Lisa Jäger in ihrem Atelier in Sankt Paul, Foto: Paulina Mandl

Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

auswahl1 Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger in ihrem Atelier in Sankt Paul, Foto: Paulina Mandl

Gallerytalk.net: Lisa, du arbeitest vornehmlich mit Latex. Ein eher unkonventioneller Werkstoff. Wieso hast du dieses Material ausgewählt?

Lisa Jäger: Bei dem Versuch meine Ideen umzusetzen bin ich auf die Suche nach einem adäquaten Material gegangen und dabei auf den Latex gestoßen, der für mich viele Möglichkeiten bereithält, die noch lange nicht ausgeschöpft sind.

Gallerytalk.net: Welche besonderen Eigenschaft vereint der Latex?

Lisa Jäger: Latex hat für mich eine ungewöhnliche Ästhetik, die ich so etwa von Ölfarbenmalerei oder Ton her nicht kenne. Viele Leute, die meine Werke betrachtet haben, fanden das Material abstoßend, was ich sehr interessant fand. Das Material ist zudem sehr gut einsetzbar und vielseitig verwendbar. Man kann es auf unzählige Dinge auftragen und auch wieder abziehen. Mir ist kein anderer Werkstoff bekannt, der sich so gut von anderen Materialien ablösen lässt wie Latex. Zudem kann man es auch ohne Probleme einfärben.

waschbetonplatte Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex
Lisa Jäger: Waschbetonplatte, Foto: Cristopher Civitello

Gallerytalk.net: Welche Stationen durchläuft der Latex im Entstehungsprozess deiner Arbeiten?

Lisa Jäger: Oft habe ich eine bestimmte Idee oder sehe etwas, dass mir besonders gut gefällt und versuche, das dann mit dem Latex zu übersetzten. Am Anfang steht ein haptischer Eindruck, den ich dann mit dem Latex festzuhalten versuche, weil der Werkstoff geradezu dafür prädestiniert ist. Auf einer Studienreise im türkischen Turunc erregte eine einfache Waschbetonplatte meine Aufmerksamkeit. Diese für die meisten Menschen hässlichen und rein funktionalen Platten, reizten mich besonders. Das gepresste, eng aneinander liegen der einzelnen Formen, faszinierte mich in hohem Maße, weshalb ich mich entschloss, mir die Platte durch einen Abguss zu Eigen zu machen. Ich trug also den Latex auf, ging mit der Farbe rein, ließ ihn trocknen und zog ihn wieder ab.

Gallerytalk.net: Dürfen die Betrachter deine Werke auch anfassen? Nur so können sie das Haptische deiner Arbeiten erleben.

eiswürfel Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger: Eiswürfel in Hülle

Lisa Jäger: Zu Anfangs wollte ich tatsächlich haptische Erlebnisse für die Betrachter schaffen und forderte die Besucher auf, die Arbeiten sanft zu berühren. Dann merkte ich aber, dass viele Betrachter recht respektlos mit den Werken umgingen. So beobachtete ich öfters während unseren Ausstellungen in Sankt Paul, dass an den Arbeiten grob herum gezupft wurde. Eigentlich sollte durch leichtes Tasten der haptische Reiz eine Sinnhaftigkeit und Genuss bei den Ausstellungsbesuchern hervorrufen. Das Anfassen der Arbeiten ist nun aus diesem Grund untersagt. Interessant ist die Idee, dass Besucher die Sachen trotz des Verbots anfassen und dann auch vorsichtiger vorgehen. Bei mir würde da ein Adrenalin Kick einsetzten und ich würde den Prozess des Anfassens auch mehr wertschätzen.

Gallerytalk.net: Spielst du mit der Wahrnehmung der Betrachter, die sich beispielsweise die Waschbetonplatte oder deine Abformungen von eingeschweißten Meeresfrüchten anschauen und nicht wissen was sie da vor sich haben?

Lisa Jäger: Natürlich! Die Werke erschließen sich oft nicht auf den ersten Blick einfach so. Neben der Bedeutung, die die Objekte mit sich tragen, soll aber auch einfach nur der ästhetische Reiz vermittelt werden. Selbst wenn die Arbeiten objektiv hässlich erscheinen, verbirgt sich dahinter für mich die Schönheit der Form. Ich möchte den Betrachtern meinen Sinn für Ästhetik durch meine Arbeiten auch mitteilen.

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Lisa Jäger: Abdruck von Garnelen

Gallerytalk.net: In deinen Arbeiten erkennt man oft eine bestimmte Art von Witz. Melancholische Trübsal lässt sie hingegen vermissen. Spiegelt dieser Witz in deinen Arbeiten deinen Charakter wieder?

Lisa Jäger: Ich finde es überaus wichtig über sich selber lachen zu können. Schwierig macht man sich das Leben, wenn man sich selbst zu ernst nimmt. Für mich ist Kunst immer noch etwas, dass mir in erster Linie Freude bereitet und mein Leben bereichert. Ob meine Kunst das Leben anderer Menschen bereichert, würde ich verneinen. Da ich mich nicht zu ernst nehme, kann ich auch meine Kunst nicht zu ernst nehmen. Natürlich reflektiere ich lange über meine Arbeiten, betrachte sie aus allen möglichen Perspektiven und versuche das bestmögliche Endprodukt zu schaffen. Einerseits zeige ich mit meinen Arbeiten sehr persönliche Aspekte meines Lebens, andererseits stehe ich in bestimmter Weise auch über den Dingen und kann einfach Lachen. Ja, ich denke, dass dieser „Witz“ von dem du sprichst, ein Stück meines Charakters ist, der in die Arbeiten unterbewusst einfließt.

Gallerytalk.net: In der Turunç-Ausstellung 2012 in Sankt Paul präsentiertest du eine Arbeit, bestehend aus fünf Latexabformungen von einer Waschbetonplatte, die du alle mit verschiedenen Farben monochrom eingefärbt hast. Warum hast du dich erneut dem Plattenmotiv zugewandt?

fliesen Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger: Latexfliese

Lisa Jäger: In der Tat wiederholen sich bei mir Motive öfters. In zeitlichen Abständen drängen sich mir die Dinge erneut auf, und ich versuche sie in der Umsetzung zu intensivieren. Nachdem ich zwei Jahre später (2011) erneut in Turunç war, setzte ich mich auch wieder mit den Sachen auseinander, die mich bereits einmal beschäftigt hatten. Vielleicht bewegt man sich hier zu streng in den gleichen Rastern. Die Waschbetonplatte blieb bei mir hängen und machte Eindruck auf mich. Ursprünglich hatte ich vor, eine sehr große Abformung zu schaffen, was aber aus materialtechnischen und anderen Gründen nicht möglich war. Ich schuf also mehrere kleine rechteckige Latexabgüsse.

Gallerytalk.net: Die fünf monochromen Abgüsse vereinen zwei Kunstgattungen. Die Betrachter erkennen erst bei näherem Hinsehen, dass sie keine Leinwand, und somit ein Gemälde beäugen, sondern sich eigentlich einem Relief gegenüber stehen sehen. Wieso lässt du hier die Grenzen zwischen Malerei und Plastik verschwimmen.

Lisa Jäger: Meine Intention war eine Art Malerei zu schaffen. Vorbildhaft dafür war der Künstler Jakob Gasteiger, dessen Werke ich im Museum für Moderne Kunst in Wien bewundern konnte. Er trägt die Farbe sehr dick auf und schafft so äußerst haptische monochrome Bilder, die mich inspiriert haben, eine ähnliche Umsetzung auch in Latex zu wagen. Ich wollte eine Haptik erreichen, die ein malerisches und gleichzeitig graphisches Element transportiert.

