Jetzt mal Fun aufs Herz!
Alain Bieber über Duesseldorf Photo

17. Januar 2018 • Text von

Wir sehen das wie die Antilopengang: Pizza kann uns retten. Gut, dass bald eine Ausstellung ansteht, die das Teigträumchen glatt zur Gottheit erklärt. Im NRW Forum und an unzähligen anderen Orten steht im Februar Duesseldorf Photo an. Wir haben mit dem Künstlerischen Direktor des Festivals Alain Bieber über das Becher-Erbe und seine Tattoo-Pläne gesprochen.

On the Internet, nobody knows you’re a Performance Artist. Andy Kassier & Signe Pierce live / Bild: Signe Pierce ​

gallerytalk.net: Düsseldorf Photo will in die Zukunft schauen. Gleichzeitig wird immer wieder auf Bernd und Hilla Becher Bezug genommen. Inwiefern lebt das Festival vom Glanz der Düsseldorfer-Ära?
Alain Bieber: Man kann es ein Anknüpfen nennen. Es lässt sich schwer über Zukunft reden, wenn man die Vergangenheit ignoriert. Die Becherschule spielt eine wichtige Rolle in der Historie Düsseldorfs. Das kann und sollte man nicht ausblenden. Aber es ist natürlich ebenso wichtig, nach vorne zu schauen und zu gucken: Wie hat sich Fotografie entwickelt? Was macht der Nachwuchs? Die Generationen sind auch miteinander verbunden. Schüler von einst wie zum Beispiel Andreas Gursky sind mittlerweile Professoren an der Kunstakademie und bilden wieder neue Schüler aus.

Auf dem Festival wird es ungewöhnliche Positionen zur Fotografie geben. Man kann sich etwa tätowieren lassen.
Der Tätowierer ist Holger Kurt Jäger. Super Typ, kann ich nur empfehlen. Wir vom NRW Forum haben schon mal mit ihm zusammengearbeitet. Bei der Ausstellung von Thomas Mailaender „The Fun Archive“ hat er die ganze Eröffnung über, also von 18 Uhr bist Mitternacht, das Wort „Fun“ tätowiert. Soll ich’s euch zeigen?

Unbedingt!
(knöpft sein Hemd aus und präsentiert das besagte Tattoo auf seiner Brust) Ein Fun aufs Herz! Ist gut, oder?

Alain Bieber. Foto: Ondro Ovesny

Und was lässt du dir dieses Mal stechen?
Das steht noch nicht, aber ich will mir auf jeden Fall was stechen lassen. Es wird verschiedene Motive zur Auswahl geben. Die haben fünf, sechs Fotografen beigesteuert. Holger Kurt Jäger wandelt sie in Zeichnungen um. Die Tattoos gibt es dann zum kleinen Preis. Gesichtstätowierungen sind kostenlos. Ich denke, meins kommt auf den Arm.

Bleiben wir bei Plakativem: Die Ausstellung „Pizza is God“ im NRW Forum wird ein Highlight des Foto-Festivals …
Es gibt verschiedene Highlights. Da ist also für jeden was dabei. Insgesamt spricht das Programm vermutlich eher Jüngere an. Die verstehen auch, wieso Pizza ein wichtiges Thema ist. Da gibt es schon ein Generations-Gap. Manchen Leuten kann man nur schwer erklären, was für ein Internet-Mem Pizza ist! Zur Eröffnung der Ausstellung wird es eine Performance geben, bei der 50 Pizza-Services angerufen werden. Überall wird eine Pizza bestellt. Das heißt, irgendwann kommen lauter Pizza-Jungs und -Mädchen und suchen, wer ihre Pizza bestellt hat. Die 50 Pizzen werden dann gemeinsam verzehrt und die Boxen bleiben als Objekt übrig – eine Installation! Außerdem machen wir ein Performance-Programm mit der Pizza-Schule von Umberto Napolitano. Der ist wirklich so ein Pizza Großmeister. Kennt ihr Pizza Acrobatics? „Cirque du Pizza“ – eine Art Weltmeisterschaft im Pizza-Schleudern. Das müsst ihr euch mal im Internet anschauen. Ist sehr, sehr lustig.

