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Espace Surplus: HUMOR – Simon Menner

Heute Abend geht es im Espace Surplus in der Torstraße um Humor. Ziemlich schwarzen allerdings, wenn man sich die Arbeiten von Fotograf Simon Menner so ansieht.

Hier gibt es unter anderem mit dem „Project Boobytraps“ eine Serie von Anleitungen wie man jemanden am besten um die Ecke bringen kann, dazu dann Diktatoren ohne Bärte, hilfreich beschilderte Landminen und Aufnahmen aus dem Stasiarchiv. Wie witzig man das finden mag ist Geschmackssache, interessante Denkanstöße sind aber definitiv gewährleistet.
Außerdem handelt es sich hierbei um die letzte Schau im Espace Surplus. Wer sich also noch einmal verabschieden will und sich nicht vor ein wenig fotografischem Wahnwitz scheut, der schaut ab 18 Uhr in der Torstraße 224 vorbei.

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Simon Menner, Aus dem Projekt Serie Minefileds Bosnia, 2010, © Simon Menner

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Simon Menner, Aus dem Projekt Boobytraps, 2011, © Simon Menner

HUMOR – Simon Menner
Espace Surplus
Laufzeit: 11. Mai – 16. Juni 2013

WANN: Eröffnung Freitag, 10. Mai, 18 bis 21 Uhr.

WO: Espace Surplus, Torstraße 224, 10115 Berlin

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Der wöchentliche Gallerytalk-Kunstgriff (07.5. – 14.5.2013)

Grillen, Sonnenschein, langes Wochenende – und zwischendurch auch mal Kunst gucken, besser kann der Monat nicht starten, oder? Na dann legen wir doch gleich wieder los mit unseren für euch herausgesammelten Event-Empfehlungen für die kommende Woche!

Gleich am Mittwoch, den 8. Mai, geht es hoch her. Im Bauhaus-Archiv eröffnet „ON-TYPE: Texts on Typography“. Vom Bauhaus, über die Schweizer Typographie (Helvetica, anyone?) bis in die Postmoderne und in die allerneuste, digitalisierte Gegenwart geht es durch die Geschichte der Schriftgestaltung. Und man kann sich dort nicht nur ganz klassisch alte Drucktypen in Vitrinen angucken, sondern sich laut Pressetext gleich interaktiv einen individuellen Katalog zusammenstellen. Spannend und definitiv nicht nur für Grafikdesigner mit Minimalismusfaible! Am Mittwoch von 10 bis 17 Uhr in der Klingelhöferstraße 14.

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ON-TYPE: Texte zur Typografie, Detail der Ausstellungssituation © ON-TYPE / Gutenberg-Museum, Mainz 2012, Foto: Lena Giovanazzi

Wer dann am Donnerstag, den 9. Mai, nach so viel Gedrucktem lieber dem gesprochenen Wort lauschen möchte, der sollte sich um 19 Uhr in der Auguststraße beim KW Institute for Contemporary Art einfinden. Nachdem schon letzten Dienstag das große Event „Virtuosity“ in der Philharmonie stattfand (das wir euch natürlich auch brav empfohlen hatten), gibt es heute dann den passenden Talk dazu: Mit Sladja Blazan, Bethan Huws, Christoph Keller, Annika Larsson, Tisha Mukarji, Olaf Nicolai und Ana Teixeira Pinto. Mehr erfährt man hier.

Wer am Freitag, den 10. Mai, mal sehen will, was der künstlerische Nachwuchs diesseits und jenseits des Ärmelkanals so treibt, der ist bei LoBe Berlin richtig. „Klub Kube“ heißt das Projekt in dem Kunststudenten der HBK Braunschweig und der Kunsthochschule Sheffield kooperieren und zeigen, was sie so drauf haben. Nächstes Jahr wiederholt sich das Ganze dann mit Studenten vom Goldsmiths College London und der Kunsthochschule Weißensee Berlin. Die anglophile gallerytalk-Rezensentin freut sich und schickt euch am Freitag um 19 Uhr in den Wedding. Aber Achtung, Eile ist geboten, denn die Schau läuft nur bis zum 13. 5.

Klub KubeHalbfinale2013 copyright WerhahnPuschendorf2 213x300 Der wöchentliche Gallerytalk Kunstgriff (07.5. – 14.5.2013)
Klub Kube,Halbfinale,2013, © Werhahn & Puschendorf

Am Samstag, den 11. Mai, kann man sich dann einmal hoch in den Prenzlauer Berg begeben und sich bei greusslich contemporary die Doppelausstellung von Matti Isan Blind und Vanessa Farfán anschauen. Hier treffen streng geometrische schwarz-weiß-Skulpturen auf wild wuchernde abstrakte Malereiarbeiten. Bei beiden geht es um Stadt, um Raum und auch um Architektur. Und voll soll es werden: „Der Ausstellungsraum wird, der Dichte der Malerei von Vanessa Farfán folgend, an die Grenzen seiner Kapazitäten für die gängige Präsentation zeitgenössischer Kunst gebracht“ heißt es auf der Website. Man darf gespannt sein. Das Ganze dann am Samstag ab 19 Uhr in der Buchholzer Straße 11.

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Vanessa Farfán: Zoom 1, 2012, Acrylfarbe, Pastell und Öl auf Leinwan, 165 x 150 cm, © Vanessa Farfán

Zum Abschluss gibt es am Montag, den 13. Mai, in der Berlinischen Galerie dann noch ein Filmscreening und einen Talk, beides zur aktuellen Ausstellung der Arbeiten von K.H. Hödicke, hier natürlich mit dem Thema Hödickes Filme. Wer die Ausstellung schon besucht hat wird sich vielleicht an die arme arme Schildkröte auf dem Tisch auf der Autobahn erinnern – Uneingeweihte werden am Montag Abend ab 18 Uhr aufgeklärt. Auf jeden Fall gibt es da erst eine Dokumentation zu sehen und dann ein Gespräch mit dem Künstler selbst und dem Produzenten und Filmemacher Helmut Wietz. Nähere Infos findet ihr hier.

Und damit war es das auch schon wieder für diese Woche. Wir wünschen euch viel Spaß an den vielen freien Tagen und sehen uns nächsten Dienstag in alter Frische zum neuen Kunstgriff wieder!