Gallerytalk.net: Neben Latex experimentierst du auch mit Silikon. Wie entstand deine hervorragend umgesetzte Arbeit „Quallen“?

quallen Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger: Quallen

Lisa Jäger: Silikon funktioniert ähnlich wie Latex, jedoch im mancher Hinsicht besser. Die Quallen entstanden tatsächlich im Kontext des Experimentierens mit dem Werkstoff Silikon. Ich begann das Silikon dünn auszustreichen, wobei dünne Schnüre entstanden, die mich an die Tentakel von Quallen erinnerten. Hierbei spielten auch die durchsichtige Materialität und das wabernd Labile mit hinein. Durch die tiefe Hängung auf Augenhöhe des Betrachters in der Ausstellung sollte ein Kontakt und Berührungen zwischen den Besuchern und den Objekten hergestellt werden. Ein Kontakt, der auf dem offenen Meer schmerzvolle Folgen nach sich ziehen würde, im sicheren Ausstellungsraum jedoch harmlos bleibt.

Gallerytalk.net: In einer Video-Performance sieht man dich bei der täglichen Morgentoilette. Überraschendeweise folgt auf das Zähneputzen nicht etwa rasieren der Beine, sondern du beginnst dir Haut von deinen Beinen und Armen abzuziehen. Wie kamst du auf die Idee der Häutung?

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Lisa Jäger: Video Performance Morgentoilette

paprikosch Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger: Paprikosch; Foto: Cristopher Civitello

 Lisa Jäger: Bei einem Vergleich der Materialien Latex und Silikon, entdeckte ich, auch aufgrund der Farbigkeit des Latex, dessen Assoziation zu Haut. Die Verbindung Haut-Hülle hatte ich schon an den „Enten“ oder der Paprika bearbeitet. In einem weiteren Schritt begann ich meinen Fuß abzuformen. Schließlich wollte ich den Prozess des Abziehens, der ja während der Entstehung der Abformungen undokumentiert bleibt, ebenfalls festhalten. Ich habe versucht die Häutung in einen alltäglichen Kontext einzubinden und so einen Überraschungseffekt bei den Betrachtern zu erzielen.

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Lisa Jäger: Enten, Foto: Cristopher Civitello

Gallerytalk.net: Welchen Stellenwert nimmt die Präsentation deiner künstlerischen Arbeiten für dich ein?

Lisa Jäger: Die Präsentation ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Da meine Arbeiten oft aus vielen kleinteiligen Einzelelementen bestehen gilt das Kunstwerk für mich erst als abgeschlossen, wenn es an der Wand hängt und präsentiert wird. Viele meiner Mitstudenten und -Studentinnen haben mir gesagt, dass sie meine Arbeiten erst verstanden hatten, nachdem sie gemeinsam an der Wand arrangiert wurden, also von mir für das Betrachterauge aufbereitet wurden. Davor, im Atelier, scheinen die einzelnen Teile eher schwer verständlich zu sein.

Beispielsweise die auf einer Studienfahrt im italienischen Civitella entstandenen Arbeiten, die bei der Ausstellung „Studentinnen stellen aus“ gezeigt wurden, kamen meinem Empfinden nach erst zu voller Geltung, nachdem ich sie als Wandarbeit wie eine Collage arrangiert hatte. Das Kunstwerk ist das Arrangement an der gesamten Wand und nicht die einzelnen Silikonabgüsse für sich betrachtet. Erst gemeinsam an der Wand wird die volle Wirkung erzielt. Einige Einzelteile werden z. B. so an der Wand angebracht, dass sie leicht von Luftzug bewegt werden. Das Element der Bewegung ist mir hierbei sehr wichtig, da es auch gerade vom flexiblen Material Latex zugelassen wird.

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Lisa Jäger: Wandcollage auf der Vernissage von "Studentinnen stellen aus" 2012, Foto: Cristopher Civitello

Gallerytalk.net: Wie schwierig fällt dir dabei der Prozess des Aufhängens?

Die Hängung nimmt viel Zeit in Anspruch. So kann es schon passieren, dass ich zwei Tage vor der Wand stehe und alles immer wieder neu arrangieren muss, bis es schließlich passt und ich zufrieden bin.

Gallerytalk.net: Wie beurteilst du die Nürnberger Kunstszene und wie würdest du dich, als Kunststudentin an der EWF, darin verorten?

silikonstück Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger mit Silikonstück, Foto: Miriam Böttcher

Lisa Jäger: Mir scheint, dass die EWF Studenten es schwerer haben in universitätsfernen Ausstellungsräumen, wie Galerien, auszustellen. Die Akademiestudenten werden hier meiner Meinung nach vorgezogen.

Außerdem herrscht eine zu große Kluft zwischen den großen Kunstinstitutionen wie Neuem Museum, Kunsthalle und Kunstverein und den kleinen Gostenhofner Hinterhofgalerien und –Kunsträumen. Mir scheint, als ob hier ein Mittelding fehlt, ein Ort an dem Kunst- und Designstudenten regelmäßig ausstellen können und der nicht von einer Universität geleitet wird, wie die Akademie Galerie.

spurlos Lisa Jäger im Gespräch über ihren Umgang mit dem Werkstoff Latex

Lisa Jäger: Du gehst nicht spurlos an mir vorbei

Gallerytalk.net-Nürnberg bedankt sich herzlich für das aufschlussreiche Interview und wünscht Dir noch viele Erfolge in deinem künstlerischen Werdegang.

Lisa Jäger: Vielen Dank! Gerne wieder!

Das Interview führte Alexander Racz am 03.09.2012 in Nürnberg.

v.l.n.r.: Miho Kasama, Sandra Hassenröder, Katharina Heubner und Marianne Vordermayr wähend der Aufbauarbeiten zur Ausstellung Holzweg: Das klingt romantisch", Foto: Alexander Racz

Die Künstlerinnen der Gemeinschaftsausstellung „HOLZWEG: DAS KLINGT ROMANTISCH“ in der Akademie Galerie Nürnberg im Interview

Sandra Hasenöder, Katharina Heubner, Miho Kasama und Marianne Vordermayr berichten im Interview mit Gallerytalk.net von ihrer Gemeinschaftsausstellung “Holzweg: das klingt romantisch”.

DSC 0020 Die Künstlerinnen der Gemeinschaftsausstellung „HOLZWEG: DAS KLINGT ROMANTISCH“ in der Akademie Galerie Nürnberg im Interview

v.l.n.r.: Miho Kasama, Sandra Hasenöder, Katharina Heubner und Marianne Vordermayr während den Aufbauarbeiten der Ausstellung "Holzweg: das klingt romantisch", Foto: Alexander Racz

Gallerytalk.net: Was ist das Konzept der Gruppenausstellung „Holzweg: das klingt romantisch“?

Marianne Vordermayr: Unser Gedanke war, mit den Räumlichkeiten der Akademie Galerie zu arbeiten. Wir haben schon länger darüber diskutiert, dass wir die Bespielbarkeit der Räume sehr schwierig einschätzen. Nach vielen Überlegungen und Ideenentwicklungen sind wir zu dem Schluss gekommen, eine raumgreifende Arbeit zu schaffen. Der sterilen Architektur der Galerie mit ihren Fliesen wollten wir den Werkstoff Holz entgegenstellen. Dies resultierte aus unterschiedlichen Gedankenprozessen. Katharina und Sandra arbeiten sehr gerne mit Holz. Zudem begeistern wir uns für das Arbeiten mit Räumen

In der Galerie bewegt man sich über verschiedene Höhenebene, die über Stufen verbunden sind. Wir haben uns entschlossen einen Steg, der durch die Galerie leitet, einzubauen, um mit den örtlichen Höhen zu arbeiten und ihren Eindruck so zu verstärken. Das verwendete Material besteht aus Abfallholz und Dachbalken einer über 100 Jahre alten Scheune aus Oberfranken.

Gallerytalk.net: Ihr zeigt auch Videoinstallationen. Was verbindet diese mit dem Werkstoff Holz und eurem Holzweg?

Marianne Vordermayr: Da wir collagenartig mit dem Holz im Raum arbeiten, haben wir uns entschieden auch die Videoarbeit bzw. das Found Footage Material dementsprechend zu behandeln. Wir haben so versucht, eine Verbindung der verschiedenen Arbeitsprozesse herzustellen.

AGN Holzweg1 Die Künstlerinnen der Gemeinschaftsausstellung „HOLZWEG: DAS KLINGT ROMANTISCH“ in der Akademie Galerie Nürnberg im Interview

Holzweg: das klingt romantisch, Videoinstallation, Quelle: http://www.adbk-nuernberg.de/KALENDER/2011/AGN_holzweg.html

Gallerytalk.net: Welches Videomaterial verwendet ihr?

