POOL – Gruppenausstellung mit Künstlern/innen der arsprototo
Ausstellungsdauer: 19. Juli – Anfang September 2012
Bilder einer fiktiven Welt: Wer sich über das künstlerische Profil der „Galerie Bunsen & Götz“ – so heißt „arsprototo – Die Galerie für zeitgenössische Kunst“ ab kommendem Herbst – informieren will, hat jetzt Gelegenheit dazu. In ihrer Sommerausstellung präsentiert sie Werke aller 17 Künstler und Künstlerinnen, die zu ihrem Programm gehören.
Die beiden Galeristen Ulrike Götz und Jan Thorleiv Bunsen, die künftig, aus Gründen der internationalen Konvenienz, mit ihren Namen firmieren wollen, haben nach tastenden Anfängen in den letzten Jahren zu einem eigenständigen Profil gefunden: eine Malerei, die sich nicht mehr auf die Vorbilder der klassischen Moderne beruft und zugleich damit beschäftigt ist, die Grenzen der Gattung zu erweitern.
http://www.ars-pro-toto.net/ausstellung.php
Oberfläche des Bildes
Eine stilistische Übereinkunft ist damit nicht gemeint. Der Zusammenhang zwischen den 45 Arbeiten der Ausstellung besteht vor allem in der Betonung des Gegenständlichen im weiteren Sinn des Begriffs. Gegenstand ist die jeweils individuell begründete Wahrnehmung der Welt und die experimentelle Entwicklung einer der Vorstellung kongruenten Malerei.Was gesehen wurde und zu sehen ist, soll auch auf der optischen Oberfläche des Bildes zum Gegenstand werden.
Neue Virtuosität
Zu den Akten gelegt wird von den meist um die 40 Jahre alten Künstler und Künstlerinnen die Ideen-Kunst mit ihrem von Ausstellungskuratoren noch immer gepflegten Leitmotiv „Kunst ist, was man nicht sieht.“ Vielmehr geht es hier ganz ostentativ um das Sichtbare, auch darum, eine neue malerische Virtuosität zu begründen, die technische Möglichkeiten der Malerei nicht minimalistisch verleugnet, sondern erweitert: durch Improvisation und Spontaneität.Landschaft und Figur spielen als Motiv eine wichtige Rolle, schließlich gehören sie zum Grundbestand unserer Wahrnehmung von Welt. Aber die Landschaft erscheint nicht mehr als paradiesische Gegenwelt, sondern als wandelbare Menschenwelt. Der Mensch tritt als anonyme Figur auf, sei es als Zuschauer, sei es als mythisches Relikt oder als Akteur in einer Comic-Welt, die ja längst eine eigene Mythologie hervorgebracht hat.
Formale Offenheit
Die Bilder erzählen von fiktiven Alltagswelten, auch dann, wenn sie vorwiegend abstrakt erscheinen. Diese formale Offenheit trifft nicht zuletzt auf die plastischen Arbeiten zu, die sich problemlos in Installationen verwandeln lassen. Das philosophische Erbe der Concept-Kunst überlebt nur darin, dass die alten Gewissheiten der Wahrnehmung abgelegt sind. „Das Ganze ist das Wahre“, hat Hegel mal behauptet. Das gilt nicht mehr. Das Wahre, wenn überhaupt, sind die Einzelheiten.
Gruppenausstellung: „Pool“. Galerie arsprototo, Henkestraße 66. Bis Anfang September, Mi. bis Fr. 15 – 20 Uhr, Sa. 11 – 16 Uhr.
© Kurt Jauslin, Erlanger Nachrichten, 2.8.2012