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Kunstraum Kreuzberg/Bethanien: Open Monument – vergängliche Denkmäler im öffentlichen Raum

Heute haben wir einen Tipp für alle urbanen Geister, die sich tiefergehend mit der Stadt, dem öffentlichen Raum und der Rolle, die alte und neue Denkmäler darin spielen, befassen wollen. Denn im Kunstraum Kreuzberg geht es ab heute, den 3. Mai, nicht nur um historische Orte und Monumente, die schon seit eh und je bestehen, es werden auch ganz neue geschaffen.

Das von Marta Jecu kuratierte Ausstellungsprojekt Open Monument widmet sich in verschiedenen Medien der Transformation,  Aneignung und Dekonstruktion von Denkmälern im städtischen Raum durch dessen Bewohner. ”Zehn internationale KünstlerInnen intervenieren an historisch belegten Orten” beschreibt es die Website. “Es entstehen vergängliche Architekturen in Form von Spaziergängen, eines mobilen städtischen Archivs, einer umgekehrten Konstruktion unter der Erde, eines selbstgemachtes Hauses u.a.” Na, das klingt doch spannend. Die Architektur der Bethanien-Räume selbst wird wohl auch gleich mit verbaut. Und eine Performance gibt es auf der Eröffnung auch noch dazu. Also auf nach Kreuzberg! Um 19 Uhr geht es los.

KunstraumKreuzberg DelioJasse 2013 210x300 Kunstraum Kreuzberg/Bethanien: Open Monument – vergängliche Denkmäler im öffentlichen Raum

Delio Jasse, Open Monument, 2013, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien © Delio Jasse

Open Monument – vergängliche Denkmäler im öffentlichen Raum
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
Laufzeit: 4. Mai bis 16. Juni 2013

WANN: Eröffnung: Freitag, den 3. Mai 2013, ab 19 Uhr mit einer Performance von Luca Pozzi (“Drawing Session on Mother Platform Device”), einem Konzert von David Maranha und Party mit DJ Marcfm

WO: Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

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Der wöchentliche Gallerytalk-Kunstgriff (16. 4. – 23. 4. 2013)

Der Frühling ist da! Berlin taut auf, die Menschen trauen sich aus dem Haus und in die Sonne – da freut man sich doch gleich besonders auf die nächste Runde Events und Eröffnungen. Und so geht es mit dem Gallerytalk-Kunstgriff frisch in die neue Kunstwoche:

Am Dienstag den 16. April geht es zum Auftakt im Neuen Berliner Kunstverein gleich um die großen wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge. Hier gibt es eine Diskussionsrunde in englischer Sprache zum Thema “The Aesthetics and Politics of Ecology” mit Ursula Biemann, T.J. Demos und Irit Rogoff. Interessenten finden sich um 19 Uhr in der Chausseestraße 128/129 ein.

Am Donnerstag den 18. April eröffnet dann bei Daimler Contemporary am Potsdamer Platz die neue Dauerausstellung “Conceptual Tendencies 1960s to Today II”. Diesmal geht es um Körper, Raum, Volumen als essentielle Materialien der Kunst. Man darf gespannt sein und um sieben Uhr im Haus Huth vorbeischauen. Am 20. April um 16 Uhr kann man sich zur näheren Erläuterung der sich ja doch nicht immer auf den ersten Blick erschließenden konzeptuellen Arbeiten auch gleich noch die Führung durch die Ausstellung anhören.

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Natalia Stachon: Drift 03, 2012, Daimler Contemporay, Bildquelle: http://www.sammlung.daimler.com

Wer es lieber undergroundiger mag, kann am sich am Freitag den 19. April nach Neukölln begeben, dort widmen sich im Giftraum beim Rathaus Neukölln unter dem schönen Titel „Things That Make You Go Ooohhh“ sieben Künstler und Künstlerinnen zwei Tage lang der Schönheit des puren Materials. Ob man da wirklich „oooh!“ macht lässt sich am Freitag von 20 bis 22 Uhr und am Samstag von 14 bis 22 Uhr nachprüfen.

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Flyer: Things That Make You Go Ooohhh, Bildquelle: http://bpigs.com

Auch am Freitag den 19. April eröffnet im Projektraum Souterrain in den Sophie-Gips Höfen die Ausstellung California Calling von Christine Schulz. Wie viel kalifornisches Flair in den Fotografien und Installationen der Künstlerin zu finden ist, lässt sich Freitag Abend zwischen 18 und 21:30 Uhr herausfinden.

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie wir in Zukunft leben sollen, wollen oder müssen ist vielleicht am Sonntag den 21. April im Haus am Waldsee an der richtigen Stelle. Werner Aisslinger transformiert das ganze Haus in ein “Home of the Future” und versucht so diese Fragen zu beantworten. Näheres gibt es hier oder am 21. 4. ab 11 Uhr vormittags direkt vor Ort.

Ebenfalls am 21. April findet im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien zum Abschluss der laufenden Ausstellung „Between appropriation and interventions. Realitäten / Bedingungen / Normen / Positionen / Transformation“, die sich öffentlichen, gesellschaftlichen sozialen und kulturellen Räumen und deren Transformation widmet, eine Performance statt. Ab 16 Uhr läuft die zweistündige Intervention von Andreas Sell mit dem Titel „Stillstand“.

Und damit sind wir für diese Woche auch schon wieder am Ende angekommen. Nächste Woche geht es dann mit dem Gallery Weekend vom 26. Bis 28. April  richtig rund im Berliner Kunstzirkus und wir werden natürlich mit ausführlicher Berichterstattung dabei sein.

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„Jeder Künstler ist ein Mensch“ Martin Kippenberger im Hamburger Bahnhof

Schon seit Februar zeigt der Hamburger Bahnhof mit “Sehr gut I Very good” eine große Überblicksschau der zwischen Klamauk und Konzept schwankenden Arbeiten des 1997 verstorbenen Martin Kippenberger. Kuratiert von Udo Kittelmann, Britta Schmitz und Miriam Halwani will die Ausstellung bewusst keine Retrospektive sein, fühlt sich aber, nicht zuletzt aufgrund des gewaltigen Umfangs von über 300 Werken, doch wie eine an.