Marianna Vordermayr: Es handelt sich um gefundenes Material, das lizenzfrei in Internetdatenbanken zu Verfügung steht und von uns für eine eigene Arbeit umgenutzt wurde. Man sieht Collagen aus Filmstücken, die sich auf Holzarbeit, Konstruktion und Wasser beziehen und so assoziativ auf Steg und Holz verweisen. Außerdem hat die Videoarbeit im Untergeschoss Ton, der nach oben schallt und so das Raumgefühl verändert.

Katharina Heubner:Oben hört man Versatzstücke der Tonspur, die durch die Räume wabert. Die bauliche Situation des Außenbereichs vor der Galerie bringt eine ähnliche Geräuschkulisse mit sich. Wir haben versucht die Gestaltung des Innenraums mit dem des Außenbereichs in Einklang zu bringen. Der Holzsteg korrespondiert mit den Höhenniveaus innen und außen, der Sound parallelisiert jenen der Passage im Untergeschoss.

Gallerytalk.net: Was wünsch Ihr euch von den Besuchern der Ausstellung?

Katharina Heubner: Die Betrachter sollen die Stege auch benutzten, also nicht bloße Betrachter bleiben. Sie sollen den Steg im Inneren begehen und erfahren. Der Gedanke an das Spazieren auf dem Holzweg kann dabei auch romantische Assoziationen anklingen lassen, wie es der Untertitel unserer Ausstellung mitschwingen lässt.

Gallerytalk.net: Habt ihr bereits zusammen ausgestellt? Versteht ihr euch als Künstlergruppe?

Marianna Vordermayr: Wir arbeiten oft zusammen und haben teilweise in den Klassen schon zusammen Ausstellungen oder Projekte gemacht.

Sandra Hasenöder: Demnächst werden noch weitere gemeinsame Projekte folgen, in denen wir zusammen ausstellen werden. Vielleicht wird es auch wieder eine Gemeinschaftsarbeit geben, aber das steht noch offen.

Marianne Vordermayr: Momentan haben wir geplant den Steg auf eine Wanderschaft zu schicken.

Katharina Heubner: Wir wollten keine Einzelkunstwerke ausstellen. Die Ausstellung Holzweg ist die Erste, bei der wir gemeinsam an einer Idee gearbeitet haben und diese auch ständig weiterentwickelt haben.

Gallerytalk.net: Wie verlief hierbei die Rollenverteilung? Wer hat was gemacht?

Marianne Vordermayr: Wir haben die Aufgaben nach unseren verschiedenen Stärken verteilt. Die Einzelperson wurde in den Hintergrund gerückt, um das Team und die Arbeit hervorzuheben. Wir wollten letztendlich eine gemeinsame Arbeit schaffen, an der die verschiedenen Qualitäten von uns zum Ausdruck kommen.

DSC 0017 Die Künstlerinnen der Gemeinschaftsausstellung „HOLZWEG: DAS KLINGT ROMANTISCH“ in der Akademie Galerie Nürnberg im Interview

v.l.n.r.: Sandra Hasenöder, Marianne Vordermayr, Katharina Heubner, Miho Kasama auf dem Holzweg, Foto: Alexander Racz

Gallerytalk.net: Was unterscheidet eure Arbeiten von den Arbeiten anderer Akademiestunden Nürnbergs?

Katharina: Speziell auf die Arbeit „Holzweg“ bezogen, kann man sagen, dass wir versucht haben, auf die räumliche Situation der Ausstellungsfläche einzugehen und mit dem Raum zu arbeiten. Oft werden in der Akademie Galerie Arbeiten gezeigt, die im Atelier entstanden sind und anschließend zur Präsentation hierher gebracht wurden. Seit Februar haben wir uns mit dem Ort auseinandergesetzt und viel Zeit hier in der Galerie verbracht, um unser Konzept auf den Raum hin zu erarbeiten.

Gallerytalk.net: Wieso wollt ihr die Galerieräume zu einem „Kunstraum“ machen.

Sandra Hassenröder: Die Räume werden einfach viel zu wenig dafür genutzt. Ich finde es schade, dass viele Studenten den Raum selbst nicht aktiver in ihre Arbeit einbeziehen. Die Situation der Räumlichkeiten, mit ihren dominanten Elementen wie den verschiedenen Höhen, den Fliesen, den Neonröhren, Ecken und Kanten macht es, meiner Meinung nach schwierig, einzelne Arbeit interessant werden zu lassen. Wir sind Studenten und das ist unser Raum, indem wir uns ausprobieren können.

Gallerytalk.net bedankt sich für eure Einblicke!

Das Interview führte Alexander Racz am 21.09.2012.

Zu den Künstlerinnen:

Sandra Hasenöder (Bildhauerei Klasse Stevenson, 7. Semester)

Katharina Heubner (Bildhauerei Klasse Stevenson, 8. Semester)

Miho Kasama (Freie Kunst Klasse Baranowsky, 12. Semester)

Marianne Vordermayr (Freie Kunst Klasse Baranowsky, 7. Semester)

 

Akademie Galerie Nürnberg, Adlerstraße 10/12, 90403 Nürnberg

Ausstellungsdauer: 26.09.2012 – 20.10.2012

Finissage: Mittwoch, 17.10.2012

Screenings: Freitag, 28.09.2012, 19:00 Uhr, Donnerstag 11.10.2012, 19:00Uhr

Jasmin Schmidt vor dem Eingang zur Halle 18 AUF AEG, Foto: Alexander Racz

Jasmin Schmidt – Die Kuratorin von BEAST2012 im Interview

Jasmin Schmidt studiert im zehnten Semester Malerei in der Klasse von Prof. Thomas Hartmann an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Sie ist Chefkuratorin der Veranstaltung BEAST2012, die auf dem ehemaligen AEG-Gelände (Halle 18) in Nürnberg am 22. September 2012 eröffnet.

Öffnungszeiten: Vom 22.09.2012 bis zum 7.10.2012: Dienstag bis Donnerstag 14 – 19 Uhr, Freitag bis Sonntag 11 – 20 Uhr (Sa, 22.09. 11 – 20 Uhr, So, 23.09. 11 – 18 Uhr).

DSC 0010 Jasmin Schmidt   Die Kuratorin von BEAST2012 im Interview

Jasmin Schmidt vor dem Eingang der Halle 18 Auf AEG, Foto: Alexander Racz

Gallerytalk.net: Was steckt hinter dem Konzept BEAST?

Jasmin Schmidt: BEAST paart ein Ausstellungskonzept mit einem Veranstaltungskonzept, das einen Festivalcharakter vermitteln soll, wobei jedes Jahr andere Künstlerinnen und Künstler teilnehmen. Außerdem kann BEAST wandern, das heißt die Ausstellungsräumlichkeiten ändern sich von Jahr zu Jahr. Zudem wird BEAST von Studenten der AdBK Nürnberg organisiert.

Gallerytalk.net: Welche Unterschiede bestehen zwischen B:east2011 und dem diesjährigen BEAST Auf AEG?

Jasmin Schmidt: Zunächst einmal ist die diesjährige Ausstellungsfläche (12.000m2) auf dem ehemaligen AEG-Gelände viermal so groß wie 2011 im Nordostpark Nürnberg. BEAST lokalisiert nicht mehr im Osten – daher auch der ehemalige Name B:EAST – sondern ist auf die andere Stadtseite umgezogen.

Außerdem hat sich die Teilnehmergruppe gewandelt und erweitert. 2011 stellten ausschließlich Studenten und Alumni der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg aus. Dieses Jahr zeigen wir hingegen Studenten von einer Vielzahl an Hochschulen aus ganz Deutschland, gemäß unserem eigenen Status, da wir (das Kuratorenteam) alle noch studieren. Von den insgesamt 23 Akademien Deutschlands sind 19 nun auf BEAST 2012 vertreten.

Gallerytalk.net: Wie viele Künstler stellen aus?

