Ulf Aminde (bei Galerie Tanja Wagner) zeigte eine Video Installation unter dem Titel urban tai chi. Er gruppierte hierfür sieben hochkant gestellten Screens auf denen Loops unterschiedlicher Länge zu sehen waren.

Ulf Aminde: urban tai chi, 2010 - 2012. 7 channel video installation: SD video, colour, sound 00:11 - 02:59 min. Installation view // Quelle: www.tanjawagner.com
Gefilmt wurden sieben Personen im öffentlichen Raum. Was sie tun ist nicht ohne weiteres zu entziffern, denn die Filme flackern unscharf und geben keinen Hinweis auf eine Vorher oder Nachher. Die Unbestimmbarkeit wird durch die diversen Videolängen zusätzlich gestützt. Die Anfangszeiten der Wiederholungen verschieben sich, sodass eine Konstellation kein zweites Mal einstellt. Das seltsame Befinden wird mitunter dadurch ausgelöst, dass sich der Betrachter als Voyeur wiederfindet, der angestrengt herauszufinden versucht wer dort weshalb rauschhaft taumelt.
Die Personen befinden sich in einem Zwischendrin von Wachen und Schlafen; unter Drogeneinfluss und ermüdet, jedoch rastlos und nicht ruhend auf der Straße wankend. Sie sinken hin, drücken die Beine wieder durch, lassen die Köpfe baumeln. Sie stehen an beliebigen Stellen auf der Straße, in Richtung von Häuserwänden gewandt, an Blumenkübeln und sind nicht in der Lage in ihrem Zustand an einem alltäglichen Leben teilzunehmen, welches an ihnen in Form von Passanten vorbei zieht. Die sieben Protagonisten sind anonym, durch deren Zusammenstellung den Betrachter verunsichernd.
Was macht das Verstörende hier aus? Ist es die Tatsache um die Existenz jener selbstzerstörerischer Konsumenten, die uns hier so schonungslos vor die Augen geführt wird? Oder wird uns durch die Installation Bewusst gemacht, das diese sieben einen Teil der Gesellschaft repräsentieren, welcher sich explizit abkehrt von den alltäglichen Konsumenten, die auf unseren Straßen vorbeiziehen? Welcher Konsument ist der Unsichtbare, der Anonyme, der Unnahbare, der Bemitleidenswerte?
(Hier geht es zum Video der Installation)
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