintoismus ist der Pfirsich ein Symbol der Frau und steht in Verbindung mit dem Mythos der Göttin Izanami, die nach der Geburt ihrer Söhne ins Land der Toten übertritt, wo ihr Mann sie aufsucht, aber nur noch ein schleimiges Wesen vorfindet, vor dem er sich mit Pfirsichen verteidigt.
Eine ganz unterschiedliches Thema bestimmt die fotografischen Arbeiten von Manfred Paul, der in den Achtzigern Requisiten und Kulissen des Alltags in der DDR dokumentiert. Seine Bilder sind Stillleben, Abbildungen von alltäglichen Gegenständen im geteilten Berlin, und bedienen die traditionelle Haltung der Gattung: „Memento mori!“

WANN: Die beiden Ausstellungen eröffnen am Freitag, den 12. Januar, um 19 Uhr.
WO: Galerie Loock, Potsdamer Straße 63, 10785 Berlin. Alles weitere hier.

Protagonist von Jefta van Dinther / Cullbergbaletten

Das ganze Wochenende zeigt das HAU – Hebbel am Ufer die Tanz-Performance von Jafta van Dinther entstanden mit 14 Tänzer*innen der Cullbergbaletten aus Stockholm. Ihre Bewegungen streben mehr in die Vertikale als in die Höhe und übersetzen das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Individualität in Tanz. Auf der Bühne formiert sich eine Gesellschaft, werden Rollen verteilt und ein gemeinsamer Sinn gesucht. Vor grellem Neonlicht stehen sich die Pole Fürsorge und Isolation, Bündnisse und Kontrolle, sowie Verwandtschaft und Entfremdung in der Performance „Protagonist“ gegenüber.

WANN: Die Performance wird am 11., 12. und 13. Januar, jeweils um 20 Uhr, gezeigt.
WO: HAU1 – Hebbel am Ufer, Stresemannstraße 29, 10963 Berlin. Infos und Tickets hier.

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