Paris Internationale 2018 Special
Junge Galerien in bourgeoiser Umgebung

20. Oktober 2018 • Text von

Jünger. Näher. Intimer. Eine Messe der besonderen Art. Neben der etablierten Foire internationale d’art contemporain (FIAC) präsentiert sich die nun seit drei Jahren stattfindende Paris Internationale in einem von Haussmann typisch für Paris gestalteten Wohnhaus als Alternative, die diesen Herbst junge Galerien aus 21 Ländern ausstellt.

DEBORAH SCHAMONI ©margotmontigny

Es ist keine typische Messeerfahrung, die einem der Besuch der Paris Internationale 2018 bietet: Keine überfüllte und weitläufige Messehalle durch die man sich schiebt, sondern ein Pariser Wohnhaus, gelegen fern vom Trubel der Innenstadt, im bürgerlichen 8. Arrondissement von Paris − idyllisch am Park Monceau. Beinahe jede Galerie präsentiert sich in einem eigenen Raum, verteilt über insgesamt fünf Stockwerke, und ermöglicht dem Besucher so eine deutlich intimere und ruhigere Begegnung mit der ausgestellten Kunst. Die Architektur der Räume, mit Holz vertäfelte Salons ausgestattet mit marmornen Kaminen, sowie die weiß vertäfelten Bäder und ehemaligen Küchen tragen deutlich zur Präsentation der Kunst bei und lassen sie oft origineller erscheinen, als die klassisch weiße Wand eines Messestandes. Man lässt sich treiben durch die Zimmerfluten und erhält durch die Umgebung des bourgeoisen Wohnhauses und die auffallende Präsenz von Malerei dieses Jahr viel mehr den Eindruck, sich in einem privaten Salon zu befinden, als auf einer Verkaufsmesse für zeitgenössische Kunst.

Emalin ©margotmontigny

Die Paris Internationale präsentiert sich vielfältig. Neben den 42 kommerziellen Galerien, gibt es auch acht Non-Profit-Organisationen wie das Institute of Contemporary Art (ICA) aus London, sowie die Berliner Plattform The Performance Agency, die eingeladen wurden. Letztere befindet sich gleich im Erdgeschoss. Als Plattform dient ein von der polnischen Künstlerin Maria Loboda kreiertes überlebensgroßes Zelt, das den vergrößerten Rock von Marie-Antoinette darstellen soll. Mit „Conversation Piece I“ wurde eine Reihe an diskursiven, intimen Begegnungen zwischen Besuchern und eingeladenen Personen wie dem Künstler Eric Wesley oder dem Galeristen Alfons Klosterfelde geschaffen. Unter vier Augen und nah in einem Zelt. Das besprochene Sujet ist am Ende nicht so wichtig – „der Fokus liegt ganz auf der Person“, wie Klosterfelde erzählt.

THE PERFORMANCE AGENCY ©margotmontigny

Im oberen Stockwerk ist der Blick eher auf zweidimensionale Werke gerichtet − auffallend viel Malerei zeigen die Galerien in den Räumen. Raben in spielerisch bunten Landschaften von Ann Craven sind bei Southard Reid zu finden, die Pariser Galerie Crèvecoeur zeigt die farbenintensiven Kompositionen der südamerikanischen Künstlerin Sol Calero, bei Project Native Informant aus London begeistern die an altflämische Meister erinnernden Selbstporträts von Kenneth Bergfeld und auch Marfa’ aus Beirut präsentiert ein Spektrum an verwunschenen Landschaften der libanesischen Künstlerin Talar Aghbashian. Werke von Newcomern, die durch Ihr Können überzeugen und sich noch wie die Landschaften von Aghbashian in einem preiswerten Segment von unter 10.000 Euro befinden.

Courtesy of the artist and Project Native Informant, London.

MARFA‘ ©margotmontigny

Spannende Arbeiten wie eine Maske aus Textil und Bernstein, sowie verschiedene Objekte aus Kupfer eines jungen russischen Künstlers zeigt die Londoner Galerie Emalin. Letztere präsentiert Werke von Evgeny Antufiev, die an folkloristische Traditionen der südsibirischen Heimat des Künstlers erinnern und sich mit den immer weniger präsenten Mythen und Ritualen in unserer postdigitalen Gesellschaft beschäftigen. Auch der Stand der Münchner Galeristin Deborah Schamoni überzeugt mit raumgreifenden Installationen von Judith Hopf sowie Porträts der Argentinierin Amalia Ulman. Ulman war unter anderem bekannt geworden durch ihre Instagram-Performance „Excellences & Perfections“ und setzt sich in ihrem Werk mit Fragen nach Identität und Selbstinszenierung auseinander. Raumeinnehmende Installationen zeigt auch die Galerie Isabella Bortolozzi im obersten Stockwerk. Ausgehend von einer Videoarbeit der Amerikanerin Ellen Cantor hat der deutsche Künstler Veit Laurenz Kurz in einem mit dunklem Holz vertäfelten Raum eine kaum durchdringbare, utopische Landschaft entstehen lassen. In Anspielung auf ehemals bewohnte Welten kreiert Kurz eine posttechnologische Utopie, die dem Besucher in der engen Räumlichkeit des bourgeoisen Wohnhauses eindringlich erfahrbar wird.

ISABELLA BORTOLOZZI ©margotmontigny

Nah und intim. Besonders, weil die Kunst durch die Räume, die bereits einen ausgeprägten architektonischen Charakter besitzen, einen umso originelleren Eindruck hinterlassen. Es ist eine junge Messe der anderen Art, die es längst geschafft hat, sich durch ihr hochkarätiges Programm an jungen Galerien zu etablieren und sich dabei ihre einzigartige Atmosphäre zu bewahren .

WANN: AAAAHHH!!!! Paris Internationale 2018 findet noch bis Sonntag, den 21. Oktober statt.
WO: Die Messe befindet sich auf der 16 Rue Alfred de Vigny in 75008 Paris.

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