Berliner Kunstgriff
05.03. – 11.03.19

5. März 2019 • Text von

Bunte Keramiken von Körperteilen zeigt Soy Capitán, Sweetwater, Berlin lässt mit „Cecilia“ die fortdauernde Stadt künstlerisch aufleben, bei Klemm’s gibt es abstrakte Formenspiele im Doppelpack, im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst geht es um Digitalisierung und sogar der Palast der Republik wird symbolisch wieder aufgerichtet – eine Woche mit spannenden Eröffnungen in der Hauptstadt.

Paloma Proudfoot, Courtesy: Soy Capitán and the artist, Photographer: Rosie Harriet Ellis.

Vorrangig entzweien sie, teilen, aber genauso lassen sie auch Neues entstehen: Scheren – zweischneidige Werkzeuge, die zerstören wie auch neu zusammensetzen können. Ein Gedanke, den der britische Youngstar der Kunstszene Paloma Proudfoot nun in ihrer ersten Einzelausstellung „A History Of Scissors“ in Deutschland in der Galerie Soy Capitán hinterfragt. Proudfoot, die für ihre verspielten, bunten Keramiken bekannt ist, in denen sie sich mit Themen wie Fetisch und Feminismus auseinandersetzt, präsentiert in der Berliner Galerie neue skulpturale Arbeiten − Reproduktionen von Abgüssen der Körperteile ihrer Freundinnen. Auf humorvolle und verspielte Art erschafft Proudfoot Keramiken, die nicht nur auf die Vergänglichkeit und Verwundbarkeit des menschlichen Körpers anspielen, sondern auch das sich ständige Zersetzen und Wiederherstellen unseres Organismus thematisieren.

WANN: Die Eröffnung der Ausstellung „A History Of Scissors“ findet am Freitag, den 8. März, von 18 bis 21 Uhr statt.
WO: Galerie Soy Capitán, Prinzessinnenstraße 29, 10969 Berlin.

 

Constantin Thun, „Untitled toolbox (Axel)“ (2019), courtesy the artist and Sweetwater, Berlin.

Marco Polos Bericht diente als Vorlage – der italienische Schriftsteller Italo Calvino überschrieb, variierte und verwandelte den Stoff. So entstand 1972 dessen Buch „Die unsichtbaren Städte“. Als eine der „fortdauernden Städte“ taucht „Cecilia“ darin auf. Eine rätselhafter Ort, der unendliche Wünsche und Ängste verkörpert und der gleichnamigen Ausstellung in der jungen Galerie Sweetwater, Berlin in Berlin-Kreuzberg als Ausgangspunkt dient. „Cecilia“ vereint die Arbeiten von jungen Künstlern wie der Gewinnerin des Kapsch Contemporary Art Prize Anne-Sophie Berger, sowie Benjamin Hirte und Constantin Thun.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 8. März, von 18 bis 21 Uhr.
WO: Sweetwater, Berlin, Kottbusser Damm 7, 10967 Berlin.

Bernard Piffaretti, sans titre 2018 © Klemms.

Geometrisch-abstrakte Formenspiele, und das gleich in doppelter Ausführung. Das Gemalte zweifach darstellen, das ist das Markenzeichen des französischen Künstlers Bernard Piffaretti. In den Bildern herrscht ein Verdopplungseffekt, bei dem das selbe Motiv einmal rechts und einmal links auf der Leinwand erscheint. Am Freitag eröffnet die Galerie Klemm’s die Ausstellung „Kontinuum“, eine Fortsetzung der ersten Ausstellung des Künstlers „No Chronology“ in der Galerie vor drei Jahren. Die diesjährige Ausstellung seiner zwölf neuen Bilder zeichnet sich durch eine klare Struktur aus: Die Werke sind innerhalb eines Jahres entstanden und in chronologischer Folge dargeboten. Bestimmend ist die Frage nach dem Moment des  „Vorher“ und „Nachher“ im Bild und im Schaffensprozess des Malers.

WANN: Die Ausstellung „Kontinuum“ eröffnet am Freitag, den 8. März, von 18 bis 21 Uhr.
WO: Klemm’s, Prinzessinnenstraße 29, 10969 Berlin.

„Palast der Republik“, 8. bis 10. März 2019 im Haus der Berliner Festspiele, Berliner Festspiele/Immersion, Foto: Burkhard Peter.

Palast der Republik Reloaded. Nicht faktisch, aber symbolisch wird im Haus der Berliner Festspiele der teuerste Prachtbau der DDR-Geschichte am Wochenende wieder errichtet. An drei Tagen wird unter anderem der Frage nachgegangen, welche emanzipatorischen Bewegungen und Haltungen der Wendezeit heute verschwunden sind, aber immer noch gebraucht werden. Als ein „Palast der Gegenerzählungen“ voller Diskurs, Performance, Musik und Film konzipiert, beleuchtet er heutige politische Konflikte, die in Verbindung zu den Ereignissen um den Mauerfall stehen, und hinterfragt sie kritisch. Empowerment an drei Tagen: „Re-Vision“ am 8. März, „1989/2019 – Come Together“ am 9. März und „Neue Allianzen für ein anderes Europa“ am 10. März. 

WANN: Das Festival Palast der Republik findet von Freitag, den 8. März, bis Sonntag, den 10. März, zu verschiedenen Uhrzeiten statt. Mehr Infos hier.
WO: Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin.

Behind The Screen, Installationsansicht, KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, 2019, Foto: Anne Schwanz.

Fest haben sie uns im Griff. Ständig wird daran gearbeitet, die Geschwindigkeit unserer Internetverbindungen, sowie die Effizienz unserer Big-Data-Algorithmen zu verbessern. Ein Leben ohne Digitalisierung? Kaum mehr vorstellbar. Ob Smartphone, Computer oder Tablet – täglich konsumieren wir unendliche Bytes an Daten. Das Digitale an sich bleibt jedoch verborgen, eine nicht klar definierbare Datenwolke. Im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst eröffnet am Samstag die Ausstellung „Behind The Screen“, in der die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler hinter den Bildschirm blicken. Kuratiert von Anne Schwanz untersuchen die vorrangig jungen Künstler unseren Umgang vor und hinter dem Bildschirm: Welche sozialen Auswirkungen haben neueste digitale Entwicklungen? Wie beeinflussen uns Social Bots? Hochaktuelle Fragen werden in den künstlerischen Arbeiten analog sichtbar gemacht.

WANN: Die Ausstellung „Behind The Screen“ eröffnet am Samstag, den 9. März, von 17 bis 21 Uhr.
WO: KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin.

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