Am 4. Dezember lädt die Neue Nationalgalerie für dieses Jahr zum letzten Mal zu ihrer Vortragsreihe “Nach 1945. Revisionen der Nachkriegsmoderne”. Lars Blunck, Professor an der TUB, gibt seinem Termin den Titel “Zwischen Demokratieversprechen und Mitmachfolklore. Aktivismus und Partizipation in der Kunst nach 1945″.
„Partizipation“ als künstlerisch intendierte Praxis lässt sich in zweierlei Hinsicht kunsthistorisch untersuchen. Zum einen im Hinblick auf Beteiligungsformen, welche mit dem Environment als Kunstform in den 1960ern Einzug hielt, zum anderen mit dem Fokus auf den Mechanismen mit denen eine Vermittlung von Kunst angestrebt wurde.
„Partizipation“ war das Stichwort, das eine neue Kunstauffassung charakterisierte. Entscheidend war, dass die Beziehung zwischen Objekt und Betrachter verändert werden sollte. Jene veränderte Rezeption konnte nur mit einer Beteiligung des Betrachters mittels eines situativen Kunstwerks erzielt werden. So äußerte Arnold Bode im Zuge des documenta 4 (1968), man müsse die Besucher „aktivieren, um aus einem vielleicht kühl Registrierenden einen wirklich Teilnehmenden zu machen.“
Schon in den ausgehenden 1950ern und beginnenden 60ern verfolgten Künstler in den Vereinigten Staaten, allen voran Allan Kaprow, mit der aktiven Beteiligung der Rezipienten ein Vermittlungsideal, was sich in Happenings und dergleichen niederschlug. „Soziale Handlungen“ (Sabine Vogel, 1993), vor allem Formen physischer Partizipation, dienten dem Evozieren eines Gemeinschaftsgefühls.
Bis heute schreitet die Entwicklung und Ausformung diverser situativer und partizipatorischer Modelle voran. Überdies steht Partizipationskunst mittlerweile für eine programmatische Ausrichtung, welche unter Umständen mit kultur- und sozialpolitischen Forderungen verbunden ist und diese in demokratischen Strukturen der Beteiligungsmöglichkeit zu veranschaulichen versucht.
(Literaturempfehlung: Silke Feldhoff, Zwischen Spiel und Politik. Partizipation als Strategie und Praxis in der bildenden Kunst, Dissertation, eingereicht 20.02.2009, Universität der Künste Berlin.)

Flyer zur Vortragsreihe "Nach 1945. Revisionen der Nachkriegsmoderne" in der Neuen Nationalgalerie anlässlich der Ausstellung "Der geteilte Himmel" // Quelle: www.smb.museum
Prof. Dr. Lars Blunck (TU Berlin) referiert über “Zwischen Demokratieversprechen und Mitmachfolklore. Aktivismus und Partizipation in der Kunst nach 1945″ im Zuge der Vortragsreihe „Nach 1945. Revisionen der Nachkriegsmoderne“. Die Reihe, gefördert durch die Ferdinand-Möller Stiftung und in Kooperation mit der TU Berlin nimmt die laufende Ausstellung “Der geteilte Himmel. Die Sammlung. 1945-1968.“ zum Anlass, in einer Vortragsreihe auf die Kunst nach 1945 zurück zu blicken.
Nachkriegsmoderne ist das übergreifende Thema, welches sich den mannigfaltigen Stilen, Medien und Ausbrüchen die nach 1945 festzustellen sind widmet. Dass diese Umbrüche und Neuorientierungen nicht ohne den Bezug zu gesellschaftlichen Hintergründen zu denken sind scheint die diversen Kunstproduktionen zu einen. Ebenso zeigen uns die vielseitigen Herangehensweisen an die Kunst und die mitunter theoretische Auseinandersetzung mit ihr, dass eine Genre- oder Epocheneinteilung nicht mehr hinreichend ist. Für die Vorträge, die einmal im Monat in der Neuen Nationalgalerie stattfinden sind renommierte WissenschaftlerInnen eingeladen. Sie werden zu ausgewählten Themen die Kunstgeschichtsschreibung zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den Veränderungen der 1960er einer Revision unterziehen: Programm bis Januar 2013
(Die Vortragsreihe wird zunächst bis Januar 2013 mit Themen zu Happening und Performance, Kunst und Massenmedien, Minimal Art, Licht und Bewegung ebenso wie Aktivismus und Partizipation fortgesetzt. Danach ist eine zweite Staffel zur “Kunst nach 1968″ geplant)
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Prof. Dr. Blunck, der den Dezembertermin bestreitet, ist Gastrofessor für Kunstgeschichte am Institut Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der Technischen Universität Berlin. Blunck hat Kunstgeschichte, Politikwissenschaft und Geografie in Braunschweig und Kiel, sowie Kulturmanagement in Hagen studiert. Die Promotion erfolgte 2001 mit einer Dissertation zur Assemblage der 1959er und 60er Jahre in den USA; 2007 die Habilitation mit der Schrift “Dimensionen des Sehens. Studien zu Marcel Duchamps Präzisionsoptik”.
Schwerpunkte in Forschung und Lehre:
Moderne und zeitgenössische Kunst sowie Fotografiegeschichte.
- Thomas Wilfred – Pionier und Visionär der Lichtkunst
- Der absolute Film
- Fiktionale Fotografie – fotografische Fiktionen
Prof. Dr. Lars Blunck an der TU Berlin
Nach 1945. Revisionen der Nachkriegsmoderne
Vortragsreihe | Neue Nationalgalerie
jeweils dienstags, 18:15 Uhr
Neue Nationalgalerie
www.smb.museum/nng
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin
Eintritt frei.




