Jasmin Schmidt: Insgesamt sollten 76 Künstlerinnen und Künstler ausstellen, wobei im Vorfeld leider zwei ihre Teilnahme zurückgezogen haben. Diese 76 wurden aus über 200 Bewerbern ausgewählt. Hinzu kommen noch 20 weitere Künstler die im Abendprogramm und Begleitprogramm ihr Können zu Beweis stellen.

Gallerytalk.net: Wer hatte die Idee zu BEAST? Gab es einen Initiator, der das Konzept BEAST an euch, die Studenten der AdBK Nürnberg, weitergereicht hat?

Jasmin Schmidt: Die Idee hatte ich. 2011 bekam ich durch unseren Fachlehrer Rainer Funke [Werkstattleiter Malerei der AdBK Nürnberg, Anm. d. Red.] einen Kontakt zu jemanden, der Immobilien zum Zweck vergibt, diese mit kulturellen Veranstaltungen zu füllen und damit deren Attraktivität zu steigern. Nachdem ich über die Hallen im Nordostpark verfügte, stand die Frage der Nutzung im Raum. Da eine reine Klassenausstellung den großen Räumen nicht gerecht werden konnte, trommelte ich interessierte Kommilitonen zusammen. So entwickelte sich das BEAST-Team.

Gallerytalk.net: Wie groß ist dein Team und nach welchen Kriterien hast du es zusammengestellt?

Jasmin Schmidt: Unser Team besteht, je nachdem, aus sieben bis zehn Studenten. Da gibt es Leute die koordinieren, Leute fürs eher grobe und Leute für die graphische Gestaltung, die alle – unentgeltlich – mit anpacken. Ich suchte explizit nach engagierten Leuten an der AdBK, aus den verschiedenen Arbeitsrichtungen Malerei, Bildhauerei, Videokunst, etc., die sich für die Idee begeistern konnten, eine Vielzahl an Studenten außerhalb der AdBK auszustellen.

Gallerytalk.net: Die Künstler überschreiten somit ihre Berufsgrenze und werden zu Kuratoren.

Jasmin Schmidt: Wir sehen uns weniger als Kuratoren, sondern machen einfach nur ein Angebot. Natürlich wählen wir Arbeiten aus, die gezeigt werden sollen. Die Entscheidungen, die wir hierbei treffen sind möglicherweise deshalb weniger neutral und in höherem Grade von den eigenen Vorstellungen gefärbt, als es bei unabhängigen Kuratoren der Fall ist.

Gallerytalk.net: Nach welchen Kriterien wurden 2012 die teilnehmenden Künstler ausgewählt?

Jasmin Schmidt: Die Juryphase hat insgesamt drei Wochen gedauert, wobei wir die eingereichten Arbeiten zunächst grob danach sortiert haben, ob sie uns auf irgendeine Weise ansprechen, ob sie vertretbar sind, oder nicht. Wie schon im letzten Jahr wurden hierbei Werke am Schluss doch aufgenommen, die anfangs schon ausselektiert worden waren. Andererseits flogen auch Arbeiten raus, die zunächst das Prädikat „super“ erhielten, aber dann doch nicht in den Gesamtzusammenhang passten.

Gallerytalk.net: Welchen Gesamtzusammenhang genau?

Jasmin Schmidt: Manche Arbeiten harmonierten einfach nicht im Raum und mit den darin bereits vorgesehen Werken. Wir stellten uns Fragen wie „kann die Arbeit hier überhaupt bestehen oder wird sie untergehen?“. Die Schwierigkeit bestand darin, dass wir nur Abbildungen und auch zum Teil bloße Ideenskizzen zu Verfügung hatten. Letztendlich haben wir uns darauf eingelassen und Vergleiche mit den eingeschickten Portfolios der Künstler angestellt, um aus diesen kleinen Einzelinformationen ein möglichst großes Gesamtbild vor unserem inneren Auge entstehen zu lassen.

Gallerytalk.net: Welche Rolle und Qualität haben die Räumlichkeiten auf dem AEG-Gelände?

Jasmin Schmidt: Die Besonderheit der Hallen und Räume ist ihre unterschiedliche bauliche Gestalt und die Tatsache, dass sie nicht als Ausstellungsflächen konzipiert worden sind. Wir haben hier keinen weißen Würfel vor uns, sondern belebte Strukturen, die viele Ansatzpunkte für genau auf die Räume abgestimmte Werke liefern. Industrielle Brachen als Ausstellungsräume zu verwenden ist heute nichts ungewöhnliches mehr und gilt als schick. Doch im Unterschied dazu werden die Räume von BEAST nicht als bloße „coole“ Hülle verwendet, in die jeder Künstler seine fertigen Arbeiten einliefert und aufbaut. Den AEG Räumen, mit ihren verschiedenen Herausforderungen, soll von den Künstlern mit dem Risiko begegnet werden, eventuell auch zu scheitern, um etwas zu schaffen, was mehr auszusagen hat als „sieht doch ganz gut aus vor dieser rohen Wand“. Wir wünschen uns einen hohen Grad an Auseinandersetzung der Künstler mit dem Raum.

Gallerytalk.net: Hatten Sie den Eindruck, dass die Künstler den großen Platz, der ihnen zur Verfügung stand, auch ausgenutzt haben?

Jasmin Schmidt: Weniger. Manche hatte ganz sensible Ansätze die Fläche zu nutzten, was ich persönlich gut fand. Die Wenigsten sind mit viel Masse aufgefahren und haben sich gesagt, ich muss jetzt hier alles vollklotzen. Sicherlich hätte auch jemand mit dem richtigen Konzept eine gesamte Etage für sich beanspruchen können, doch dazu ist es schließlich nicht gekommen.

Gallerytalk.net: Sie unterteilen BEAST2012 in Veranstaltungen und die Ausstellung?

Die Veranstaltungen finden abends im Erdgeschoss statt, während in den oberen Etagen die Ausstellungsräumen mit den festen künstlerischen Arbeiten verortet sind. Die Veranstaltungen setzten sich aus Konzerten und Performances (die teilweise auch tagsüber in den Ausstellungsräumen stattfinden) zusammen. Die Konzerte auf den Abend zu legen ist eher eine logistische Trennung.

Gallerytalk.net: Hier kommt der Festivalcharakter von BEAST2012 durch.

Jasmin Schmidt: Ja genau! Wir wollen den Besuchern die Möglichkeit bieten hier einen ganzen Tag zu verbringen, wie auf einem Festival. Man kann die Ausstellungsräume mit ihren Arbeiten erkunden, zwischendurch ins Kaffee gehen, und den Tag am Abend mit ein paar Bieren und Musik ausklingen lassen.

Gallerytalk.net: Was wird für das Abendprogramm am Tage der Vernissage alles aufgefahren?

Jasmin Schmidt: Neben interessanter und experimenteller Musik, finden inszenierte Performances statt, die eine Art Bühnenraum fordern. Ab spätere Stunde kann man dann zu rhythmischen Beats von DJ-Sets tanzen.

Gallerytalk.net: BEAST2012 eröffnet im Rahmen von OFFEN Auf AEG 2012 (22. / 23. September 2012). Seht ihr euch hier in starker Konkurrenz zu den anderen Veranstaltungen wie Parcours II oder den Offenen Ateliers?

Jasmin Schmidt: Es war von Anfang an unsere Intention hier mit zu eröffnen und uns in diesem Zeitfenster zu bewegen. Wir wurden eingeladen bei OFFEN Auf AEG teilzunehmen und sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Teil dieser großen Veranstaltung. Als dieser Teil findet bei uns in Halle 18 auch am 22. September die offizielle Eröffnungsparty der Gesamtveranstaltung statt. Da lohnt es sich auf jeden Fall auch bei uns vorbeizuschauen.

Gallerytalk.net: Welches Rahmenprogramm wird den Besuchern im Laufe der Ausstellungsdauer, also nach dem Eröffnungstag, geboten?

Jasmin Schmidt: Wir bieten am Vernissagewochenende (22./23.09.2012) und am Finissagewochenende (05./07.10.2012) ein Begleitprogramm aus Lesungen, Jazz, Filmvorführungen und Filmperformanzen. Die Ausstellung ist selbstverständlich auch unter der Woche geöffnet. Montag sind die Räume leider geschlossen.

