Gestern Instagram-Post, heute Kunst

24. Januar 2016 • Text von

Kleines Quadrat, große Wirkung – wer sich morgens im Bett nicht durch fremder Leute Instagram-Posts scrollt hat das Internet ein kleines Bisschen verpasst. Neben Selfies und „Food Porn“ finden sich auf der Plattform mittlerweile richtige Kunstwerke.

Das Team von „Post Collective“ sieht das ganz genauso. Deswegen arbeitet das junge Berliner Unternehmen mit ausgewählten Instagramern zusammen und macht aus deren Fotos Kunstdrucke. Kann man online bestellen. Gründer Ferdinand Prinz findet, das Instagram schon lange viel mehr ist als nur ein soziales Netzwerk. Das muss er erklären!

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© Post Collective

gallerytalk.net: Hand aufs Herz, wie sehr hängen dir Quadrate mittlerweile zum Hals heraus?
Ferdinand Prinz: Mit dem schon fast kultigen Quadrat hat Instagram über die letzten fünf Jahre sein wertvollstes Merkmal markiert. In einer so einzigartigen Weise hat das bis jetzt noch keine andere Online Plattform geschafft. Aus diesem Grund bin ich auch heute noch ein großer Fan vom quadratischen Foto – auch wenn es seit Neustem auch andere Formate auf Instagram gibt.

Erinnerst du dich an deinen ersten Instagram-Post?
Mein erster Instagram-Post war ein etwas ironisches Selfie. Zu dem Zeitpunkt kannte ich die wunderbaren Seiten der Plattform noch nicht so ganz und wollte mich ein bisschen selbst auf die Schippe nehmen.

Post Collective Ferdi Prinz

Ferdinand Prinz und Mitgründer Albrecht Krockow © Post Collective

Wann wurde dir klar, dass das Portal mehr zu bieten hat, als schick fotografierte Avocado-Stullen und Perlen im Bikini?
Mein Interesse an „digitally sourced photography“ hatte Blogs und andere Online Magazine schon vor meiner Instagram-Karriere geweckt. In vorherigen kreativen Projekten spielte ich oft mit visuellen Medien, die ich in den Tiefen des Internets fand. Der entscheidende Unterschied bei Instagram ist aber, dass es eine unfassbar enge Community mit sich trägt. Die Künstler kennen sich nicht nur virtuell, sondern auch persönlich; treffen sich regelmäßig, inspirieren sich und bilden einander so fort. Spätestens seit weltbekannte Künstler wie Ai Weiwei oder Richard Prince Instagram als Medium nutzen stand fest, dass die Plattform etwas hat, was andere bis jetzt noch nicht haben.

© Post Collective

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Und wie kam’s vom ersten Geistesblitz zu Post Collective?
Als Student war ich jahrelang auf der Suche nach individuellen, coolen Fotografie-Postern unter 100€ – vergebens. Und das, obwohl wir auf Social Media und auf Blogs täglich mit wunderbarer Fotografie bombardiert werden? Die Erkenntnis kam nach mehreren Gesprächen mit Fotografen: Als Künstler ohne Galerie ist es oft risikobehaftet und kostenaufwendig, Kunstdrucke international zu vertreiben. Man braucht einen Online-Store mit Traffic, einen Druck-Partner, Verpackungen und muss sich um Versand und Retouren kümmern. Post Collective sollte sich dem als Plug-and-play Solution entgegen stellen.

Viele – nennen wir sie mal konventionelle – Künstler präsentieren sich mit ihren Arbeiten mittlerweile auch auf Instagram. Ihr interessiert euch aber für Fotografen und Grafiker, die Werke gezielt für die Plattform anfertigen. Was ist so besonders an deren Herangehensweise?
Ich bin davon überzeugt, dass Instagram heute viel mehr ist als ein soziales Netzwerk. Es ist eine demokratisierende Plattform, über die sich junge Talente durchsetzen; ganz egal wo sie studiert haben, wen sie kennen oder welches Equipment sie besitzen. Der Aspekt der Community spielt ebenso eine wichtige Rolle. Man fotografiert in Gruppen, inspiriert einander, erhält konstruktives Feedback und lernt voneinander. Das sogenannte Storytelling ist eine weitere Ebene, die an konzeptuelle, zeitgenössische Kunst anknüpft.

© Post Collective

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Und nach welchen Kriterien wählt ihr dann die Nutzer aus, deren Fotos ihr in die Wohnungen eurer Kunden befördert?
Wir wollen uns im Moment noch auf kein bestimmtes Genre fokussieren. Hauptfaktoren, die bei der Auswahl aber eine Rolle spielen, sind die Authentizität und der Wiedererkennungswert der Künstler.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit zwischen Post Collective und den Künstlern aus?
Wir sehen die Zusammenarbeit mit unseren Künstlern als Kollaboration und behandeln daher jede Beziehung individuell. Zum Launch einzelner Künstlerserien werden zum Beispiel kleine Einzelausstellungen organisiert oder passender Online-Content verfasst. Die Künstler teilen dies dann auch mit ihren Followern. Im Rahmen unserer Ausstellung #berlin haben wir außerdem den ersten Insta-Walk für unsere Künstler organisiert. Weitere Inszenierungen folgen im kommenden Jahr.

Viele Instagram-Fotos sind mit dem Handy geknipst. Wie stellt ihr sicher, dass die Qualität der Aufnahmen für einen hochwertigen Druck ausreicht?
Ungefähr die Hälfte unserer Fotos ist mit dem Handy geschossen. Solange das neuere Handys wie zum Beispiel das iPhone 5 und das iPhone 6 sind, kann man die Fotos problemlos ohne Qualitätsverlust auf bis zu 40x40cm hochziehen. Mit unserer Optimierungs-Software können wir aber auch schnell erkennen, ob ein Foto zu verschwommen ist.

© Post Collective

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Welches Motiv aus eurem Sortiment wird am meisten bestellt?
Das ändert sich von Woche zu Woche. Zuletzt wurden „Impermanence“ von @nomadic_by_choice und „Stairwalker“ von @loewe7 ausverkauft.

Gibt es einen Account, auf den ihr gerade ein Auge geworfen habt und den ihr vielleicht mit deiner Antwort jetzt um den Finger gewickelt bekommt?
Einer meiner neuen Favoriten ist @tonyfutura – wie viele andere Instagramer (und ich auch) hat er einen Grafik-Design Hintergrund, der sich in seinen Fotos widerspiegelt. Sehr smart und Gesellschafts-kritisch.

Mit fröhlichem Dank für ein bisschen #isnpo, du Digital Native.