Interviews

Interviews

Hamburg

Neu – Kontrovers – Abenteuerlich: Die P/ART 13

Manche Menschen sind nicht zu bremsen. Ein nicht-kommerzielles Ausstellungs-Erlebnis-Labor-Abenteur auf 2000 qm? Gibt’s wirklich. Vom 19. – 22. September findet in den ehrwürdigen Hallen des Kolbenhofs in Hamburg die P/ART 13 statt. Vor kurzem war für alle (!) Künstler und Menschen mit Ideen der Bewerbungsstart, Zieleinlauf ist der 31. Mai. Wir haben Tim, Anna und Nele getroffen, die Teil eines Kollektivs sind die nichts geringeres vor haben, als uns ein Ausstellungs-Erlebnis-Labor-Abenteur zu versprechen!

gallerytalk.net: Sagt mit einem Wort, was die P/ART am besten beschreibt.

Tim: Ein Labor.

Nele: Kontrovers.

Anna: Es wird ein Erlebnis, etwas Neues! Eine großartige Halle, Rahmenprogramm, Performances – ein Abenteuer. Ein Wort? Na gut: neu.

gallerytalk.net: Was war der Anstoß ein so großes Projekt ins Rollen zu bringen?

Tim: Der Anstoß war, dass man die Idee, die der Produzentengalerie zugrunde liegt, übernimmt und quasi auf ein anderes Format überträgt – auf das Messeformat. Auch wenn ich immer das Gefühl habe, dass “Messe” ein Unwort ist. Deshalb versuchen wir ein Konzept zu entwickeln, dass man die Messe nicht als klassische Galeriemesse mit Kojen etc. baut, sondern mehr mit einem Ausstellungscharakter arbeitet. Dazu gehört, dass Performances und Diskussionen stattfinden, genauso wie die Gestaltung der Halle. Die Künstler sollen schon vorab die Fläche gestalten können, um sich mit dem Raum auseinanderzusetzen

PART Gruppenbild farbe Neu   Kontrovers   Abenteuerlich: Die P/ART 13

Das P/ART-Kollektiv, v.l.n.r.: Anna Seckler, Kristin Dierbach, Tim Theo Geissler, Robin Niklas Höke, Nele Groeger, Jana Federov, Foto: Oliver Decher

gallerytalk.net Wo seht ihr den entscheidenden Unterschied zu klassischen Messeformaten?

Nele: Klassische Messe zeigen Kunstwerke. Wir wollen den Werkbegriff in Frage stellen und durch verschiedene Elemente ergänzen. Verschmelzung. Außerdem ist es ein nicht-kommerzielles Projekt, das verspricht Lockerheit. Es geht nicht nur um Verkauf, sondern vor allem das Erlebnis!

gallerytalk.net: Der Begriff Produzentenmesse drückt schon aus, dass die Künstler diejenigen sind, die das Geschehen bestimmen, wen wollt ihr damit ansprechen?

Tim: Ich glaube es sind zwei Nischen: Künstler die noch nicht institutionell gebunden sind bzw. sein wollen und zum anderen eine Käuferzielgruppe, die nicht so viel Geld hat und noch nicht sammelt. Menschen, die sich eigentlich für Kunst interessieren, aber nicht in eine Galerie gehen, um dort Kunst zu kaufen, zumal das natürlich auch meist viel zu teuer ist. Dafür probieren wir einen Anreiz zu schaffen, in dem Aussteller zwei Werke für unter 1000 Euro anbieten. Damit Leute es sich leisten können mit dem Sammeln anzufangen.

Nele: Ziel ist es Künstlern und Künstlerinnen aus dem In- und Ausland zu zeigen, die nicht so präsent sind im Kunstbusiness genauso wie Off-Positionen, die man noch nicht so gesehen hat. Es soll eine Plattform entstehen, auf der man sich selbst präsentieren kann und nicht hinter einem Galeristen oder ähnlichem steht.

Halle farbe3 Neu   Kontrovers   Abenteuerlich: Die P/ART 13

Ausstellungshalle der P/ART, Foto: Oliver Decher

gallerytalk.net: Wie können sich Künstler bewerben und nach wem seid ihr auf der Suche?

Nele: Künstler schicken uns ihre Bewerbung  sowohl per Mail als auch per Post. Im Juni gibt es dann eine Jurysitzung, dazu gehören im Augenblick Belinda Grace Gardner (Autorin, Kuratorin, Dozentin HfbK und Leuphana Uni Lüneburg), Tilman Kriesel (Hamburger Sammler und kunstexperte), Clara Meister (freie Kuratorin) Michaela Mélian (Künstlerin und Professorin an der HfbK), Tobias Muno (Philosoph) und David Riedel (künstlerischer Leiter des Böckstiegel-Haus). Wie die Auswahl abläuft und was den Schwerpunkt ausmacht können wir noch nicht sagen, weil wir bei der Zusammenstellung der Jury darauf geachtet haben, dass ganz unterschiedliche Personen aus der Kunstwelt zusammenkommen und jeder seinen eigenen Drive, seine eigene Meinung mitbringt. Es soll ein großes Spektrum an Positionen geben.

