Nürnberg

Review: Barba Rosa auf der abc 2012

Die Berliner Galerie Carlier Gebauer wartete mit Präsentationen von Kirsi Mikkola, Emily Wardill und der aus Italien stammenden Künstlerin Rosa Barba auf. Letztere beeindruckte bereits diesen Sommer bei einem Besuch im dänischen Louisiana-Museum of Modern Art mit ihrer Arbeit The Long Road von 2010. Bei dem 35mm Film handelt es sich um Aufnahmen einer ehemaligen Rennstrecke in der Kalifornischen Wüste. Die Luftaufnahmen des verlassenen Gebiets evozieren Assoziationen zu monumentalen Landart Projekten und bedienen sich darüber hinaus den Codes einer futuristischen Industrieästhetik, die ihre Anklänge in den Science Fiction Mythen der frühen Moderne finden.
Die materielle Präsenz des alten Projektors, der zentral im Raum platziert ist und durch seine lauten Betriebsgeräusche für den Sound der Installation sorgt, erhält dabei eine ähnlich starke Gewichtung wie der auf ihm abgespielte Film.

Auf der abc war eine Arbeit Rosa Barbas zu sehen, die sich ebenfalls aus der Beschäftigung mit dem Medium Film ergibt. Space-Length-Thought (2012) ist eine raffinierte Installation, die sich aus einem Projektor, einer Schreibmaschine und dem projizierten Bild zusammensetzt.

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Rosa Barba. Space-Length Thought, 2012, 16mm projector, 16-mm film, type-writer, Courtesy of the artist, carlier | gebauer, Berlin and Gió Marconi, Milan © VG Bild-Kunst, Rosa Barba

Während der weiße Filmstreifen im Zeitlupentempo durch den Projektor läuft, tippt die Schreibmaschine wie von Geisterhand gesteuert unablässig Buchstaben auf den Film, der zeitgleich an die Wand geworfen wird.
Auch in dieser Arbeit spielt die Präsenz des Projektors eine nicht unbedeutende Rolle. Im Zusammenhang mit dem projizierten Bild ergibt sich eine skulpturale Situation, deren Performativität sich aus dem physischen Schreibvorgang der Schreibmaschine speist. Auf einem niedrigen Podest platziert, zieht die Konstruktion aus Projektor und Schreibmaschine zunächst die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich und gewährt bereitwillig Einblicke in die Funktionsweise der Apparatur.
Die verwendete Technik ist gerade nicht in einen Schleier der Undurchdringbarkeit gehüllt. Explizit zur Schau gestellt, wird sie vielmehr zu einem konstitutiven Element des Werks.
Mit diesem Rückgriff auf eine analoge Technologie in Zeiten digitaler Bildproduktion wird das Medium Film sowie dessen historische Entwicklung thematisiert. Zugleich verwischt Barba hier die Grenze zwischen Film als Verbreitungsmedium bewegter Bilder und bildender Kunst, indem der Projektor selbst einen skulpturalen Wert innerhalb der Anordnung entwickelt.
Filmstreifen und Projektor verweisen zudem auf potentielle Filmbilder, die in Space-Length Thought jedoch ausgespart bleiben – das Licht des Projektors fällt durch den unbelichteten Filmstreifen und erscheint als weißes Rechteck an der Wand. Die Textualität des abwesenden Films wird durch den von der Schreibmaschine geschriebenen Text ersetzt, bei dem es sich um eine Art écriture automatique handelt. Scheinbar willkürlich gesetzte Lettern, deren Sinn sich nicht nur durch die stark verminderte Geschwindigkeit ihrer Abfolge entzieht, sondern die sich zudem jedweder grammatikalischen, semantischen und logischen Gesetzmäßigkeiten verweigern.
Das Raster des filmischen wie auch das des textualen Narrativs werden aufgesprengt mit dem Ergebnis, dass sich dessen Elemente Raum und Zeit zu den eigentlichen Reflexionsgegenständen von Space-Lenth-Thought entfalten.

http://rosabarba.com

Carlier Gebauer
Markgrafenstraße 67
10969 Berlin

http://www.carliergebauer.com

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