Gallerytalk.net: Es wird ein Publikumspreis für einen Künstler verliehen. Wie und nach welchen Kriterien wird dieser Preis verliehen und von wem wird der Preis gestiftet?

Jasmin Schmidt: Der Preisgewinner wird per Abstimmung gewählt. Es wird ein kleines Beast, also Monster, wie eine Wahlurne am Eingang aufgestellt, in das die Besucher Zettel mit dem Namen ihres Favoriten werfen sollen. Den Preis stiften zu einer Hälfte BEAST und zur anderen die Besucher selbst. Wer also eine Stimme abgibt stiftet dazu einen ihm angemessen erscheinenden Betrag. Am Ende bekommt der Gewinner das BEAST überreicht und kann es wie ein Sparschwein schlachten.

Gallerytalk.net bedankt sich für das ausführliche Interview!

Jasmin Schmidt: Vielen Dank. Man sieht sich dann bei der Eröffnung!

Das Interview führte Alexander Racz am 05.09.2012.

Offen auf AEG; Quelle: http://www.auf-aeg.de/images/stories/savethisdate_auf_aeg.jpg

Vernissage: BEAST bei OFFEN Auf AEG

Morgen (22.09.2012) eröffnet im Rahmen der Veranstaltung OFFEN Auf AEG 2012 auf dem ehemaligen AEG-Gelände in Nürnberg um 11 Uhr die Ausstellung BEAST – Kunst- und Kulturunternehmen.

Gallerytalk.net sprach mit Jasmin Schmidt, der Kuratorin von BEAST2012.

Adresse: Auf AEG, Fürther Straße 244-254, Muggenhofer Straße 132/135, 90429 Nürnberg, Halle 18 254.

Öffnungszeiten: Vom 22.09.2012 bis zum 7.10.2012: Dienstag bis Donnerstag 14 – 19 Uhr, Freitag bis Sonntag 11 – 20 Uhr (Sa, 22.09. 11 – 20 Uhr, So, 23.09. 11 – 18 Uhr).

Quelle: http://www.auf-aeg.de/images/stories/PDF/leporello_web9.jpg

savethisdate auf aeg Vernissage: BEAST bei OFFEN Auf AEG

Offen auf AEG; Quelle: http://www.auf-aeg.de/images/stories/savethisdate_auf_aeg.jpg

BEAST ist ein temporäres Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt, das von Studenten der AdBK Nürnberg organsiert und kuratiert wird.

BEAST findet in leerstehenden und kostenlos zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten eine temporäre Heimat. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen können Arbeiten entwickelt und Kontakte zu anderen Kunststudenten geknüpft werden.

BEAST verändert sich mit dem jeweiligen Austragungsort. Es ist ein lebendiges Konzept, das sich an zwei Bestandteilen orientiert: Ausstellungen mit vorwiegend raumbezogenen Arbeiten und Veranstaltungen mit wechselndem Programm.

2012 findet BEAST im Rahmen von „Offen auf AEG“ vom 22.09 bis zum 07.10 statt. Für die Ausstellung steht Bau 18, ein 12.000 m² großes, stillgelegtes Logistik-, Lager- und Bürogebäude auf dem ehemaligen AEG Gelände in Nürnberg zur Verfügung.

Quelle: http://www.beast2012.net/

 

Black Stripe Mojo, 2009, Acryl und Öl auf Leinwand / Acrylic and oil on linen; Private collection, The Netherlands / Privatsammlung, Niederlande; Dusty Dafni, 2011, Acryl auf Leinwand / Acrylic on linen Private collection / Privatsammlung; Courtesy of 1301PE Los Angeles; Photos: Annette Kradisch, Nürnberg

Charline von Heyl “Now or Else” in der Kunsthalle Nürnberg

„Und alle so Ommmm“ von Jacqueline Klusik.

Ein Hauch von internationalem Kunstzirkus weht durch die weißen Räume der Kunsthalle Nürnberg. Zu Gast ist Charline von Heyl, eine Deutsche Künstlerin, die mittlerweile in namenhaften Ausstellungshäusern wie dem MoMa in New York vertreten ist. In Zusammenarbeit mit der Tate Liverpool können ihre Werke bis zum Ende dieses Monats betrachtet, bestaunt, bebogen und nicht zuletzt beurteilt werden.

Zum Betrachten gibt es 25 Werke aus den letzten 15 Jahren der Künstlerin, die noch bei Immendorf in die Schule gegangen ist und mittlerweile in New York lebt und arbeitet. Die großformatigen, annähernd quadratischen Gemälde spielen mit der Tiefe der flachen Leinwand und der Bewegung der starren, getrockneten Farbe.

Zum Bestaunen laden Arbeiten wie Hibou Habibi aus dem Jahr 2011 laden ein. Ein Musterspiel zwischen akkuraten Acryllinien und ekstatisch wild gezogenen Kohleschwüngen zieht den Blick in die Tiefe. Den Assoziationen sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Ihr bisheriges Werk erscheint heterogen, wobei sich das Verhältnis von akkuraten, geometrischen Streifen mit amorphen Formen häufig durchsetzt. Diese Werke sind in der Ausstellung auch die interessantesten. Hierbei ist besonders der Kontrast von bewusst gesetztem und kontrolliertem zum Eigenleben, das die Farbe entwickelt, interessant. Mit dem Pinsel kontrolliert die Künstlerin das dunkle Schwarz und zwingt es in Streifen. Derselben Farbe erlaubt sie jedoch auf der gleichen Leinwand zu zerfließen, sich zu verflüssigen und zu „wachsen“. Das sind die spannenden Momente in der Ausstellung. Leider wirkt die Hängung beliebig. Die weiß dominierten Werke gehen an den großen Wänden der Kunsthalle teilweise unter.

08 von Heyl Dusti Dafni Hibou Habibi 2011 1024x681 Charline von Heyl Now or Else in der Kunsthalle Nürnberg

Dusty Dafni, 2011, Acryl auf Leinwand / Acrylic on linen Private collection / Privatsammlung; Courtesy of 1301PE Los Angeles Hibou Habibi, 2011, Acryl und Kohle auf Leinwand / Acrylic and charcoal on linen Sammlung / Collection of Christen & Derek Wilson Photos: Annette Kradisch, Nürnberg

Zum Biegen gibt es immer mal wieder etwas. Und an dieser Stelle spürt man den Einzug der Großstadt in die Frankenmetropole. Neben dem klassischen Führungsprogramm hat man sich an der Kunsthalle etwas ganz besonderes einfallen lassen. Genannt wird das ganze „art moves“ und gemeint ist damit ein die Ausstellung begleitender Yogakurs. In der Beschreibung heißt es: „Die abstrakten Gemälde und Grafiken Charline von Heyls sind Anlass für eine besondere Form der Kunstvermittlung, die Bewegung, Körpererfahrung und Entspannung mit Kunstgesprächen verbindet.“

Diese Verbindung kann man jeden Mittwoch jeweils 12.30–13.00 Uhr als Schnupperkurs bzw. Dienstag ab 18 Uhr für sich erproben. So neuartig und interessant diese Idee ist, degradiert es die Gemälde zu großflächigen Wandtapeten eines Fitnesstempels. Was die Werke am Ende mit fernöstlichen Meditationsübungen zu tun haben sollen, ist mir unerklärlich.

10 von Heyl Black Stripe Mojo Dusti Dafni 1024x681 Charline von Heyl Now or Else in der Kunsthalle Nürnberg

Black Stripe Mojo, 2009, Acryl und Öl auf Leinwand / Acrylic and oil on linen; Private collection, The Netherlands / Privatsammlung, Niederlande; Dusty Dafni, 2011, Acryl auf Leinwand / Acrylic on linen Private collection / Privatsammlung; Courtesy of 1301PE Los Angeles; Photos: Annette Kradisch, Nürnberg

Zum Beurteilen muss man dann nur noch selbst in die Ausstellung gehen. Für Fans realistischer Malerei ist sie eher nicht zu empfehlen. Für den schnellen Kunstgenuss zwischendurch ist die Ausstellung auch eher nicht geeignet. Man muss sich schon intensiv mit der Malweise von Heyls auseinandersetzten und sich auf die Materialität der Werke einlassen. Wer sich dann aber dem abstrakten Expressionismus in meditativer Weise hingeben kann, sollte sich aus dem Lotussitz lösen und den Sonnengruß auf später verschieben.