Der Großteil der Ausstellung befindet sich in den langestreckten Rieckhallen, doch im Hauptgebäude befinden sich als Vorgeschmack schon einmal zwei Installationen. Die Bodencollage „Untitled (Installation für Claudia Skoda)“ (1976) legt den Fokus der Ausstellung gleich auf Kippenbergers Berliner Jahre. In der titelgebenden Serie „Sehr gut │ Very good“, den „weißen Bildern“ von 1991, lässt der Künstler einen neunjährigen Jungen seine Arbeiten beschreiben und mit der Note „sehr gut“ versehen. Dieser, im Ostflügel auch räumlich vom Rest der Ausstellung abgesonderte, Bilderzyklus präsentiert sich visuell so ganz anders, als das, was man vom chaotisch-schrillen Kippenberger kennt. Die in die Wände eingelassenen weißen Leinwände, deren krakelige Kinderschrift erst auf den zweiten Blick zu entziffern ist, wirken minimalistisch, konzeptuell – ja richtig museal.

Im ersten Raum der Rieckhallen beginnt die Ausstellung dann ganz klassisch mit Selbstporträts wie „Bitte nicht nach Hause schicken“ (1983) und „Martin, ab in die Ecke und schäm dich“ (1989). Der Künstler zeigt sich als Exhibitionist, bei dem Kunst und Leben vollironisch verschmelzen, inszeniert sich als punkiger Anti-Beuys. „Jeder Künstler ist ein Mensch“ statt „jeder Mensch ist ein Künstler“, so steht es als Zitat an der Museumswand. Dazu gibt es als Audioinstallation gleich eine alkoholisierte Variante von Beuys 68er „Ja ja ja, nee, nee, nee, nee“-Monolog, von Kippenberger 1995 nachgekrächzt. Im Hamburger Bahnhof mit seiner einen ganzen Flügel füllenden Beuys-Sammlung befindet sich der Querulant Kippenberger plötzlich auf unerwarteter Augenhöhe mit dem filztragenden Schamanen aus Krefeld.

Kippenberger agiert aber nicht nur als Anti-Beuys, sondern probiert sich auch als Anti-Richter aus. In seinen Florenz-Bildern (1976/77) malt er wie Gerhard Richter beliebige Fotos und Zeitungsbilder ab. Statt meditativer Studien in malerischer Exzellenz produziert er jedoch comichafte Touristenimpressionen –  und tauscht die Serie schließlich gegen lebenslange Freigetränke in der Berliner Paris Bar ein.

Sein bekanntes monumentale Bild der Paris Bar (1993) hängt dann passenderweise gleich nebenan. Obwohl das über zwei Bild-im-Bild-Ebenen verschachtelte Gemälde einen von Kippenbergers bevorzugten Absturzorten darstellt, hat er es nicht selbst gemalt, sondern bei einem Kinoplakatmaler in Auftrag gegeben. Das kann man banal finden, oder – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Arbeit heute trotzdem für Millionenbeträge auf dem Kunstmarkt gehandelt wird – satirisch und hochkonzeptuell.

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Martin Kippenberger: Paris Bar, 1993, Acryl auf Leinwand, 259 x 360 cm, © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

„Berlin muss neu gestrichen werden“, propagiert Kippenberger, lässt dafür aber lieber andere malen. So geschehen in seiner Serie „Lieber Maler male mir“. Mit dieser Dekonstruktion des bis ins späte 20. Jahrhundert verschleppten Mythos vom Malergenie begann der Künstler schon 1981. Den von ihm bei Plakatmalern bestellten trivialen Alltagsmotiven ist dementsprechend der nächste Ausstellungsraum gewidmet.

Hier hätte man sich allerdings mehr Erläuterungen gewünscht, um den Sachverhalt des Malen-lassens klar darzustellen – den andächtigen Posen einiger Besucher nach, scheint der/die eine oder andere nämlich doch eine benjaminische Originalitätsaura in die Bilder hineingelesen zu haben.

Ein generelles Problem der Ausstellung ist sowieso die Gradwanderung zwischen selbsterklärender Kunstmarktsatire und dringend benötigter Erläuterung. Einerseits ist die Ironie vieler Werke nur für mit Kippenbergers Oeuvre vertraute „Eingeweihte“ erkenntlich, gleichzeitig tragen allzu detaillierte Infotexte aber wie die vielen Führungen, die sich mit pädagogischem Erklärbär-Impetus durch die Ausstellung schieben, zwar vielleicht zum kontextuellen Verständnis bei, der Konfrontation mit den Werken wird dadurch aber viel an Spontanität und Humor genommen.

Auf die „,lieber Maler“-Serie folgen fotografische Selbstporträts, auf denen sich Kippenberger nicht mehr als Fluxus-filziger Beuys inszeniert, sondern sich gleich Pablo Picasso als Malerfürsten des 20. Jahrhunderts annimmt: mit Bierbauch und in original-picassoesker Unterhose – Schießer mit Eingriff, versteht sich.

Dem Überblicksanspruch der Schau angemessen wird Kippenberger nicht nur als Maler, sondern auch hinsichtlich seiner Aktivitäten in anderen Medien präsentiert. Zu sehen sind Skulptur und Installation oder auch seine Kataloge, Bücher und Videoarbeiten.

Ein Video von 1993 zeigt ihn im „Interview“ mit dem Kunsthistoriker Roberto Ohrt anlässlich einer Ausstellung im Pariser Centre Pompidou. In schon fast pythonesker Absurdität liest Ohrt in holprigem Französisch Fragen aus einem Immendorf-Katalog vor, während Kippenberger diese mit Zitaten aus seinem eigenen Katalog zu beantworten versucht – ebenfalls auf Französisch. Dass Ausstellungsbesucher kichernd unter den Kopfhörern vor den Videobildschirmen sitzen, erlebt der geneigte Kunstmensch definitiv nicht allzu oft.

Nach den Videos wird es dann großformatig. Eine rote Laterne schlängelt sich reichlich angeschickert an der Wand entlang; in der Mitte des Raumes steht der stickerbeklebte „Brummi-Sitz“ auf einer Holzkiste. Die Wandbeschriftung behauptet: „Herrenwitze sind so wichtig wie der liebe Gott“. Das kann man so oder so sehen… Ansonsten gestalten sich die ausgestellten Werke für Kippenbergers Verhältnisse jedoch größtenteils angenehm unchauvinistisch.

