Art Austria 2016
Ein Rückblick

18. März 2016 • Text von

Vor der Kunstmesse ist nach der Kunstmesse! Wir waren letztes Wochenende für euch bei der Art Austria im Leopold Museum und haben uns alle 50 Aussteller auf drei Etagen verteilt angesehen. Fazit: ein schöner Querschnitt durch die österreichische Kunst. Viele prominente Namen neben interessanten, jungen Positionen. Dennoch haben uns drei Galerie Booths besonders fasziniert, bei denen sich nun auch dieses Wochenende ein After-Fair-Besuch auszahlt.

In der ersten Etage wurden wir regelrecht von einem Stand angezogen. Es handelt sich hierbei um die Arbeiten von Hermann Staudinger, der sich intensiv mit dem Material Gold auseinandersetzt. Der Künstler arbeitet mit jahrhundertealten zeitaufwendig-kontemplativen Handwerkstechniken, um Kreidevergoldungen oder Goldwände herzustellen. Ebenso wichtig ist bei diesen Arbeiten der Winkel der Betrachtung: wird das Werk im richtigen Licht angesehen, strahlen die Hintergründe und entführen den Betrachter in eine immaterielle Ebene. Hermann Staudingers Atelier befindet sich in 1160 Wien und wir empfehlen, in den Goldrausch einzutauchen.

© Hermann Staudinger.

© Hermann Staudinger.

Nächstes Highlights waren für uns die prozessualen Cryo-Paintings von Ty Waltinger im Booth der galerie artziwna. Naturschauspiel, so filigran und fein, dass der Betrachter verleitet wird, Eiskristalle oder Blüten von der Leinwand zu wischen. In seinen Arbeiten bedient sich Waltinger dem elementarsten Vorgang der Natur: der Verwandlung. Zunächst werden aus originären Farbpigmenten aufwändig gemischte Pigmentessenzen hergestellt. Die vielschichtigen Oberflächen entstehen dann aus der Kristallisation eben dieser Pigmente, wobei der gesamte Prozess unter extremen Bedingungen im Freien stattfindet. Somit kann die Natur zur Gänze in Waltingers Arbeiten eingebunden werden. Für alle, die noch mehr über diesen einmaligen Arbeitsprozess erfahren wollen, können wir die Dokumentation „Zeit. Spuren. Pigmente“ empfehlen, bei der Waltingers Projektreise in die Sahara gezeigt wird. Tolle Aufnahmen!

Ty Waltinger, Prussian Blue Crytsals, 1962, Cryo-Painting, © galerie artziwna

Ty Waltinger, Prussian Blue Crytsals, 1962, Cryo-Painting, © galerie artziwna

Angekommen im Booth der Galerie unttldt haben wir uns gleich wohl gefühlt. Nicht zu viel, gut durchdacht und toll kuratiert! Chapeau! Hier war es Josef Bauer mit seinen Faltobjekten, der uns besonders überzeugt hat. Der Künstler arbeitet mit Plakatabrissen, die im Nachhinein von ihm bemalt und dann mit Polyester überzogen werden. So erhalten diese an sich vergänglichen Formen, eine dauerhafte Komponente, ein bestimmtes Moment erstarrt. Dennoch wirken die Skulpturen durch ihre gebogene Oberfläche, als würden sie mit aller Anstrengung in ihre Ausgangsposition zurückkehren wollen. Aus einem Fundstück, wird eine selbstständige Skulptur. Zur Zeit werden die Arbeiten in der Galerie unttldt in der Schleifmühlgasse ausgestellt.

Credits: Alfredo Barsuglia.

Credits: Alfredo Barsuglia.

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