Intim und ganz persönlich
Junge Fotografie im Kunst Haus Wien

17. März 2017 • Text von

Junge Fotografinnen zeigen in der Ausstellung I dreamed we were alive Episoden aus ihren Leben.  Es sind Schnappschüsse und Momentaufnahmen von intimen Stunden und persönlichen Erfahrungen; Erinnerungen an die Jugend, Liebeskummer und an die Heimat. 

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Edition „I Dreamed We Were Alive“ © Kunst Haus Wien 2017, Foto Eva Kelety

Sie gehören dazu: die tiefen Punkte im Leben als auch die Höhepunkte. Liebeskummer und Freudensmomente, Abende mit Freunden und Partys. Die Fotos der Ausstellung I dreamed we were alive in der Kunst Haus Wien Galerie zeigt Fotoaufnahmen von fünf Fotografinnen, die diese Momente zeigen. Es sind Bilder der Erinnerung, jedes einzelne von ihnen erzählt eine Geschichte, tief persönlich und sehr intim. Es passiert, dass man sich selbst mit ihnen identifiziert. 

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Ekaterina Anokhina, aus 25 weeks of winter 1, 2013 © Ekaterina Anokhina

Ekaterina Anokhinas Fotografien stammen aus einer Lebensphase, in welcher Melancholie vorherrschte. Eine Trennung und der darauf folgende Liebeskummer wurden fotografisch verarbeitet. 25 weeks of winter zeigt Fotografien, entstanden im Zeitraum nach der Trennung. Sie halfen als Therapie, um über den Schmerz hinwegzukommen. Die Erinnerungen und die Auswirkungen auf den eigenen Körper und Geist erschufen ein Werk, das auf sehr poetische Art und Weise diese Lebensphase der Künstlerin veranschaulicht. Die sehr intimen Einblicke in das Leben von Anokhina, die als Tagebuch fungieren, lassen mit ihr trauern und den Prozess des Hinwegkommens verstehen.

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Lena Rosa Händle, cat, Aus Laughing Inverts, 2006 © Lena Rosa Händle

Lena Rosa Händle wiederum setzt sich mit dem Lachen der Menschen in ihrer Nähe auseinander. Die Fotografien entstanden gemeinsam mit ihren FreundInnen und zeigen Motive aus Momenten, die im Miteinander geschehen sind. Händle hat in Berlin Gender Studies studiert und setzt sich auch in ihren fotografischen Arbeiten mit Themen wie Queer und der Wandelbarkeit von Gender auseinander.

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Hanna Putz, Untitled (Dyptichon 04), 2017 © Hanna Putz

Bei den Bildern von Hanna Putz muss man genauer hinschauen. Es sind Fotografien von sozialen Interaktionen und gesellschaftlichen Momenten, allerdings sind von diesen nur Bildausschnitte zu sehen. Diese Sequenzen bekommen durch ihre Fragmentierung etwas Unwirkliches, beinahe Surreales. Mal sind Gesichter abgeschnitten oder verdeckt, mal sind auch nur Beine zu sehen. In Diptychen oder Triptychen zusammengestellt lassen die Werke Spielraum für Interpretationen.

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Yulia Tikhomirova, Baltica 1, 2003-2016 © Yulia Tikhomirova

Die Serie Baltica von Yulia Tikhomirova zeigt Fotografien aus einem Langzeitprojekt, gestartet 2003 und vollendet 2016. Tikhomirova stammt ursprünglich aus Sankt Petersburg und zeigt Momentaufnahmen der dortige Jugend, kombiniert mit Bildern aus der Gegenwart. Sie selbst war in ihrer Heimat Russland Mitglied der Punk-Bewegung und zeigt in Schwarz-Weiß-Fotos aus dem persönlichen Foto-Archiv Einblicke. Die Fotografin lässt Vergangenes in Schwarz-Weiß-Fotos und Gegenwärtiges in Farbfotografien in Dialog treten und begibt sich somit auf die Suche nach Heimat und einem Zugehörigkeitsgefühl.   

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Borjana Ventzislavova, I dreamed we were alive, 2012 © Borjana Ventzislavova / Bildrecht, Wien 2017

Begleitet werden die Werke der vier Fotografinnen von Borjanas Ventzislavovas Landschaftsfotografien. Zu sehen ist menschenlose, karge Natur, die mit je einem Spruch in Leuchtschrift versehen sind. Ventzislavova schafft es dadurch, zwar existierende Landschaften zu zeigen, die Schriftzüge suggerieren jedoch Gedanken an Träume und Wünsche als auch Ängste. Zuerst scheint es, als würden diese Bilder sich nicht in die Ausstellung fügen. Doch die Bilder der Erinnerungen und die übermittelten Gefühle des Ungewissen werden nicht nur in den Fotografien der Momentaufnahmen vermittelt, sondern sind auch in den Landschaften zu finden. 

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis zum 18.06.2017. 
WO: Kunsthaus Galerie, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien 

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