Im nächsten Raum der schier endlosen Hallenreihung, gibt es dann wieder Flachware an der Wand. Darunter findet sich der Zyklus „Acht Bilder zum Nachdenken ob es so weiter geht“ (1983) mit Beschriftungen wie „Krieg böse II“ ein anarchischer Angriff auf die pathosgeladene Protestkultur der 80er Jahre.

In diesem politisch unkorrekten Kontext findet sich an der gegenüberliegenden Wand dann auch die Ansammlung abstrakter Balken mit verdächtigen Winkeln unter dem Titel „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ (1984) Wir auch nicht, aber wer weiß? Vielleicht liegt das auch nur an den schlechten Augen der Reporterin. Daneben schlägt „Heil Hitler ihr Fetischisten“ (ebenfalls von 1984) in die gleiche Kerbe. Und an einer anderen Wand zeigt die Darstellung der „Sympathischen Kommunistin“ (1983) genau das, was der Titel verspricht: eine nett lächelnde junge Frau, die eine Mütze mit rotem Stern trägt.

Geht man weiter, trifft man auf die nächste Laternen-Skulptur. Diesmal traurig geknickt und „Melancholia“ betitelt. Eben jene Laterne findet sich auch auf einem gefälschten documenta Plakat wieder. 1992 hat sich Kippenberger dort noch augenzwinkernd hingeträumt – heute stehen seine Werke wohlinstitutionalisiert im Hamburger Bahnhof. So etwas nennt man wohl Ironie des Schicksals.

Nach einigen Kabinetten mit in den 1980ern entstandenen Zeichnungen auf Hotelbriefpapier und ebenfalls aus Hotelbeständen stammenden Spiegeln, auf die Kippenberger u. a. Porträts des französischen Komikers Louis de Funès gekritzelt hat, folgt wieder ein großer Saal. Hier erstreckt sich eine eng gehängte Reihung von Ausstellungsplakaten (darunter Blüten wie „Ansprache an die Hirnlosen“ und „Die Revolution in Köln muss verschoben werden, die Künstler fühlen sich heute zu schwach“) an der Wand entlang, kombiniert mit Dieter Roths monumentaler „Gartenskulptur“.

Kurz vor Schluss wird der Tonfall dann tatsächlich einmal ernst: Kippenberger stellt sich in einer Reihe von – diesmal von eigener Hand gemalter – Selbstporträts als die gekrümmten, sich windenden Leidenden auf Gèricaults „Floß der Medusa“ dar (1996). Die Fotovorlagen, die seine Frau Elfie Semotan von ihm anfertigte, sind ebenfalls zu sehen. Sie zeigen den Künstler vorzeitig gealtert und sichtlich von Krankheit gezeichnet.

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Martin Kippenberger: "Zuerst die Füße", 1991, Holz, Autolack, Metall, 130 x 110 x 22 cm Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

Im nächsten großen Ausstellungsraum sind als weniger dramatisches, dafür umso skandalumwitterteres Selbstporträt dann die gekreuzigten Frösche von 1990 mit dem Titel „Zuerst die Füße“ zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt ist der eine oder andere Ausstellungsbesucher aber schon reichlich ermüdet. Auch wenn sich die Kuratoren wohl bewusst von der sonst üblichen engen Hängung von Kippenbergers Arbeiten absetzen wollen, hätte ein wenig mehr Kunst auf etwas weniger Raum derartigen Erschöpfungserscheinungen sicher vorgebeugt.

Neue Energie gewinnt man dann aber beim Entdecken eines weiteren der alles doppelgründigen satirischen Sticker mit Phrasen wie „I ♥ Nächstenliebe“, „I ♥ Simone de Beauvoir“ oder (persönlicher Favorit der Rezensentin) „I ♥ Old Museums“, die bunt auf den Wänden der gesamten Ausstellung verteilt sind. Selbst die Türme des Museums sind paradox mit „I ♥ Gala“ und „I ♥ Ruins“ beflaggt.

Am Ende wird es dann mit dem Bierdosenobjekt und dem Gemälde „Alkoholfolter“ ein zweites Mal persönlich und düster. Die Plastikstränge eines Bier-Sixpacks fesseln den Künstler als Handschellen, aus denen es kein Entkommen gibt – einmal als Gemälde in beißenden Rot- und Rosatönen an der Wand, einmal als Objekt in der Vitrine. Dieses Eingeständnis persönlicher Problematiken wird jedoch gleich wieder selbstdarstellerisch ironisiert, denn der in der Vitrine ausgelegte Katalog trägt den Titel „Kippenberger. Fanden wir schon immer gut“. Wobei – die Präsenz der Bierfessel könnte genauso gut das augenzwinkernde Selbstverständnis des Katalogtitels demontieren.

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Martin Kippenberger: "Alkoholfolter", 1981/82 Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln

Abschließend folgen weitere Kabinette, diesmal mit einer von der Musikerin Gudrun Gut zusammengestellten Soundinstallation, die Kippenbergers Zeit im SO 36 repräsentiert. Schließlich läuft die Ausstellung mit ein paar Einladungskarten aus und man kann sich auf bereitgestellten Sofas ausruhen, bevor man entweder den langen Weg zurück in die Haupthallen des Hamburger Bahnhofs auf sich nimmt, oder sich noch einmal tiefgreifend von der die Rieckhallen abschließenden Bruce Nauman Installation verunsichern lässt.

Interessant ist, dass die Struktur der aneinandergereihten Ausstellungshallen eigentlich nach Chronologie schreit, diese in der Ausstellung, die ja dezidiert keine Retrospektive sein will, aber nicht wirklich gegeben ist. Die Schau fängt ganz konventionell mit der Selbstpräsentation Kippenbergers an, dann kommen die frühen Arbeiten aus Florenz und Berlin, danach ist die Ordnung jedoch thematisch, nicht biografisch orientiert und manchmal nicht einmal das.

Kuratorisch war es eine gute Entscheidung, die Arbeiten nicht in der monumentalen Kathedralenarchitektur der historischen Bahnhofshalle zu zeigen. Natürlich haben die Rieckhallen White Cube-Format. Der rohe Asphaltboden mit Straßenmarkierungen und die wellblechartige Deckenstruktur geben der Ausstellung aber zumindest einen kleinen Spritzer der Kippenberger angemessenen rebellischen Trashigkeit. Denn dafür, dass sich sein Werk permanent am Kunstbetrieb abarbeitet und sich so dermaßen gegen das Museum sträubt, ist er spätestens mit dieser Ausstellung in der Nachbarschaft von Beuys, Warhol und den anderen großen Namen doch allergründlichst musealisiert worden.