Die Ausstellung Charline von Heyl „Now or Else“ ist noch bis zum 30.09. in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen.

Dienstag bis Sonntag 10.00-18.00 Uhr; Mittwoch bis 20.00 Uhr; Montag geschlossen.

Fabulous Fakes; Quelle: http://www.atelieratzenhofer.de/index.html

Vernissage: FABULOUS FAKES in der Galerie Atzenhofer

Morgen (Sa, 15.09.2012) eröffnet um 13 Uhr in der Galerie Atzenhofer die Ausstellung “FABULOUS FAKES”.

Adresse: Galerie Atzenhofer, Weißgerbergasse 17, 90403 Nürnberg.

Öffnungszeiten: Von Mittwoch bis Sonntag 13 – 18 Uhr.

fabulousfakes Vernissage: FABULOUS FAKES in der Galerie Atzenhofer

Fabulous Fakes; Quelle: http://www.atelieratzenhofer.de/index.html

Was dem Germanischen National­museum nicht gelang, ist uns geglückt und so können Sie endlich auch in Nürnberg das prominente „Selbst­bildnis Dürers im Pelzrock“ sehen. Wer von Dürer genug hat, findet bei uns aber auch Gemälde anderer Kunstikonen: klassizistische Portraits von Ingres, impressio­nistische französische Land­schaften von Sisley und Renoir, kubistische Köpfe von Picasso, neo-realistische Schreib­maschinen-Stillleben von Klapheck, abstrakte Formen von Mondrian, Malewitsch und Graubner. Reichlich nackte Haut zeigen Aktgemälde von Botticelli, Modigliani, Schiele, Grosz und Ramos. Neben Frida Kahlos Selbst­portrait stellen wir auch einige Lieblings­schmuckstücke der schönen mexikanischen Künstlerin aus.

All diese hoch­karätigen Meister­werke und Meilen­steine der Kunst­geschichte wurden nicht, wie sonst üblich, nur zum Bestaunen aus vielen Ecken der Welt in einer Ausstellung zusammen­getragen. Bei uns besteht auch die völlig realistische Chance, eines der Bilder oder Objekte mit nach Hause zu nehmen. Gegen die Millionen­beträge, die einige der Originale in Versteige­rungen bei Sotheby‘s oder Christie‘s erzielten, sind die teils kriminell gut gefälschten Plagiate lächerlich günstig. 27 Künstler aus ganz Deutschland haben insgesamt 43 große Meister kopiert, korrigiert, überarbeitet oder in Comics und Cartoons verwandelt.

Quelle: http://www.atelieratzenhofer.de/index.html

Außenansicht;  Foto: Margherita Spiluttini 1999; Quelle: http://www.nmn.de/fotos_architektur.0.html

Vernissage: Auszeichnung Guter Bauten Franken 2012 im Neuen Museum

Heute (11.09.2012) wird um 19 Uhr die Ausstellung “Auszeichnung Guter Bauten Franken 2012″ im Unteren Foyer des Neuen Museums Nürnberg eröffnet und die Auszeichnung verliehen.

Adresse: Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg, Klarissenplatz, 90402 Nürnberg.

Öffnungszeiten: 12.09. – 7.10.2012, Dienstag bis Sonntag: 10 – 18 Uhr, Donnerstag: 10 – 20 Uhr.

aussen1 Vernissage: Auszeichnung Guter Bauten Franken 2012 im Neuen Museum

Außenansicht des Neuen Museums; Foto: Margherita Spiluttini 1999; Quelle: http://www.nmn.de/fotos_architektur.0.html

Eine Kooperation des Neuen Museums mit dem Bund Deutscher Architekten BDA, Kreisverbände Franken.

Bemerkenswerte Werke zeitgenössischer Architektur in Franken: Der Bund Deutscher Architekten BDA, Kreisverbände Franken lobt in 2012 zum siebten Mal die Auszeichnung Guter Bauten in Franken aus. Mit diesem »Architekturpreis für Franken« werden Bauten ins Rampenlicht gerückt, die einen wertvollen Beitrag zur fränkischen Baukultur leisten. Bauwerke, die sich aus den Grenzen des Hergebrachten lösen, die sich mit aktuellen Fragen und Erfordernissen auseinandersetzen, die einen Mehrwert erzeugen, und die Orte schaffen, die für Arbeit, Erholung und Freizeit gerne angenommen werden.

Ausgezeichnet werden Bauwerke, Gebäudegruppen und realisierte städtebauliche Planungen mit herausragenden Qualitäten. Der alle drei Jahre vergebene Preis würdigt zudem das erfolgreiche Zusammenwirken von Bauherr und Architekt, die den Preis gemeinsam erhalten. Die prämierten Projekte werden nach einer öffentlichen Ausschreibung durch eine Fachjury ausgewählt. Die Ausstellung zeigt die Preisträger und weitere ausgewählte Arbeiten.

Quelle: http://www.nmn.de/programm.0.html?&pruid=5215&cHash=7ebace2215

 

Anne Kammermeier, Eden; Quelle: Pressefoto Atelier Galerie dellaLuce

KUNST, Kaffee & Kuchen – Anne Kammermeier und Francesco Ferrante in der Atelier Galerie dellaLuce

Am Sonntag (09.09.2012) findet in der Atelier Galerie dellaLuce das monatliche Kunst-Kaffeekränzchen von 15 bis 18 Uhr statt. Gezeigt werden Arbeiten der beiden Künstler Anne Kammermeier und Francesco Ferrante.

“The Talking Strings“ – viola meets guitar! sorgen ab 16 Uhr für musikalische Begleitung.

kammermeier eden2 KUNST, Kaffee & Kuchen   Anne Kammermeier und Francesco Ferrante in der Atelier Galerie dellaLuce

Anne Kammermeier, Eden; Quelle: Pressefoto Atelier Galerie dellaLuce

Atelier Galerie dellaLuce, Adam-Klein-Straße 3, 90419 Nürnberg

Öffnungszeiten: Jeden 2. Sonntag des Monats von 15 bis 18 Uhr zu „Kunst, Kaffee & Kuchen in der goldenen Galerie“ sowie in unregelmäßigen Abständen zu angekündigten Ausstellungen, Partys, Vorführungen etc.

Der September verspricht wieder spannend zu werden in der romantischen Gostenhofer Atelier Galerie dellaLuce: Zum monatlichen „KUNST Kaffee & Kuchen“ ist das musikalische Duo mit dem Namen “The Talking Strings” zu Gast und heizt kräftig ein mit Gitarre und Bratsche! Die Musiker Christopher und George sind wahre Meister ihres Fachs, die es verstehen großartige Musik auf humorvolle Weise zu interpretieren. Neben Klassikern des Jazz und Folk bietet die bereits namhafte Gruppe in unserer Galerie auch eigene Werke ihrer neuen Platte “Mother Earth” dar, die ab September offiziell im Handel erhältlich ist. Das musikalische Programm beginnt um 16 Uhr.

Zudem werden ältere und brandneue Arbeiten der Künstler Anne Kammermeier und Francesco Ferrante ausgestellt. Die innovative, manchmal radikale aber immer anrührende Malerei und Objektkunst der beiden jungen aufstrebenden Künstler garantiert ein Erlebnis der besonderen Art.

ferrante amoreE KUNST, Kaffee & Kuchen   Anne Kammermeier und Francesco Ferrante in der Atelier Galerie dellaLuce

Francesco Ferrante, Amore; Quelle: Pressefoto Atelier Galerie dellaLuce

Die Atelier-Galerie der beiden Künstler Anne Kammermeier und Francesco Ferrante, die bereits als Geheimtipp im Kreativviertel Gostenhof gilt, lädt einmal im Monat ein zu „Kunst, Kaffee & Kuchen“ und präsentiert in diesem Rahmen regelmäßig neben „hauseigenen“ Werken auch andere Künstler bzw. Live-Auftritte.