NRW-Forum Düsseldorf: Pizza is God / Bild: Uffe Isolotto & Sixten Starck, Pixxa Splice, 2013

Wer nicht gerade in Düsseldorf und Umgebung wohnt und vielleicht nur einen Tagesausflug zum Fotofestival plant, kann unmöglich das ganze Programm durchziehen. Was darf man auf keinen Fall verpassen?
Am besten ist immer ein maßgeschneidertes Programm je nach Interesse. Man kann den Schwerpunkt auf Zeitgenössisches legen oder auf Historisches. Auf Klassiker, auf Mode … Nach unserem kurzen Kennenlernen würde ich euch neben der Pizza-Ausstellung und der Tattoo-Aktion noch die Ausstellung im öffentlichen Raum im Stadtteil Bilk empfehlen. Am besten kommt ihr am 17. Februar. Da steigt die Party im Weltkunstzimmer. Es kommen Stefan Schneider, ORSON & POLA und Haiyti!

Wie passend, alles Musiker mit Kunstbezug …
Gibt es ja öfter. MC Fitti ist eigentlich auch Künstler gewesen. Der war Street-Artist und auch ziemlich bekannt in dem Bereich. Mittlerweile ist er etwas kommerzieller im Popbereich aufgestellt. Aber früher gab es mal diese Sticker mit seinem Arschloch drauf. Falls ihr mal solche seht: Das ist MC Fitti!

Wenn du Pop sagst, klingt das nicht abwertend – keine Selbstverständlichkeit. Wie gehen Kunstszene und Populärkultur zusammen?
Ich würde gar nicht Populärkultur sagen. Für mich ist das einfach Popkultur.

Kirchfeldstraße 116: Love / Bild: Katharina Schmitt „Embraice“

Muss Pop nicht irgendwie populär sein?
Ich denke da eher an Popdiskurs. In der Kunst kann Pop nischig sein, wenn mit populären Klischees gespielt wird. So machen es ja einige Künstler.

Und zwar auch bei Duesseldorf Photo. Aber mal angenommen das Programm reicht noch nicht aus, um die Leute in die Stadt zu locken: Verrätst du uns, wo man während des Besuchs gut isst oder mal einen Kaffee trinkt?
Im NRW Forum, wo sonst? (grinst) Wir haben einen neuen Gastronomen, der aus dem Bereich Popkultur kommt: Hamed Shahi Moghanni. Er ist eigentlich Konzertveranstalter. Er macht zum Beispiel das New Fall Festival. Bei uns im PONG gibt es dank ihm nicht nur Essen, sondern auch Events. Als nächstes kommt zum Beispiel Erobique und man kann essen, trinken, tanzen, Ausstellungen anschauen – alles. Aber es gibt natürlich auch andere tolle Orte. Es gibt eine sehr schöne Publikation, die heißt „The Dorf“. Das ist ein Online-Magazin aus Düsseldorf mit super Tipps für Shops, lecker Essen, Parties und so weiter. Ihr könnt ja einfach mal nach Düsseldorf kommen und euch alles anschauen!

Mit Alain Bieber sprachen Eva Beck und Anna Meinecke.

WANN: Das Festival Duesseldorf Photo findet vom 16. bis zum 25. Februar statt.
WO: Alle Veranstaltungsorte findet ihr hier.

NRW-Forum Düsseldorf: Pizza is God / Bild: Jennifer Chan, Big Sausage Pizza I, Photo Print On Fleece, 2013

DÜSSELDORF PHOTO PANELS / Bild: © Offm Public Art Panels 2015, Robert Brambora – Genius

Black Box – Kino im Filmmuseum Düsseldorf : Fotografie im Spielfilm / Bild: Filmstill 2, Blow Up, Michelangelo Antonioni,1966

Ninasagt: Alexander Coggin: Yeah, Magic / Bild: Alexander Coggin

Polnisches Institut: Imago. Anna Grzelewska und Zuza Krajewska / Bild: Anna Grzelewska, Serie Julia Wannabe, 2015 © Anna Grzelewska