Berliner Kunstgriff
05.04. - 11.04.2016

5. April 2016 • Text von

Na, wer von euch hat letzten Freitag eifrig Aprilscherze verteilt? Wir haben es vor lauter Trubel ganz vergessen – es kamen einfach viel zu viele Mails mit großartigen Einladungen ins Haus geflattert. Statt verdrießlich über die verlorenen Scherze zu schmollen, laden wir euch lieber gleich mit ein. Gutes Karma und so.

Die Berliner Kunstwoche startet am Donnerstag, den 07. April, mit einem Talk mit Leiko Ikemura im Haus am Waldsee. Bei dem ein oder anderen wird der Name ein Glöckchen ringen lassen – auf das vielschichtige Oeuvre der japanischen Künstlerin haben wir nämlich schon seit geraumer Zeit ein Auge geworfen. In ihrer aktuellen Ausstellung „… und plötzlich dreht der Wind“ im Haus am Waldsee wird nun ihr Schaffen von 2006 an nachgezeichnet. Bei dem Titel müssen wir übrigens gleich an Ikemuras Arbeit im Schloss Roskow denken, bei der uns – als Teil der Installation – wie von Zauberhand ein frisches Lüftchen den Nacken streichelte. Dieses Mal gibt es sowohl Malereien und Zeichnungen als auch skulpturale und installative Werke der intermedial arbeitenden Künstlerin zu sehen. Die zentralen Themen: der persönliche Verlust eines nahestehenden Menschen (in diesem Fall der Tod von Leiko Ikemuras Mutter) sowie die Katastrophe von Fukushima.

WANN: Der Talk findet am 07. April, um 19.30 Uhr, statt. Infos findet ihr hier.
WO: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin.

300_Leiko Ikemura_photo by Helenio Barbetta

Leiko Ikemura, Foto: Helenio Barbetta.

Weiter geht es dann am Freitag, den 08. April, bei Magic Beans, wo die Einzelausstellung des aus Italien stammenden Künstlers Guiseppe Gonella eröffnet. In seinen farbintensiven Malereien setzt sich Gonella mit den Träumen und Ängsten auseinander, die unsere Menschheit im heutigen digitalen Zeitalter beschäftigen. Seine Bilder sind kraftvoll, pathetisch und enthalten teils schon fast surreale Züge: Fragmente menschlicher Körper werden eingewoben von leuchtenden Pinselstrichen, ein einsamer Ast ragt aus einem wilden Farbmeer. Der Künstler selbst begreift den Prozess des Malens als eine Art Konservierungsmethode. Das tiefgründige Erkunden von Themen, das uns angesichts der permanenten, medialen Reizüberflutung oft verloren geht, lässt sich seiner Meinung nach durch die Arbeit mit dem Pinsel wiederherstellen. Der Titel der Ausstellung „Walking Home“ spielt hierbei auf die Herausforderung für uns menschliche Wesen an, einen Weg zur Erlösung zu finden. Vielleicht müssen wir am Freitag ja einfach nur durch die Pforte der Galerie treten, um dieses Ziel zu erreichen.

WANN: Die Eröffnung findet am 08. April, von 18-21 Uhr, statt. Für Infos hier entlang.
WO: Magic Beans Berlin, Auguststr. 86, 10117 Berlin.

giuseppe-gonella-magic-beans

Giuseppe Gonella „Outlying“. Courtesy: Artist, Magic Beans.

Von den Arbeiten von Isa Genzken fühlen wir uns irgendwie verfolgt. Ist auch kein Wunder – immerhin zählt das Oeuvre der in Deutschland geborenen Künstlerin längst zu einer der wichtigsten Positionen der Gegenwartskunst. Die Ausstellung „Mach Dich Hübsch!“, die ab Samstag im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, ist deshalb ein absolutes Muss für alle Kunstfans (und eigentlich auch für alle Nicht-Kunstfans). Offenbart wird ein Blick auf all die wunderbaren Dinge, die die Künstlerin durch ihr unermüdliches Schaffen schon so hervorgebracht hat: von ihren frühen Filmarbeiten über Zeichnungen und Betonskulpturen bis hin zu vielschichtigen Collagen und komplexen Bildmontagen. Isa Genzkens Werke mögen auf den ersten Blick oft unschuldig, ja gar niedlich wirken, enthalten jedoch äußerst tiefgründige Reflexionen zu gesellschaftlichen sowie weltpolitischen Themen. In der Vergangenheit nahm Genzken deshalb schon mehrmals an der documenta teil und bespielte außerdem im Jahr 2009 den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Ausrede, die wir gelten lassen, nicht hinzugehen? Keine!

WANN: Die Ausstellung ist ab Samstag, den 09. April, zu sehen. Infos gibt’s hier.
WO: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin.

scopin-asphalt-artpress

Key Visual der Ausstellung SCOPIN ASPHALT. Foto: Arno Dietsche © Scopin

Am Sonntag, den 10. April, geht es dann in die St. Elisabeth-Kirche in Mitte. Ja, ihr hört ganz richtig und nein, wir wollen nicht Ostern nachfeiern. Vielmehr lockt uns die Ausstellung „Asphalt“ des in Freiburg geborenen Künstlers Scopin in die sakralen Räumlichkeiten. Malen kann man ja mit vielem – Acrylfarbe, Ölfarbe, Wasserfarbe, Lack und Kreide sind nur einige populäre Beispiele. Scopin, mit bürgerlichem Namen übrigens Albert Schöpflin, macht sich nicht viel aus solcherlei Konventionen. Seine Bilder sind mit Asphalt gemalt – inspiriert von dem Anblick der zerstörten Straßen im New York der 1970er Jahre. Dort lebte der Künstler nämlich damals in direkter Umgebung zu dem legendären Künstlerunterschlupf Chelsea Hotel. Jeder, der Patti Smith’s „Just Kids“ gelesen hat, weiß, wovon die Rede ist. Inzwischen hat Scopin New York gegen Basel eingetauscht und schaut sich den Asphalt nicht mehr nur an, sondern nutzt das unbändige Material, um daraus seine abstrakten, zwischen Düsterkeit und meditativer Ruhe oszillierenden Malereien zu schaffen. Wie genau das ausschaut? Nicht dumm fragen, hingehen.

WANN: Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, den 10. April, um 12 Uhr mittags statt. Nachgelesen werden kann hier.
WO: St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstr. 3, 10115 Berlin.

Weitere Artikel aus Berlin