„Stellvertretend für all uns Wohldressierte führte Kippenberger ein selbstzerstörerisches Tänzchen auf, soff, sang, bastelte und krawelte sich durch die Gassen und Gossen der Kreativbranche, nur, um am Ende doch im Museum zu landen“, fasst die ZEIT treffend zusammen, was hier passiert ist. (http://www.zeit.de/2013/09/Ausstellung-Martin-Kippenberger).

Doch selbst in den geweihten Hallen einer Berliner Museumsinstitutionen kann der Restgeschmack anarchischen Nihilismus‘ nicht ganz fortgewaschen werden. Zumindest für ein paar Momente nach Verlassen der Ausstellung sieht man den Kunstzirkus mit anderen Augen, wird der Absurdität und der inhärenten Sinnlosigkeit hinter den Säulen der Kulturlandschaft gewahr. Und selbst wenn es einem manchmal im Halse stecken bleibt. Am Ende nimmt man zumindest ein Lachen mit – sei es mit oder über Kippenbergers Arbeiten. Sehr gut.

WANN: Noch bis 18. August 2013

WO: Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50, 10557 Berlin

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Der wöchentliche Gallerytalk-Kunstgriff (26.3. – 9.4. 2013)

Da am Osterwochenende auch die Kunst einmal Feiertag hat, gibt es den Gallerytalk-Kunstgriff diesmal gleich für zwei Wochen. Hier also die Berliner Events und Eröffnungen von Dienstag, den 26. März, bis Dienstag, den 9. April. Mit denen wollen wir versuchen, uns von den immer noch sehr unfrühlingshaften Temperaturen abzulenken.

Gleich am Donnerstag, den 28. März, findet bei Aanant & Zoo eine Performance von Jochen Dehn statt. Es handelt sich um den siebenten Teil der seit Februar laufenden wöchentlichen Reihe „Fünf oder sechs einfache Sachen und Schule für Unsichtbarkeit“, bei der sich der Künstler verschiedenster Requisiten bedient, um sich mit Zuständen der Auflösung und Diffusion auseinanderzusetzen. Was man sich unter dem Titel der für Donnerstag angesetzten Performance „How to Not Wake You up when I Really Don’t Want You to Sleep“ vorzustellen hat und ob hier wirklich jemand oder etwas unsichtbar wird, lässt sich um 20 Uhr in der Bülowstraße 90 herausfinden. Teil 8 folgt eine Woche später am Samstag, den 6. April. Mehr Infos gibt es hier.

Wer sich bei den vorherrschenden Minusgraden einmal richtig aufwärmen lassen will und neugierig ist, wie künstlerische Glasbläserei vonstattengeht, der kann sich am Samstag, den 30. März, von 19 bis 21 Uhr in Pankow die live glassblowing demonstration von Nancy Callan und Katherine Gray anschauen. Näheres dazu hier.

Am Mittwoch, den 27. März, sowie in der Woche darauf am Mittwoch, den 3. April, findet jeweils um 17 Uhr in der Akademie der Künste ein Talk (Künstler- und Kuratorengespräche) zur noch laufenden Ausstellung „Nothing to declare“ statt. Mehr dazu hier.

Am Donnerstag, den 4. April, gibt es um 19 Uhr im Schöneberger Projektraum District Berlin die Performance „Geschmack posierend: eine Gemüse Poolparty mit Erdbeere und Traube“ der Künstler Roman Schramm und Paul Sochacki zu sehen und zu spüren – dritter Teil der experimentellen Reihe „(Dis)playing paper, hours and constellations“ und eng verknüpft mit dem Künstlermagazin SKULPI. Wer an der (noch) mysteriösen Poolparty teilnehmen möchte, muss sich beeilen, denn die Teilnehmerzahl ist auf 60 Besucher limitiert. Details zur noch bis Mittwoch, den 27. März, möglichen Anmeldung gibt es hier.

Am Freitag den 5. April ist es dann Zeit für einen kleinen Eröffnungsspaziergang in Mitte. In der daadgalerie in der südlichen Friedrichstraße werden unter dem Titel „Wet Feet and More“ Bouchra Khalilis Videoarbeiten gezeigt, die sich unter postkolonialistischen Vorzeichen mit der schwierigen Situation illegaler Einwanderer auseinandersetzen. Die in Marokko und Frankreich aufgewachsene Künstlerin zeigt im Grenzbereich von Kino und Bildender Kunst Eindrücke von Exil, Verlust und Entwurzelung. Mehr Informationen zur Künstlerin und den Filmen findet man hier.

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Bouchra Khalili: Filmstill "Wet Feet and more", daadgalerie 2013, Bildquelle: http://www.berliner-kuenstlerprogramm.de

Etwas leichtere Kost gibt es am Nordende der Friedrichstraße in der Galerie Christian Ehrentraut. Christoph Ruckhäberle, der bisher figürlich malte, lässt die Neue Leipziger Schule jetzt weit hinter sich und zeigt mit “Dekoration” erstmals ganz und gar abstrakte Arbeiten. Seine intensiv farbigen und geometrisch gemusterten Kompositionen lassen sich ab 17 Uhr in der Friedrichstrasse 123 bewundern. Mehr erfährt man hier.

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Christoph Ruckhäberle "Ohne Titel", Gouache auf Papier, 2013, bildquelle: www.christianehrentraut.com

Am Samstag, den 6. April, eröffnet ab 20 Uhr im Kreuzberg Pavillon in der Naunynstraße die Gruppenausstellung „THE INDUSTRY IS COLD“ mit den teilnehmenden Künstlern Christoph Beer, Sonya Derman, Giorgo Dursi, Marte Kiessling, Michael Kindler, Chris Rautenberg, Patric Sandri, Angelika Sigges, Cameron Tauschke und Kristjan Trummer. Die Eröffnung beinhaltet nicht nur eine Performance von Angela Grasser, sondern laut der Website auch lecker Suppe – na wenn das mal nichts ist! Mehr Infos hier.