Quelle: Pressetext Atelier Galerie dellaLuce

 

 

Anne Kammermeier in ihrem Atelier, Foto: Anne Kammermeier

Anne Kammermeier im Gespräch – Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

FotomitBildern2 765x1024 Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier in ihrem Atelier, Foto: Anne Kammermeier

Gallerytalk.net: Frau Kammermeier, im letzten Jahr hat sich bei Ihnen viel getan. Nach Abschluss Ihres Kunsterziehungsstudiums an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg waren Sie auf Ausstellungen wie GOHO und etwa SupermArt mit Ihren Werken vertreten. Zudem betreiben Sie mit dem Künstler Francesco Ferrante die Atelier Galerie dellaLuce im Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Grund genug, Sie als Person, Ihren künstlerischen Werdegang und Ihr Oeuvre den Lesern von Gallerytalk.net vorzustellen.

Sie bezeichnen sich selber als freie Künstlerin. Warum haben sie Kunsterziehung studiert und nicht beispielsweise freie Malerei?

Anne Kammermeier: Für mich war die Malerei immer das was ich bin und machen MUSS. Davon waren meine Eltern jedoch nicht sehr begeistert. Die Aufnahme an der AdBK war ein entscheidender Schritt in Richtung Künstlerdasein für mich. Dennoch beeinflussten mich meine Eltern soweit, dass ich das Studium der Kunsterziehung und somit den Lehrerberuf der Freien Malerei vorzog.

Gallerytalk.net: Wie beurteilen Sie rückblickend Ihr Studium an der AdBK Nürnberg?

Anne Kammermeier: Auf die Freude über die Aufnahme an der AdBK folgte bald eine Ernüchterung. Gerade unter Künstlern gibt es viele verschiedenen Herangehensweisen an den künstlerischen Schaffensprozess. Die Kunstauffassung an der AdBK war für mich zu planvoll und verkopft. Dort fühlte ich mich eingesperrt und gebremst in dem Drang meine Gefühle und damit mein Unterbewusstsein frei walten zu lassen. Erst nach dem Studienabschluss konnte ich den Mut finden, mich meinen Gefühlen und meiner Intuition ganz hinzugeben.

Gallerytalk.net: Wie hat sich der Entstehungsprozess Ihrer künstlerischen Arbeiten von den Anfängen im Studium bis heute gewandelt?

Anne Kammermeier: Ausgangspunkt ist wahrscheinlich schon immer die „Stimmung“ gewesen. Bilder haben mich selbst stark bewegt und ich wollte die Menschen auch „bewegen“, meine Gefühle mit meinen eigenen Bildern vermitteln. So beeinflussten mich Anfangs die Impressionisten und ihre Nachfolger, gerade Paul Cézanne [*1839 - +1906, Anm. d. Red.], den ich auch wegen seines individuellen typischen Duktus bewunderte. Der Umweg Gefühle und Stimmung über farbige „Landschaften“ zu vermitteln war mir bald zu wenig. Der Mensch, das Individuum mit seiner Persönlichkeit, zog mich weitaus mehr in seinen Bann. Als wichtiges Motiv für meine Malerei entdeckte ich zunächst meine kleine Schwester, die ich in unzähligen Portraits und szenischen Bildern festhielt. In einem

flagge Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier: Flaggezeigen 2, Acryl auf Malkarton, 30x40cm, 2006; Quelle: http://www.anne-kammermeier.de/11flaggezeigen2.html

weiteren Schritt entwickelte ich ein Interesse für das Verhalten von Menschen bei Massenphänomenen. Die verkleideten Fans mit Fahnen bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland oder der Besuch des Papstes in meiner Heimatstadt Regensburg 2006 boten eine Vielzahl an Motiven für meine Malereien. Aber auch alltägliche „Massenphänomene“, wie Passanten in der Nürnberger Innenstadt, die genüsslich Eis schleckten, zog mein Interesse an.

Gallerytalk.net: Wie ist Ihnen die Umsetzung der Motive in die Malerei gelungen? Wie gingen Sie vor?

Anne Kammermeier: Ich bin recht planvoll, auch durch den Einfluss der Akademie, vorgegangen. Zuerst habe ich mir überlegt was mich inspiriert. Anschließend bin ich mit meiner Kamera losgegangen und habe bewusst nach Motiven gesucht, um diese zu fotografieren. Die Umsetzung in die Malerei gestaltete sich oft schwierig, weil ich keine richtigen Gefühle für das Objekt entwickeln konnte.

Heute male ich was mich spontan inspiriert und berührt. Die Bilder entstehen dann fast von selbst, wie im Rausch. Eine „Botschaft“ ist nicht bewusst intendiert. Seit ich so vorgehe, bin ich deutlich produktiver und freier. Ich kann mich selbst von meinem Bild überraschen lassen und das ist toll!!!

Gallerytalk.net: Im letzten Jahr haben Sie viele „Kinderbilder“ gemalt. Wie muss man sich die Genese dieser Arbeiten vorstellen und warum gerade Kinder?

Anne Kammermeier: Fotos bzw. die Gefühle und Emotionen, die bestimmte Bilder bei mir auslösen sind meine Inspirationsquelle und impulsgebender Reiz, der am Anfang einer langen Assoziationskette steht, in der ein Gefühl ein Weiteres hervorruft. Dafür, dass heute meist Kinder auf meinen Bildern zu sehen sind, gibt es wahrscheinlich verschiedene Gründe.

ikarus Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier: Ikarus; 2012; Quelle: http://anne-dellaluce.blogspot.de/

Zunächst plane ich nicht ausdrücklich Kinder zu malen. Ich male auch andere Motive, wie z.B. letztlich ein Schwein. Beim Betrachten von Familienalben oder anderen privaten Fotos sprechen mich meist jedoch Kinderfotos an. Kinder ignorieren auf bestimmte Weise die Kamera und zeigen viel offener und natürlicher ihre Mimik und Gestik. Sie wirken auch auf Fotos lebendig. So repräsentieren sie für mich sozusagen die ursprüngliche, noch unbeeinflusste Persönlichkeit. Durch ihre Kindlichkeit sind sie anhänglich und verletzlich – so wie unsere Seele, wenn wir sie offen legen.

Gallerytalk.net: Kinder stehen also in Ihrer Malerei für die menschliche Seele?

Anne Kammermeier: Ja, ich denke, dass sie Symbole für die Seele sind. Auch meine persönliche Geschichte, meine eigene Kindheit, meine Psyche spielen sicherlich eine Rolle bei der Motivwahl und somit am Ende bei der Malerei.

schrei Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier: Schrei 1, 2012: Quelle: http://anne-dellaluce.blogspot.de/

Gallerytalk.net: Wie gehen Sie technisch beim Malen vor?

Anne Kammermeier: Nachdem ich ein Motiv gefunden haben, das mich inspiriert, fange ich einfach an zu malen, und das möglichst schnell, spontan und unüberlegt. Sobald ich zu viel nachdenke, muss ich aufhören.

Gallerytalk.net: Sie verlieren also ihren Flow. Fallen aus dem bereits beschrieben „Produktionsrausch“ heraus.

Anne Kammermeier: Exakt. Manchmal fange ich mit dem Hintergrund an. Ich nehme instinktiv eine Farbe, die meiner Stimmung entspricht, und mische diese mit viel Wasser. Die Farbe läuft dann in irgendwelche Richtungen und zeigt mir so wie es weitergeht. Das Bild malt sich quasi teilweise von selbst. Dort wo sich beispielsweise ein Mund oder ein Auge andeutet male ich weiter und fange an einen kleinen Menschen zu malen. Da ich von Anfang an viel Wasser und Farbe verwende und zusätzlich die Leinwand drehe und wende erzeuge ich zufällige Effekte, die ich dann weiter entwickle und ausbauen.

wanderung Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier: Wanderung, 2012; Quelle: http://anne-dellaluce.blogspot.de/

Gallerytalk.net: Mit der Atelier Galerie dellaLuce vereinen Sie Künstlerdasein und Galeristentätigkeit in einer Person. Was steckt hinter Ihrem Konzept?

