Auf der Suche nach neuen Formaten und Institutionen in der Hamburger Kunstwelt stieß gallerytalk.net auf die Affordable Art Fair (AAF), die im November dieses Jahres erstmalig in Hamburg und in Deutschland überhaupt stattfinden wird. Um aus erster Hand mehr über die Messe zu erfahren wandten wir uns an Herrn Oliver Lähndorf, Direktor der Afforable Art Fair Hamburg.
(gt): Herr Lähndorf, das Konzept der AAF ist neu in Deutschland, worauf dürfen wir uns freuen?
(OL): Hochwertige, zeitgenössische Kunst bis 5.000 € in einem entspannten Rahmen zu genießen.
(gt): Warum haben Sie sich bei der Standortwahl gerade für Hamburg entschieden?
(OL): Da ich selbst Hanseat bin und seit Jahren den Standort Hamburg zu stärken versuche, fiel mir die Entscheidung natürlich leicht. Mit etwas Überzeugungsarbeit konnte ich auch die Ramsay Fairs Gruppe, die die Affordable Art Fair veranstaltet, vom Standort überzeugen. Hamburg hat großartige Künstler, sehr engagierte Galerien, viele bestehende Sammler und eine große Gruppe an kunstinteressierten Menschen, die bis jetzt jedoch noch keine Sammler im klassischen Sinne sind. Genau diese wollen wir an die Kunst heranführen und als zukünftige „Sammler“ zeitgenössicher Kunst gewinnen.
(gt): Sie sprechen Standortfaktoren Hamburgs an, nun muss man neidlos anerkennen, dass Berlin gegenüber Hamburg nach wie vor einen Schritt voraus ist, worin sehen Sie Defizite gegenüber der Hauptstadt?
(OL): Berlin hat sich in den letzten Jahren zu einem der bedeutendsten Kunstzentren der Welt entwickelt. Unsere Hauptstadt ist unkonventioneller und flexibler als Hamburg und bietet seinen Kunstschaffenden mehr Raum und bezahlbare Mieten. Veränderungen vollziehen sich in Hamburg langsamer, dafür aber solide. Allein die einzigartige Geschichte Berlins ‐ der Zwang sich nach dem Krieg und dann nach der Wende immer wieder neu erfinden zu müssen – hat Berlin zu einer wandlungsfähigen Stadt gemacht, die für Künstler und Kreative einen fruchtbaren Nährboden bereit stellt.
(gt): Werfen wir einen Blick auf die Kehrseite der Medaille welche Nachteile bergen diese strukturellen Unterschiede, die Hamburg als Chance wahrnehmen kann?
(OL): Auch wenn man den Spruch so langsam nicht mehr hören kann: Berlin ist zwar sexy aber arm. Hamburg bietet eine ganz andere Demographie – in Hamburg ist eine ganz andere Kaufkraft vorhanden. Außerdem platzt Berlin vor kulturellen Angeboten, wie es Richard Armstrong in der aktuellen Ausgabe der Monopol treffend formuliert hat. Ich freue mich auf die Affordable Art Fair hier in Hamburg und ich bin mir sicher, dass die Hamburger ein solches Event in ihrer eigenen Stadt tatkräftig unterstützen werden.
(gt): Um auf das beschriebene Messekonzept zurückzukommen, wie schlägt sich die internationale Ausrichtung der Veranstaltung auf die teilnehmenden Aussteller und Besucher nieder?
(OL): Aufgrund des großes Netzwerkes der Ramsay Fair Gruppe, welcher mittlerweile die größte Kunstmessegesellschaft der Welt gehört, können wir auf einen riesigen Pool von Galerien zurückgreifen. Ramsay Fairs veranstaltet neben der AAF, die allein an 18 Standorten weltweit stattfindet, auch die Pulse New York, Miami Beach, die Art Hong Kong und die noch junge India Art Fair. Der Anteil ausländischer Galerien wird bei ca. 35-‐40% liegen.
(gt): Wagen wir den Blick über Hamburg hinaus, welche der AAF ist derzeit die erfolgreichste gemessen an ihren Besucher und Umsatzzahlen?
(OL): Die erfolgreichste Messe ist mit Sicherheit die Messe in London, welche seit 1999 stattfindet. Aber auch eine sehr junge Messe wie die AAF in Singapur ist unglaublich erfolgreich, hier haben wir die extremsten Steigerungsraten.
(gt): Die jüngste TEFAF Studie lässt verlauten, dass China den USA die Vorrangstellung auf dem internationalen Kunstmarkt abgelaufen hat. Das neueste Messeprojekt der AAF schlägt die Brücke nach Indien, Neu Delhi, wird es bald auch in Fernost eine AAF geben?
(OL): Fernost ist definitiv auf dem Vormarsch. Die Ramsay Fairs Ltd. Gruppe hat bereits vor 3 Jahren die Art Hong Kong ins Leben gerufen. Selbige wurde 2011 zu 60% an die Art Basel verkauft. In Fernost wird es aber mit Sicherheit in der Zukunft neben der Art Hong Kong auch eine AAF geben.
(gt): Wir danken herzlich für das Interview und freuen uns auf den Messestart am 15. November in den Hamburger Messehallen, bis dahin wünschen wir viel Erfolg bei den Vorbereitungen.
Für das Interview bedankt sich Justus Duhnkrack, 10. April 2012