Anna: Was auch noch wichtig ist, der Künstler muss sich nicht mit dem bewerben was er ausstellen will. Er muss mehr seine Handschrift präsentieren, nicht zuletzt damit auch ganz neue Werke zu sehen sind. Der Künstler darf eine Woche vor Messebeginn in die Halle. Den Platz, den er zugewiesen bekommt, kann er dann selber gestalten, was seine Präsentationsweise angeht.

Tim: Man kann  vor Ort produzieren, um im Raum Ideen zu verwirklichen. Wir sind auch offen für Visionen und unkonkrete Ideen, damit weitere Inhalte entstehen.

gallerytalk.net: Was glaubt ihr wird das Highlight für Besucher sein.

Tim: Das Wow-Erlebnis wenn man in die Halle kommt und die Ausstellungscubes sieht.

Anna: Der Aha-Effekt, wenn man die Hemmung verliert sich auf Kunst einzulassen.

Nele: Ich wünsche mir für den Besucher, dass er viel entdecken kann, in versteckten Ecken und Winkeln ungeahnte Positionen findet und die Besucher miteinander interagieren.

Halle farbe1 Neu   Kontrovers   Abenteuerlich: Die P/ART 13

Ausstellungshalle der P/ART 13, Foto: Oliver Decher

gallerytalk.net: Wie habt ihr euch als Team gefunden?

Anna: Wir haben alle zusammen in den Deichtorhallen Praktikum gemacht, in verschiedenen Bereichen. Tim hatte die Idee und hat dann mit uns gesprochen. Nele und ich waren angetan und wir wollten ein eigenes Projekt auf die Beine stellen, um zu sehen, wie weit man kommen kann. Dann sind wir zusammengewachsen und haben glaube ich gar nicht geahnt wie groß das alles wird. Nach und nach hat sich das Team vergrößert.

gallerytalk.net: Was macht die P/ART für euch aus und wann wäre es ein Erfolg?

Tim: Ich möchte gerne ein Projekt verwirklichen, in dem  Menschen zusammenarbeiten, die Kritik und Ideen äußern, um ihre Umwelt zu gestalten. Zusammen eine Plattform schaffen, die genau das präsentiert und an andere Menschen weitergibt. Nicht nur als kurzes Event, sondern auch Kontakt und Diskurs entstehen zu lassen. Im besten Fall mit einem Werk nach Hause zu gehen, an dem eine ganze Geschichte der P/ART klebt bzw. der ganzen Sache.

Nele: Wenn Leute auf uns zukommen und sagen es war ein Erlebnis. Eine Erfahrung die sie bereichert hat.

Anna: Wenn wir sagen können wir machen weiter. Es wäre toll, auch in den nächsten Jahren wieder eine Part zu veranstalten, wobei man natürlich sehen muss, dass das ein riesiger Kraftakt ist und auch schwer finanzierbar. Man wird sehen müssen, ob andere mit aufspringen. Ich denke auch dass Verkäufe insofern wichtig sind, als dass gerade auch die Künstler etwas davon haben müssen, die P/ART mitzugestalten.

gallerytalk.net: Die Gretchenfrage, wie finanziert ihr euch?

Tim: Wir wollen unbedingt nichtkommerziell bleiben. Deshalb finanzieren wir uns über Sponsoren, wenige Private, Crowdfunding und wir arbeiten daran auch öffentliche Gelder einzuwerben. Ansonsten wird es je nachdem wie viele Sponsoren wir bekommen ein geringes Eintrittsgeld geben.

gallerytalk.net: Können wir uns auch auf die Nächte freuen?

Alle: Ja!

Wir sind gespannt… Danke für die Antworten, wir freuen uns auf der P/ART 13 dabei zu sein!

PART GruppenbildSW2 Neu   Kontrovers   Abenteuerlich: Die P/ART 13

v.l.n.r.: Kristin Dierbach, Jana Federov, Robin Niklas Höke, Anna Seckler, Tim Theo Geissler, Nele Groeger, Foto: Oliver Decher

twitter Termine

4 Gedanken zu “Neu – Kontrovers – Abenteuerlich: Die P/ART 13

  1. Es ist großartig und bewundernswert, mit welchem Engagement diese jungen Leute aus ihren Lebenszusammenhängen heraus originelle Ideen entwickeln, wie engagiert sie ein wirklich neues Konzept erarbeiten und dann tatsächlich verwirklichen! Soviel Begeisterung für neue Kunst in der Gesellschaft – genau das ist es, was uns weiter bringt: Nicht nur quantitativ und in barer Münze …
    Ich hoffe, daß die PART13 ein großer Erfolg wird und werde rechtzeitig ein Hotelzimmer buchen …
    Ein Fan grüßt herzlich aus München!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>