Anne Kammermeier: Die gemeinsame Nutzung eines Ateliers mit dem Künstler Francesco Ferrante brachte uns auf die Idee, die Räumlichkeiten in Gostenhof ganzheitlicher zu nutzen. Unser Ziel war es, uns selbst und andere Künstler der Öffentlichkeit zu präsentieren und mit verschiedenen Menschen aus allen möglichen Bereichen, vom Laien bis zum Kunstkenner, in Kontakt zu treten und so ein gemeinsames Netzwerk zu schaffen, in dem man sich gegenseitig inspiriert und austauscht.

Gallerytalk.net: Seit Oktober 2011 läuft die Atelier-Galerie. Erfolgreich?

Anne Kammermeier: Die Eröffnung auf GOHO war ein Riesenerfolg für uns. Die Besucherzahlen sprengten alle Erwartungen und wir konnten uns neue Ausstellungsmöglichkeiten und einen festen „Kundenstamm“ erschließen. Da wir der Meinung waren, dass es schade wäre die Räume nur zu besonderen Events zu öffnen und weil wir eine Möglichkeit bieten wollten unsere Arbeiten regelmäßig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben wir die Veranstaltung „KUNST, Kaffee und Kuchen“ ins Leben gerufen. Wir öffnen unsere Galerie für Gäste und bieten Kaffee und Kuchen auf Spendenbasis an. Die Veranstaltung wird durch Live-Musik, Lesungen, Comedy-Auftritte, auch ein erotisches Kabarett, etc. bereichert.

Gallerytalk.net: Das Führen einer Galerie und das Planen von Veranstaltungen erfordern einen großen Zeit- und Arbeitsaufwand. Wo bleibt da Zeit für Ihre Kunst?

Anne Kammermeier: Sie haben recht! Da wir nun an sehr viel mehr Ausstellungen teilnehmen, als noch vor einem Jahr, haben wir die Veranstaltungen nun auf jeden 2. Sonntag im Monat (15:00 bis 18:00 Uhr) einschränken müssen. Für die Galerie mache ich die ganze Organisation, wie Pressearbeit, den Blog und Facebook. Ich spreche Künstler für die Live-Acts und plane den gesamten Ablauf. So konnte ich als nächsten Künstler, der in der Galerie ausstellen wird, Oliver Essigmann gewinnen. Er wird seine Videokunst bei uns präsentieren.

Gallerytalk.net: Sie gestalten so auch den Kunstbetrieb der Stadt Nürnberg mit und sind Teil der regen Kunstszene. Wie schätzen Sie diese Szene ein? Was beeindruckt Sie, was bereitet Ihnen Kopfschütteln?

Anne Kammermeier: Im Vergleich zu anderen Städten hat Nürnberg künstlerisch einiges zu bieten und die Künstler – gerade in Gostenhof – sind gut organisiert. Trotzdem habe ich oft den Eindruck, dass immer dieselben Leute aufeinander treffen und wenig neues Publikum aus kunstferneren Bereichen akquiriert und angesprochen wird.

Gallerytalk.net: Woran kann das liegen?

Anne Kammermeier: Meiner Meinung nach liegt das möglicherweise daran, dass sich viele Künstler bewusst unzugänglich geben. Das erfahre ich auch oft in den Gesprächen mit unseren Gästen in unserer Atelier-Galerie. Viele Menschen fühlen sich auf den Arm genommen von Künstlern. Das sollte vermieden werden. Die Künstler müssen sich dem „normalen Volk“ öffnen!

Gallerytalk.net: Sehen Sie auch Nachholbedarf bei der Nürnberger Bevölkerung? Es gibt ja immer auch eine zweite Seite der Medaille.

Anne Kammermeier: Sicherlich! Ich würde mir ein bisschen mehr Investitionsfreude bei den wohlhabenderen Nürnbergern wünschen. Das Interesse Bilder zu sehen ist erfreulicherweise zwar groß aber die Bereitschaft einen angemessenen Preis für ein Kunstwerk zu bezahlen umso weniger. Umso mehr Freue mich, wenn weniger betuchte Menschen aus Wertschätzung einen für sie hohen Betrag für meine Bilder aufbringen.

Die etablierte Malerei in Nürnberg, wie man sie teilweise beim Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten oder BBK sieht, erscheint mir auch oft zu brav. Zudem stört mich ein bisschen die „Macht“ der Akademie: Künstler, die nicht dort ihre Connections haben oder nicht dort studiert haben scheinen bei einige Dingen benachteiligt zu sein.

Gallerytalk.net: Beispielweise?

Anne Kammermeier: Zum Beispiel bei der Aufnahme im BBK [Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Nürnberg Mittelfranken e. V., Anm. d. Red.]

FotomitBildern Anne Kammermeier im Gespräch   Ihr Weg vom Akademiestudium zur Freien Künstlerin und Galeristin

Anne Kammermeier in ihrem Atelier, Foto: Anne Kammermeier

Gallerytalk.net: Wie lauten Ihre Pläne für die nahe Zukunft?

Anne Kammermeier: Ausstellen, ausstellen, ausstellen!!! Vom 12.10. bis 14.10.2012 stelle ich bei Donum Vitae in der Königstraße 70, 90402 Nürnberg aus. Außerdem steht am 13.-14.10.2012 GOGATA auf dem Programm. Vom 19.10.-19.11.2011 stelle ich zusammen mit Francesco im ARTelier einen Monat lang aus. Auf der 1. Internationalen Biennale in Hamburg (15.11.2012 – 11.02.2013) werde ich bei der Galerie Kamm vertreten sein, und leite vom Kunstjahr 2012 mit einer Ausstellung bei Baumüller (03.12.2012 – 01.03.2013) ins Jahr 2013 über.

Gallerytalk.net wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihren Plänen und bedankt sich für das ausführliche Interview.

Anne Kammermeier: Ich habe zu danken!

Das Interview führte Alexander Racz am 03.09.2012.

Eva-Maria Kupfer; Quelle: http://www.weinerei.de

Vernissage: Gut isoliert von Eva-Maria Kupfer in der Weinerei Nürnberg

Am Donnerstag (06.09.2012) eröffnet um 20:00 Uhr die Ausstellung “Gut isoliert” der Künstlerin Eva-Maria Kupfer in der Weinerei Nürnberg.

Adresse: Weinerei Nürnberg, Prinzregentenufer 5, 90489 Nürnberg.

Öffnungszeiten: immer Freitags und Samstags ab 21:00 Uhr bis ca. 01:00 Uhr.

Eva Maria Kupfer HK 470x319 Vernissage: Gut isoliert von Eva Maria Kupfer in der Weinerei Nürnberg

Eva-Maria Kupfer; Quelle: http://www.weinerei.de

Farbiges Klebeband als Zutat urbaner Bildwelten: Eva-Maria Kupfer vermittelt zwischen Zensur und Zäsur.

Die Klebebandbilder der jungen Künstlerin dekonstruieren popkulturelle Motive. In Klebestreifen seziert, wird der Mythos King Kong ganz neu kreiert. Illuminierte Monstermetropolen offenbaren in automateriellen Sequenzen die Unbewohnbarkeit kommerziellen Stadtraumes. Nichtorte verdichtet die Künstlerin zu Denkmälern ihrer eigenen Wahrnehmung, ganz der Logik der Materie Band unterworfen.

Eva Maria Kupfer STROKE Munich2012 470x411 Vernissage: Gut isoliert von Eva Maria Kupfer in der Weinerei Nürnberg

Eva-Maria Kupfer, Stroke, München 2012, 470x411; Quelle: http://www.weinerei.de/

Eva Maria Kupfer Thaifel 230x225 Vernissage: Gut isoliert von Eva Maria Kupfer in der Weinerei Nürnberg

Eva-Maria Kupfer, Thaifel, 230x225; Quelle: http://www.weinerei.de/

Dabei imitieren die Kompositionen in der Distanz durchweg einen Realismus, der sich bei genauerer Betrachtung als Fatal erweist.

Verhaftet in der Tradition klassischer Gestaltung entsteht der Bruch als Subtext: als Gefüge vernetzter und verwobener Schichten, die die Künstlerin kongenial vermischt.

Quelle: http://www.weinerei.de/