Skizzenblock, Hauswand oder Golfplatz
Peter Phobia im Gespräch

23. Juli 2016 • Text von

Phobia, englischer Begriff für Angststörung, Aversion oder Abneigung. Setzt man diesem allerdings ein Peter davor, handelt es sich um einen jungen sympathischen Mann, der sich am liebsten mit Skizzenblock und Stift im Atelier verschanzt. Aus den kreativen Stunden entstehen humorvolle und skurrile Zeichnungen alltäglicher Szenen. 

© Atelier Olschinsky, Portrait Peter Phobia, 2016

© Atelier Olschinsky, Portrait Peter Phobia, 2016

Wir haben mit dem in Wien lebenden Künstler, Illustrator und Golfspieler Peter Phobia über seinen Werdegang, Vorbilder und seine laufende Ausstellung „My Favorite Plant: Cactus“ gesprochen.

Gallerytalk.net: Peter Phobia, was ist deine größte Phobie?
Peter Phobia: Ich habe riesige Angst vor allem, was kleiner ist als meine Katze und mehr als vier Beine besitzt.

Warum hast du dich für diesen Künstlernamen entschieden?
Meine künstlerischen Anfänge fanden als Teenager hauptsächlich im öffentlichen Raum statt. Um nicht mit meinem bürgerlichen Namen zu signieren, habe ich begonnen die unterschiedlichsten Pseudonyme zu verwenden. Der Name „Phobia“ ist mir dann ganz willkürlich geblieben. Als sich mein Fokus später mehr auf bildende Kunst gerichtet hat, habe ich zu ‘Peter Phobia’ gewechselt.

Wann wusstest du, dass du Künstler werden willst?
Mein Interesse an Kunst ist relativ spät gewachsen. Skateboarding hat mir als Teenager die Türen zum Graffiti und zur Illustration geöffnet. Dadurch habe ich angefangen selbst zu zeichnen und mich im öffentlichen Raum kreativ auszuleben. Später im Grafik Design Studium an der Angewandten in Wien merkte ich, dass ich als Designer ziemlich unglücklich werden würde. Deshalb entschied ich mich, meinen Fokus auf die Arbeit mit Galerien, Illustration sowie persönliche Projekte zu legen.

© Peter Phobia, VERSACE VERSACE, Charcoal & Acrylic on Paper 70 x 100 cm, 2016

© Peter Phobia, VERSACE VERSACE, Charcoal & Acrylic on Paper 70 x 100 cm, 2016

Welche künstlerischen Vorbilder hast du?
Die Liste der Künstler ist lang. Abgesehen von befreundeten Künstlern, wie zum Beispiel Axel Void aus Miami oder dem Wiener Künstler Boicut bin ich großer Fan von John Baldessari, David Shrigley oder auch Marcel Dzama. Viele Positionen in der Kunst nehmen sich selbst zu ernst und sind mir viel zu versteift. Deswegen finde ich es erfrischend Arbeiten zu sehen, bei denen Themen auf humorvolle, aber nicht plakative Weise behandelt werden.

© Peter Phobia, Test Test 123, Charcoal & Acrylic on Paper 220 x 170 cm, 2016

© Peter Phobia, Test Test 123, Charcoal & Acrylic on Paper 220 x 170 cm, 2016

Was waren Höhepunkte in deiner Laufbahn?
Da ich mich nicht auf schon abgeschlossenen Arbeiten ausruhen möchte, blicke ich in die Zukunft und bin gespannt auf alle Projekte die noch kommen werden. Trotzdem denke ich gerne an das Mural mit Boicut während der letzten Art Basel in Miami zurück, oder freue mich sehr, momentan im Rahmen der Ausstellung LOOK AGAIN neben Künstlern wie Obey, D-Face, Roa oder Pixel Pancho in der Galerie Hilger NEXT in Wien vertreten zu sein.

Gab es Tiefpunkte? Wenn ja, wie hast du dich daraus gerettet?
Wirkliche Tiefpunkte gab es bis jetzt zum Glück noch nicht. Kunst schaffen ist für mich jedoch immer eine Möglichkeit Lösungen für Probleme zu finden. Das kann teils auch sehr frustrierend und nervenraubend sein. Aber das gehört auf jeden Fall dazu. Die Freude über eine Ausstellung oder ein abgeschlossenes Projekt ist bei mir im nachhinein umso größer, wenn ich weiß, dass ich viel Arbeit, Schweiß und schlaflose Nächte investiert habe.

Wann fühlst du dich wohler: mit Skizzenblock und Stift oder mit Hauswänden und Spraydosen?
Mit Stift und Papier auf alle Fälle. Abgesehen davon, dass jedes Projekt immer mit Bleistiftskizzen auf Papier anfängt, liegt mein Fokus definitiv auf den Arbeiten, die im Atelier entstehen.

© Atelier Olschinsky, My Favourite Plant: Cacuts, Installation View, 2016

© Atelier Olschinsky, My Favourite Plant: Cactus, Installation View, 2016

Zur laufenden Ausstellung „My Favorite Plant: Cactus“ im Atelier Olschinsky Art Store – Warum sollte man deiner Meinung nach vorbeikommen und die Ausstellung besuchen?
In der Ausstellung zeige ich unter anderem eine neue Serie von großformatigen Zeichnungen, die ich in dieser Form noch nie zuvor gezeigt habe. Außerdem ist die Ausstellung, anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, nicht nur für Leute mit grünem Daumen interessant. Hinzu kommt, dass Peter und Verena vom Atelier Olschinsky zwei der liebsten Menschen sind, die ich bis jetzt getroffen habe – nur um sie kennen zu lernen zahlt sich schon ein Besuch aus.

Man kann deine Kunst ja auch online kaufen. Mit welcher Werbestrategie würdest du dich und deine Werke vermarkten? 
Ja, eine Auswahl an limitierten Prints gibt es auch online. Meine Traumvorstellung wäre es, wenn ich Michael Jackson für ein Werbevideo gewinnen könnte. Die Chance habe ich jedoch leider schon verpasst.

© Peter Phobia, Boicut x Peter Phobia, Mural Miami, 2015

© Peter Phobia, Boicut x Peter Phobia, Mural Miami, 2015

Hast du schon Pläne für weitere Ausstellungen und Projekte dieses Jahr?
Im Juli steht eine weitere Kollaboration mit Boicut für ABSOLUT an, danach geht’s für eine Ausstellung und einen Artist Talk nach Vilnius. Im August starte ich ein persönliches Projekt in New York. Ende des Jahres freue ich mich schon auf eine weitere Solo-Ausstellung mit einer Galerie in Wien (mehr Infos kann ich dazu leider noch nicht geben). Im Dezember werde ich in Miami dem europäischen Winter entfliehen, die Art Basel genießen und hoffentlich auch ein, zwei Wände bemalen.

Da hast du ja ganz schön viel vor. Was machst du, wenn du gerade nicht zeichnest?
Wenn ich gerade nicht arbeite, dann bin ich in letzter Zeit meistens auf dem Golfplatz zu finden, um ein paar Bälle zu schlagen und meinen Kopf frei zu kriegen. Es verblüfft mich selbst, vor einem Jahr hätte ich mich nie auf dem Golfplatz gesehen, aber ich kann es nur empfehlen.

WANN: Bis 3. September 2016 könnt ihr Peter Phobias Ausstellung „My Favourite Plant: Cactus“ noch besuchen. 
WO: Atelier Olschinsky Art Store, Esterhazygasse 11, 1060 Wien 

 

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