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Flyer: Kreuzberg Pavillon "THE INDUSTRY IS COLD", Bildquelle: www.kreuzbergpavillon.de

Dienstag, den 9. April, gibt es schließlich im Eigen + Art Lab in der Auguststraße Arbeiten des Künstlers und Archittekten Jürgen Mayer H. Bisher hüllt sich die Galerie jedoch noch in Schweigen, also bleibt abzuwarten, was genau man sich unter der ab 17 Uhr eröffnenden Ausstellung vorzustellen hat. Nähere Details folgen sicher in Kürze auf der Eigen+Art Website hier.

So, das war es für heute von uns. Bis zum nächsten Mal in zwei Wochen –  dann hoffentlich tatsächlich mit Frühlingsluft und Sonnenschein!

Timo Kloeppel: Licht ist in der kleinsten Hütte, 2012, Bildquelle: http://www.kwadrat-berlin.com

Eröffnung: Timo Klöppel „Lateinisches Land“ am Samstagabend bei Kwadrat

Am Samstag den 16. Februar eröffnet Timo Klöppels neue Soloausstellung in Martin Kwades Kreuzberger Projektraum. Hinter dem ominösen Titel verbirgt sich zunächst einmal die architektonische Installation „Licht ist in der kleinsten Hütte“, eine mystiröse, aus sich heraus leuchtende „Raumschachtel“ mit Milchglasfenstern und schwarzem Kiesboden, die der Künstler zuerst in seiner eigenen Wohnung errichtete und in der er zwei Wochen zurückgezogen mit Schreiben und Denken verbrachte.

Lateinisches Land  Timo Kloeppel  Martin Kwade  KWADRAT Eröffnung: Timo Klöppel „Lateinisches Land“ am Samstagabend bei Kwadrat

Timo Kloeppel: Licht ist in der kleinsten Hütte, 2012, Bildquelle: http://www.kwadrat-berlin.com

In Klöppels (1981 in Berlin geboren) Installationen vermischen sich Innen und Außen, spiegeln architektonische Strukturen emotionale Zustände wider. Seine durchgestalteten Räume, die sich an der Schwelle zwischen dem inneren Selbst und der äußeren Welt zu befinden scheinen und schon einmal Sand ins Schlafzimmer und Meer in die Küche verpflanzen, laden sowohl zum Bewohnen als auch zur meditativen Betrachtung ein.

Kwadrat
Adalbertstraße 20
10997 Berlin
Mi-So, 13-19 Uhr
http://www.kwadrat-berlin.com

Laufzeit: 16 Februar–16. März 2013
Eröffnung: 16 Februar 2013, 17-22 Uhr

daadgalerie, Anna Boghiguian, Foto: Krzysztof Zielinski

Der wöchentliche Gallerytalk Kunstgriff (12. 02. – 19. 02. 2013)

Die Berlinale hat die Stadt zwar noch immer fest im Griff, für uns geht es aber trotz des aktuellen Filmfanatismus weiter mit dem „Kunstgriff“ in die lohnenswerten Veranstaltungen und Eröffnungen für den Februar 2013.

Wer von filmischen Medium noch nicht genug hat: Im Kontext der Berlinale findet weiter täglich die Veranstaltungsreihe Forum Expanded im Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V., Potsdamer Str. 2 statt. (Näheres siehe hier auf der Arsenal-Webseite)

Am Donnerstag, den 14. Februar, sollte man sich statt mit Valentinstagskommerz vielleicht lieber mit Animation und Videokunst im Eigen+Art Lab auseinandersetzen. Die von Katie Armstrong kuratierte Gruppenausstellung zeigt Arbeiten von neun internationalen KünstlerInnen. Ab 17 Uhr in der Ehemaligen Jüdischen Mädchenschule in der  Auguststraße. Zur Veranstaltung und weiteren Informationen geht es hier.

eigen art lab gruppenausstellung 2013 Der wöchentliche Gallerytalk Kunstgriff (12. 02. – 19. 02. 2013)
Gruppenausstellung Eigen+Art Lab 2013, Bildquelle: http://www.eigen-art.com, © Courtesy of EIGEN + ART Lab

Am Freitag, den 15. Februar, eröffnet bei Christian Ehrentraut in Mitte die Gruppenausstellung „Michael Bevilacqua, Klaus Joerres, David Murphy, Viktor Timofeev: Zeichnung ohne Zeichnung”. Wie man sich so eine zeichnungslose Zeichnung vorzustellen hat, kann man sich ab 17 Uhr in der Friedrichsstraße 123 ansehen. Hier geht es zur Galeriewebsite.

christian Der wöchentliche Gallerytalk Kunstgriff (12. 02. – 19. 02. 2013)
Klaus Joerres: Untitled, 2012, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 150 cm, Bildquelle: http://www.christianehrentraut.com

Am selben Abend außerdem in der daadgalerie: Anna Boghiguian „Unstructured Diary for an Autobiography“. Zeichnungen mit internationalem Background – aus Indien, Ägypten und Europa. Nähere Infos hier.

daadgalerie Der wöchentliche Gallerytalk Kunstgriff (12. 02. – 19. 02. 2013)
daadgalerie, Anna Boghiguian, Foto: Krzysztof Zielinski

Wem dann der Sinn nach noch mehr Malerei in Mitte steht, der kann in der Gruppenaustellung „Ikarier“ in der Galerie Mikael Andersen vorbeischauen. Dort setzen sich ein Dutzend Künstler gegenständlich und abstrakt mit „Ikariern“ auseinander. Das sind: „auf dem Rücken liegende Artisten, die mit ihren Beinen Objekte oder Menschen in der Luft jonglieren.“ Wie so etwas in Gemäldeform aussieht lässt sich ab 18 Uhr in der Christinenstraße herausfinden. (weiteres zur Veranstaltung hier)

Am Samstag, den 16. Februar, lohnt sich eine Tour durch Kreuzberg. Hier gibt es dann zum Beispiel bei kwadrat Installationen und Objekte von Timo Klöppel (mehr dazu hier), brasilianische Farbgewalt von Norbert Bisky in der Galerie Crone (hier geht’s zur Galerieseite) oder die Gruppenausstellung “UH, OH! #404″ mit Installationen zum Thema Neue Medien von Tine Günther, Marian Luft und Ronny Szillo im Kreuzberg Pavillion (was der kryptische Ausstellungstitel zu bedeutet hat, wird für nicht-Nerds hier erklärt).

