Berliner Kunstgriff
06.03. - 12.03.18

6. März 2018 • Text von

Die einen trafen sich in Bad Gastein, kommen aus Schweden, den Niederlanden und Deutschland und machen eine Ausstellung in Kreuzberg. Die anderen kommen aus der Türkei, leben in Wien, Istanbul und diskutieren in Mitte über Kunst und Politik. Khaled Hafez erprobt sich bei Nome an interkulturellen Ikonografien – runde Sache diese Kunstwoche.

Simon Mathers: Chicken Licken, 2017, 61 x 71 cm, Öl auf Leinwand. Courtesy of the artist.

Der Rahmen, in dem Kunstwerke präsentiert werden, nimmt eine zentrale Rolle innerhalb jeder Ausstellung ein. In Auseinandersetzung mit der traditionellen Repräsentationsfunktion von Kunstinstitutionen und der Verwertungslogik des Galeriewesens entstehen immer wieder alternative Formate. Aber selbst in Berlin, wo sich zeitweise der Eindruck einschleicht, dass alles schon einmal gemacht worden ist, sind Überraschungen noch möglich. So eröffnet am kommenden Donnerstag die Ausstellung „601,97“ im Atelier des Künstlers Ondrej Drescher, der nicht als Kurator (auch nicht als artist-curator), nicht als Galerist (auch nicht als artist-gallerist) auftritt, sondern als Gastgeber. An seinem persönlichen Arbeitsplatz werden Werke von Linda Bäckström, Alexandra Baumgartner, Franziska Stünkel, Margriet van Weenen, Love Lundell, Simon Mathers und ihm selbst ausgestellt. Die Kunstschaffenden lernten sich während einer Residency in Bad Gastein 2016 kennen und kommen zwei Jahre später und über 800 Kilometer entfernt erneut zusammen.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, den 08. März, um 18 Uhr.
WO: Studio Ondrej Drescher, Köthener Strasse 28, 10963 Berlin. Alles Weitere hier.

CANAN: Women Bathing in Moonlight, 2017, video, 4’44“, loop. Copyright und Courtesy: CANAN.

In der Akademie der Künste finden sich am selben Abend Kulturschaffende aus der Türkei zusammen, um über die Frage zu diskutieren, wie die aktuelle politische Situation künstlerische Praktiken vor Ort beeinflusst – formal, inhaltlich, aber auch direkt auf die Lebensrealität von Protagonist*innen einwirkt. In einer einzigartigen geopolitischen Situation zwischen der arabischen Welt, dem Iran, Russland und Europa bilden sich die internationalen Konflikte in der türkischen Gesellschaft und Kultur auf komplexe Weise ab. Johannes Odenthal, Programmbeauftragter der Akademie der Künste diskutiert mit Kultur- und Sozialanthropologin Ayşe Çağlar, Professorin an der Universität Wien, der in Istanbul lebenden Künstlerin CANAN, dem Schriftsteller Mario Levi und Azra Tüzünoğlu, Gründerin und Direktorin der PİLOT Galeri, Istanbul.

WANN: Das Gespräch beginnt am Donnerstag, den 08. März, um 20 Uhr.
WO: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin. Eintritt 6 €/ ermäßigt 4 €. Details hier.

Khaled Hafez: Realms of Hyperreal 1, 2018, Mixed media auf Leinwand, 300 x120 cm Diptychon. Courtesy of the artist.

In Kreuzberg eröffnet am darauffolgenden Abend die neue Einzelausstellung von Khaled Hafez in der Nome Gallery. Die multimediale Werkschau verschreibt sich der Auflösung von klassischen Dichotomien wie modern / traditionell, Ost / West und sakral / profan. Die Verbindung von Gegensätzlichkeiten erfolgt zunächst auf formaler Ebene, bevor sich über die narrativen Elemente der Arbeiten inhaltliche Bezüge einstellen. Unter dem Titel „Realms of the Hyperreal“ wird ein großformatiges Wandtableau, das pharaonischen Symbolismus mit kapitalistischer Mythologie verbindet, sowie eine dreikanalige Videoarbeit über unterschiedliche postkoloniale Herrschafts- und Machtstrukturen im Ägypten der Gegenwart zu sehen sein. Schließlich materialisieren sich Pistole, Hammer und Messer als Bedeutungsträger des Films in Kupfer. Der aus Ägypten stammende Künstler Khaled Hafez reizt die Möglichkeiten von interkulturellen Ikonographien jenseits von simplifizierenden Analysen von Identität aus.

WANN: Das Opening findet am Freitag, den 09. März, um 18:00 Uhr, statt.
WO: Nome Gallery, Glogauer Straße 17, 10999 Berlin. Mehr Infos hier.

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