Nicht erst seit kurzem ist Ökologie als Thema des gesellschaftlich-medialen Diskurses auch in die zeitgenössische Kunst eingezogen. Es scheint jedoch derzeit kuratorisch gehäuft herausgegriffen zu werden. Ein Teil der auf der diesjährigen documenta gezeigten Arbeiten kreiste bereits um die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Bis vor kurzem lief zudem im Berliner Kolbe Museum die Gruppenausstellung BIOS – Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur.
Interessanterweise war an beiden Ausstellungen der 1973 geborene dänische Künstler Tue Greenfort beteiligt, der am Donnerstag den GASAG Kunstpreis 2012 verliehen bekommt. Dass die Wahl auf Greenfort fiel, begründet die Jury unter anderem damit, dass er einer jüngeren Künstlergeneration angehöre, die einen neuen ästhetischen Zugang zu ökologischen Themen eröffne.

Tue Greenfort, The Worldly House (An Archive Inspired by Donna Haraway’s Writings on Multi-Species Co-Evolution), 2012, Commissioned and produced by dOCUMENTA (13) © Tue Greenfort Foto: Nils Klinger
In der Kasseler Karlsaue war die Arbeit The Worldly House zu sehen, einem intermedialen Archiv, das sich mit der Beziehung zwischen Lebewesen unterschiedlicher Spezies beschäftigte. Sein Beitrag im Kolbe Museum mit dem Titel Closed Biosphere bestand hingegen aus Wasser, Bakterien und Algen, die sich in einer verschlossenen Plastikflasche zu einem Mikro-Ökosystem zusammenfanden. Greenforts eigenes Verständnis der Ökologie als ein „Systemmodel für soziale, ökonomische und kulturelle Phänomene und Zusammenhänge“ erweitert dabei den Interpretationsraum, in dem seine Arbeiten gelesen werden können, bis hin zu kulturellen Phänomenen wie der Rolle des Künstlers und letztlich der Kunst selbst.
Mit dem GASAG Kunstpreis ist eine Einzelausstellung in der Berlinischen Galerie verbunden. Die Konzeption der Ausstellung entfaltet sich zwischen unterschiedlichen Aspekten, die sowohl Bezüge zu Greenforts bisherigem Schaffen, dem Standort der Berlinischen Galerie sowie der GASAG herstellen.

Tue Greenfort, Fassadenbeleuchtung – Public Private Partnership, 2008 © Tue Greenfort, Courtesy Tue Greenfort und Johann König, Berlin Foto: Tue Greenfort
Den Fokus legte der Künstler diesmal auf die Beschäftigung mit den Materialien Glas und (Gas-) Licht, die bereits in einigen früheren Arbeiten thematisiert wurde. Der Bogen zur GASAG und deren Bedeutung für die Berliner Stadtbeleuchtung im 19. Und 20. Jahrhundert ist leicht gespannt. In den gezeigten Installationen werden beispielsweise historische Gaslaternen zum Einsatz kommen, die mit LED-Beleuchtung bestückt wurden. Damit stellt Greenfort die Frage nach dem Verhältnis unserer (romantisierenden) Sehgewohnheiten und dem zeitgenössischen Umweltbewusstsein, die ebenso eine aktuelle Rolle in der Stadtentwicklung von Greenforts Wahlheimatstadt Berlin spielt.
Die Preisverleihung sowie die Eröffnung der Ausstellung beginnt um 19 Uhr.
Tue Greenfort
GASAG Kunstpreis 2012
Laufzeit: 02.11. – 08.04.2013
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de
Quelle Fotos: Homepage der Berlinischen Galerie