Abschließend sei dann noch auf zwei Vorträge und Diskussionsrunden hingewiesen: Einmal wird es am Sonntag, den 17. Februar, in der Akademie der Künste wagnerianisch-wahnsinnig, hier diskutieren ehemalige Mitarbeiter über Christoph Schlingensiefs Parsifal-Inszenierung aus dem Jahr 2004: „Wagner 2013. Künstlerpositionen Parsifal – Oper als Krankheit. Christoph Schlingensief in Bayreuth“. (Wann und wie genau, siehe hier.) Am Dienstag, den 19. Februar, dann zum Abschluss noch einmal Bücher statt Musik mit einem Talk bei Capitain Petzel zur laufenden Ausstellung „The Feverish Library“ mit dem Künstler Olaf Nicolai und dem Autor Thomas Wagner. (Alles zu “The Feverish Library (continued)” – hier auf der Galerieseite)

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Geistervorhänge, Öko-Zimmer und die große blaue Trommel: Aiko Tezuka, Hyein Lee, Sharon Houkema und Joris van de Moortel im Künstlerhaus Bethanien

Noch bis Mitte Februar zeigt das Künstlerhaus Bethanien fünf sehenswerte Einzelpräsentationen internationaler KünstlerInnen ganz unterschiedlicher Herkunftsländer und Wirkungsfelder. Trotz konzeptueller Querverweise zwischen den einzelnen Positionen, handelt es sich bei der Schau aber nicht um eine Gruppenausstellung. Alle Präsentationen haben ihren eigenen Titel und entfalten sich jeweils in einem Raumabschnitt des Künstlerhauses.
Die Special Exhibition des verstorbenen DDR-Künstlers Klaus Hähner-Springmühl soll in dieser Besprechung außen vor gelassen werden und statt dessen die vier im Erdgeschoss des Künstlerhauses untergebrachten Ausstellungen von Aiko Tezuka, Sharon Houkema, Hyein Lee und Joris van de Moortel – allesamt zur Zeit Gastkünstler in Bethanien – im Mittelpunkt stehen.

Aiko Tezuka „Ghosts – Suspended Organs“
Die japanische Künstlerin Aiko Tezuka webt rückwärts. In ihren Arbeiten dekonstruiert sie Textil und Malerei, löst Stoffe in ihre Bestandteile auf und verbindet geisterhaft anmutende Konstruktionen aus Stoff und Fäden mit der nüchternen Realität anatomisch-medizinischer Illustrationen zu neuen Strukturen. Mit dieser Technik verwandelt sie auch schon einmal einen ganzen Raum in einen aufgelösten Webstuhl.

Beim Betreten der Ausstellung begegnet man gleich als erstes zwei ihrer monumentalen Textilarbeiten: Links im Foyer hängt ein großer bunter Wandteppich, dessen gestickte palimpsestartige Stoff- und Farbschichten sich erst bei genauerem Hinsehen erschließen. Noch eindrucksvoller ist dann die zweite Arbeit „Suspended Organs (Kitchen)“ die sich in Form eines monumentalen Vorhangs über die Stirnwand von Tezukas Ausstellungssektion erstreckt. Hier wurde ein großer gemusterter Teppich „entwebt“, die aus dem Stoffgewebe gelösten Fäden fallen links und rechts in weichen, beinahe wasserfallhaften Bündeln zu Boden. Zwischen den beiden Hälften des „Vorhangs“ schweben blutrote Troddeln vor einem transparenten, mit zart gezeichneten mechanisch-organischen Strukturen versehenen Tuch wie an Fäden tanzende Puppenfiguren.

Begleitet wird „Suspended Organs (Kitchen)“ von einer Gruppe kleinerer, schwarz-weißer Leinwände, auf denen sich ebenfalls medizinische Motive mit textiler Handarbeit vermischen. Eine dritte großformatige Arbeit hängt auf der rechten Seite des Ausstellungsbereiches. Hier wird ein leinwandartiges Rechteck aus weißem Leinen aufgeribbelt und die Fäden über einen mit einem gestickten Herz versehenen Messingteller geführt, um dann ebenfalls wasserfallartig zu Boden zu strömen.

01 tezuka Geistervorhänge, Öko Zimmer und die große blaue Trommel: Aiko Tezuka, Hyein Lee, Sharon Houkema und Joris van de Moortel im Künstlerhaus Bethanien

Installationsansicht, Aiko Tezuka, 2013, Foto: Szu Szabó für Künstlerhaus Bethanien

02 tezuka Geistervorhänge, Öko Zimmer und die große blaue Trommel: Aiko Tezuka, Hyein Lee, Sharon Houkema und Joris van de Moortel im Künstlerhaus Bethanien

Ausstellungssansicht, Aiko Tezuka, 2013, Foto: Szu Szabó für Künstlerhaus Bethanien

Sharon Houkema „Why tidy my exhibition space when the whole world is in a mess?”
Der Titel ist Programm. Sharon Houkemas Präsentation wirkt in der Tat wie ein Exempel kreativen, unaufgeräumten Chaos‘. Das „Öko-Zimmer“ mit 80er Jahre Charme, das scheinbar aus einer Kreuzberger WG der Vorwendezeit in den Ausstellungsraum teleportiert wurde, ist jedoch bei weitem nicht so authentisch und unironisch wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn es handelt sich hier nicht um eine Rekonstruktion eines tatsächlich existierenden Raumes, sondern um eine Assemblage von verschiedensten Fundstücken. Und nicht alle von ihnen stammen aus den 1980ern, wie es bei genauerem Hinsehen zum Beispiel das mit „Earth Day 2013“ bedruckte Kissen vorführt.
Houkema spielt mit Klischees und Stereotypen der Öko-Bewegung so wie der im Ausstellungschaos auszumachenden Jeansjacke, der mit Stickern übersäten Billig-Spüle oder den Vinylplatten. Hier vermischen sich Innen und Außen, Authentizität und Inszenierung, Ironie und ernsthafter Aktivismus. Gleichzeitig wird durch das Übermaß an umweltbewussten Accessoires auch die Kommerzialisierung des Umweltschutzdiskurses ins Bewusstsein gerückt: Auch wenn sich die entsprechende Ästhetik in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren natürlich stark verändert hat -Aktivismus tritt damals wie heute als vor allem über Merchandising vermitteltes Produkt auf, mit dem sich jeder ausstatten kann.

