„Und alle so Ommmm“ von Jacqueline Klusik.
Ein Hauch von internationalem Kunstzirkus weht durch die weißen Räume der Kunsthalle Nürnberg. Zu Gast ist Charline von Heyl, eine Deutsche Künstlerin, die mittlerweile in namenhaften Ausstellungshäusern wie dem MoMa in New York vertreten ist. In Zusammenarbeit mit der Tate Liverpool können ihre Werke bis zum Ende dieses Monats betrachtet, bestaunt, bebogen und nicht zuletzt beurteilt werden.
Zum Betrachten gibt es 25 Werke aus den letzten 15 Jahren der Künstlerin, die noch bei Immendorf in die Schule gegangen ist und mittlerweile in New York lebt und arbeitet. Die großformatigen, annähernd quadratischen Gemälde spielen mit der Tiefe der flachen Leinwand und der Bewegung der starren, getrockneten Farbe.
Zum Bestaunen laden Arbeiten wie Hibou Habibi aus dem Jahr 2011 laden ein. Ein Musterspiel zwischen akkuraten Acryllinien und ekstatisch wild gezogenen Kohleschwüngen zieht den Blick in die Tiefe. Den Assoziationen sind hierbei keine Grenzen gesetzt.
Ihr bisheriges Werk erscheint heterogen, wobei sich das Verhältnis von akkuraten, geometrischen Streifen mit amorphen Formen häufig durchsetzt. Diese Werke sind in der Ausstellung auch die interessantesten. Hierbei ist besonders der Kontrast von bewusst gesetztem und kontrolliertem zum Eigenleben, das die Farbe entwickelt, interessant. Mit dem Pinsel kontrolliert die Künstlerin das dunkle Schwarz und zwingt es in Streifen. Derselben Farbe erlaubt sie jedoch auf der gleichen Leinwand zu zerfließen, sich zu verflüssigen und zu „wachsen“. Das sind die spannenden Momente in der Ausstellung. Leider wirkt die Hängung beliebig. Die weiß dominierten Werke gehen an den großen Wänden der Kunsthalle teilweise unter.

Dusty Dafni, 2011, Acryl auf Leinwand / Acrylic on linen Private collection / Privatsammlung; Courtesy of 1301PE Los Angeles Hibou Habibi, 2011, Acryl und Kohle auf Leinwand / Acrylic and charcoal on linen Sammlung / Collection of Christen & Derek Wilson Photos: Annette Kradisch, Nürnberg
Zum Biegen gibt es immer mal wieder etwas. Und an dieser Stelle spürt man den Einzug der Großstadt in die Frankenmetropole. Neben dem klassischen Führungsprogramm hat man sich an der Kunsthalle etwas ganz besonderes einfallen lassen. Genannt wird das ganze „art moves“ und gemeint ist damit ein die Ausstellung begleitender Yogakurs. In der Beschreibung heißt es: „Die abstrakten Gemälde und Grafiken Charline von Heyls sind Anlass für eine besondere Form der Kunstvermittlung, die Bewegung, Körpererfahrung und Entspannung mit Kunstgesprächen verbindet.“
Diese Verbindung kann man jeden Mittwoch jeweils 12.30–13.00 Uhr als Schnupperkurs bzw. Dienstag ab 18 Uhr für sich erproben. So neuartig und interessant diese Idee ist, degradiert es die Gemälde zu großflächigen Wandtapeten eines Fitnesstempels. Was die Werke am Ende mit fernöstlichen Meditationsübungen zu tun haben sollen, ist mir unerklärlich.

Black Stripe Mojo, 2009, Acryl und Öl auf Leinwand / Acrylic and oil on linen; Private collection, The Netherlands / Privatsammlung, Niederlande; Dusty Dafni, 2011, Acryl auf Leinwand / Acrylic on linen Private collection / Privatsammlung; Courtesy of 1301PE Los Angeles; Photos: Annette Kradisch, Nürnberg
Zum Beurteilen muss man dann nur noch selbst in die Ausstellung gehen. Für Fans realistischer Malerei ist sie eher nicht zu empfehlen. Für den schnellen Kunstgenuss zwischendurch ist die Ausstellung auch eher nicht geeignet. Man muss sich schon intensiv mit der Malweise von Heyls auseinandersetzten und sich auf die Materialität der Werke einlassen. Wer sich dann aber dem abstrakten Expressionismus in meditativer Weise hingeben kann, sollte sich aus dem Lotussitz lösen und den Sonnengruß auf später verschieben.
Die Ausstellung Charline von Heyl „Now or Else“ ist noch bis zum 30.09. in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen.
Dienstag bis Sonntag 10.00-18.00 Uhr; Mittwoch bis 20.00 Uhr; Montag geschlossen.




