Nrnberg

Eduardo Basualdo – The end of ending, in der PSM Gallery

Der Galerieraum als ideeler Raum mit jenen Bedeutungsschichten, die Brian O’Doherty 1976 unter dem Begriff „White Cube“ konkretisierte, erfährt spätestens seit den 60er Jahren immer wieder eine besondere künstlerische Behandlung und wird so zu einem konstitutiven Element der Kunstbetrachtung. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war beispielsweise Yves Kleins Installation Le Vide von 1958, bei der die Räume der Galerie Iris Clert gänzlich leer blieben, und so „Die Spezialisierung der Sensibilität im Urzustand als dauerhafte malerische Sensibilität” verkörperten, wie der Kunsthistoriker Pierre Restany den Titel der Ausstellung nachträglich umformulierte.
Die Bedeutung des Raumes und dessen Beziehung zu der in ihm gezeigten Kunst beschäftigten ebenso Martin Heidegger unter anderem in seinen Bemerkungen zu Kunst – Plastik – Raum. Heidegger übernimmt darin die bis in die Antike zurückreichende Unterscheidung zwischen Ort und Raum. Orte, welche Personen und Dingen zugesprochen werden, strukturieren und eröffnen dadurch erst den Raum als zugrundeliegende abstrakte Entität.

Basualdo the end of ending1 1024x737 Eduardo Basualdo   The end of ending, in der PSM Gallery

Installation View: Eduardo Basualdo, 2012, PSM Gallery Berlin

In diesem Kontext kann die derzeitige Einzelausstellung The end of ending des argentinischen Künstlers Eduardo Basualdo in der PSM Gallery als ein interessantes Herantasten an die Grenzen der beiden Begriffe Ort und Raum gelesen werden.

Die 450 m³ des Galerieraumes werden beinahe gänzlich von einem schwarzen amorphen Gebilde ausgefüllt. Dem Betreten der Galerie folgt unweigerlich ein Zögern; man muss sich zunächst an das alles vereinnahmende und verdrängende Wesen von Basualdos in mattem Schwarz lackierter Skulptur aus dünnem Metall gewöhnen. Schwer liegt sie auf dem Boden der Galerie und „verstopft“ den kompletten Raum bis zur Decke mit ihrer schwarzen Massigkeit. Man fragt sich zunächst, ob und wo man hier sein kann um dann festzustellen, dass die Situation das Umgehen des gesamten Objektes zwischen dessen Auswölbungen und Einbuchtungen gestattet. Der Besucher muss sich jenem für ihn einzig möglichen Raum, der übrig bleibt zwischen der äußeren Begrenzung des Dings und der inneren des Galerieraumes unterordnen, muss mal gebückt gehen und sich an manchen Stellen an die Galeriewand pressen um seinen Weg fortsetzten zu können.
Ein Gefühl des Unbehagens breitet sich aus. Man ist im selben Moment in der räumlichen Enge des Zwischenraumes ein-, gleichzeitig jedoch aus dem Zentrum des undurchdringbaren Objektes ausgeschlossen. Mittels The end of ending tritt Raum als etwas direkt Erfahrbares ins Bewusstsein. Jenes Erleben speist sich aus dem Gefühl der eigenen Bedrohtheit durch den Raum, dessen unheimlicher weil allumfassender Kontrolle man sich nicht entziehen kann.
Die Verweigerung der Skulptur bezüglich ihrer visuellen Erfassbarkeit durch den Besucher liegt in der gezwungen nahen Perspektive begründet, aus der heraus sich lediglich einzelne Fragmente vor dem Hintergrund des geheimnisvoll-überwältigenden Ganzen offenbaren.

Die Beschäftigung mit der Psychoanalyse, mit dem Element des Bedrohlichen, das sich in The end of ending eindrucksvoll über die Körpersinne transportiert, wirkt in vielen Arbeiten Basualdos. So waren auch die auf der abc gezeigten Arbeiten geprägt von einem Hauch des Irritierenden. Anleihen bei den Methoden der Surrealisten treten bei Basualdo prominent hervor, die die Logik konventioneller Narration beispielsweise durch Hinwendung zur Symbolsprache des Traumes eintauschten. Basualdos Objekte sind umgeben von einer Poetik eines labilen Scheins, der jeden Moment Gefahr läuft sich aufzulösen und ein darunterliegendes Unbekanntes hervortreten zu lassen. So war am abc-Stand der PSM Gallery unter anderem ein senkrecht in die Höhe stehendes Messer zu sehen, aus dessen Griff bei genauerem Hinsehen zwei Klingen hervortraten. Auf der Kante des benachbarten, sich bewegenden Podests hingegen balancierte ein gefülltes Wasserglas. Der Moment kurz vor dem Fall erstreckt sich endlos, Zeit und Kausalität lösen sich auf in diesem ewigen Zustand des Ungleichgewichts, während eine Auf- bzw. Erlösung in ungreifbare Ferne rückt.
Auch aus dem Augenblick der stets wiederkehrenden Angst vor der Apokalypse, die sich in The end of ending als schwarze Form verkörpert, scheint es kein Entkommen zu geben.

Time past and time future
What might have been and what has been
Point to one end, which is always present.
(T.S. Eliot – Excerpt from the poem Burnt Norton)

Eduardo Basualdo – The end of ending
Laufzeit: 11.9. – 20.10.2012

PSM Gallery
PSM Strassburger Strasse 6-8
10405 Berlin
www.psm-gallery.com

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