Hyein Lee „Sketch Book“
Nach dem rekonstruierten Innenraum von Sharon Houkema bringt Hyein Lees Präsentation die Außenwelt der Berliner Stadtlandschaft in die Ausstellung. Die koreanische Künstlerin malt Serien kleinformatiger semi-impressionistischer Landschaftsansichten, die sie on location am Ufer des Landwehrkanals, am ehemaligen Grenzübergang Helmstedt oder in den Schrebergärten nahe des Treptower Plänterwaldes anfertigt. Die Arbeiten entstehen, wie an dem dachförmigen Anschnitt einiger Bilder deutlich ersichtlich, im Schutze eines bunten Filz-Zeltes, das ihr beim Malen als Sicht- und Wetterschutz diente und sich jetzt als Teil einer Installation in der Ausstellung befindet. Innerhalb des bunten Flickengebildes läuft ein mit dem iPhone aufgenommenes Video, das eben jene Landschaftseindrücke wiedergibt, die die Künstlerin beim Malen selbst wahrgenommen hat.
Auch hier steht also die Dichotomie von Innen und Außen im Mittelpunkt. Das traditionelle Verhältnis von Malerei und Landschaft wird dekonstruiert und ins Gegenteil verkehrt, indem die Landschaft nicht in ihrem eigenen Raum des Außen verbleibt, sondern über das Video ihren Weg in den Ausstellungsraum findet. Im Schutz des Zeltes sieht der Betrachter was die Künstlerin gesehen hat, nur die Räumlichkeiten haben sich verkehrt: Jetzt verbirgt sich die Landschaft versteckt im Inneren, während sich die Kunst außen herum verteilt an der Wand befindet und dem Rezipienten, der weder Künstler noch Modell, nur die Rolle des in diesen Prozess nicht involvierten Voyeurs von außen verbleibt.

03 lee Geistervorhänge, Öko Zimmer und die große blaue Trommel: Aiko Tezuka, Hyein Lee, Sharon Houkema und Joris van de Moortel im Künstlerhaus Bethanien

Ausstellungsansicht, Hyein Lee, "Sketch Book", Foto: Szu Szabó für Künstlerhaus Bethanien

Joris van de Moortel „Schwarz oder weiß, es ist mir gleich. Es gibt keine Farben in diesem blauen Reich“
Das „blaue Reich“ aus dem Ausstellungstitel ist wörtlich zu nehmen, denn beim Betreten des von Joris van de Moortel gestalteten Raumes wird man von leuchtend blauem Neonlicht empfangen, das alle anderen Farben auszulöschen scheint. Nur Hell und Dunkel und die unterschiedlichen Texturen der vom Künstler verwendeten Materialen sind noch auszumachen: Schwarz oder Weiß damit also durchaus noch existent.
Zentrales Objekt der Präsentation ist eine Art Bühnengestaltung innerhalb einer riesigen metallischen Trommelform. Ein Schlagzeig, mehrere Verstärker und ein unpraktisch erscheinender doppelhalsiger Gitarren-Bass-Hybrid stehen auf einer erhöhten Plattform, als ob hier gerade eine Band ihre Show beendet hätte und die Roadies noch nicht mit dem Abbau angefangen haben. (Tatsächlich hat der belgische Künstler im Zuge der Ausstellungseröffnung zusammen mit dem Ür gerausch kammer ensemble eine musikalische Performance durchgeführt.) Im blauen Licht bluten die Farben aus und das Arrangement wirkt seltsam klinisch und surreal, die Grenzen von Authentizität und Inszenierung fangen an zu verschwimmen.
Die große Musikinstallation wird von skulpturalen Objekten, wie einen großer Spiegel und mehreren möbelartig anmutenden Quaderformen aus verschiedenen Materialien sowie zwei Videoinstallationen begleitet. Reflektionen und indirekte Projektion scheinen hier ein zentrales Thema zu sein, wenn man z.B. betrachtet, wie ein Video periskopartig über drei Ecken hinweg nicht an die Wand, sondern gespiegelt in eine weiße Box projiziert wird.

Hat man sich schließlich alle vier Ausstellungen zu Gemüte geführt und tritt in den Kreuzberger Winter hinaus, sind es wohl vor allem Aiko Tezukas ätherische Textildekonstruktionen die in Hinsicht auf ihren ästhetischen Wert fasziniert haben, während einem Houkemas Öko-Aktivisten-Ironie dagegen vermutlich am längsten im Gedächtnis bleiben wird.

Aiko Tezuka, Hyein Lee, Sharon Houkema, Joris van de Moortel
18.Januar.2013 – 10. Februar 2013

Künstlerhaus Bethanien
Kottbusser Straße 10
10999 Berlin
Di-So 14–19 Uhr
www.bethanien.de

Installationsansicht: Frederico Maddalozzo: "44 oz. - 245 sq. ft.", 2010, Bildquelle: http://galeriethomasfischer.de

Eröffnung: “Painting Objects” in der Galerie Thomas Fischer am 25.1.2013

Heute Abend ab 18 Uhr. eröffnet bei Thomas Fischer in der Potsdamer Straße die Gruppenausstellung „Painting Objects“.
Gezeigt werden Werke im Spannungsfeld von Bildern und Objekt, Oberfläche und Tiefenraum. Bilder werden zu Objekten, Objekte werden zu Bildern. Arbeiten von Joachim Bandau, Marcel Frey, Federico Maddalozzo, Marie Reinert und Barbara Trautmann erforschen die Grenzen des Konzeptes „Bild“ und spielen mit Zeit, Zufall und Gefundenen als Urheberinstanz von Kunstwerken.

PaintingObjects Federico Maddalozzo 44oz 2 x Eröffnung: Painting Objects in der Galerie Thomas Fischer am 25.1.2013

Installationsansicht: Frederico Maddalozzo: "44 oz. - 245 sq. ft.", 2010, Bildquelle: http://galeriethomasfischer.de

„Painting Objects“
Galerie Thomas Fischer
Potsdamer Straße 77-87, Haus H
10785 Berlin
Di – Sa, 11 – 18 Uhr
www.galeriethomasfischer.de

Laufzeit: 26. Januar – 2. März 2013
Eröffnung: 25. Januar 2013, 18 Uhr