Kunst kaufen kostet. Kunst ausstellen auch. Insbesondere wenn’s gut sein soll. Da hilft es nicht selten, dem Geld zu folgen. Das führt nach Frankfurt. Dort finden sich immer wieder großartige Menschen, die ordentlich Kröten investieren und damit tolle Ausstellungen ermöglichen. Vier davon sollte man gesehen haben, eine kann man sich sparen. Ein kleiner Einblick:
„Fotgrafie Total. Werke aus der Sammlung des MMK“ im Museum für Moderne Kunst
Fotos-Gucken im MMK wird in diesem Sommer zum Besuch bei alten Freunden. Man kennt sich. Der Reiz des Neuen ist verpufft, der Glanz aber noch lange nicht ab. Thomas Demand, Jeff Wall, Thomas Ruff – der „Das-kenn-ich-doch“-Moment ist ständiger Begleiter auf dem Weg durch die Ausstellung. Fühlt sich gut an.
Natürlich zeigt das MMK seinen Besuchern auch Neues. Im Fokus steht konzeptionelle und Reportage-Fotografie. Einen besseren Kontext hätte man für die erstmalige Präsentation der Serie „At War“ von Anja Niedringhaus nicht wählen können. 60 Fotografien erzählen auf bestürzende Art und Weise von den Menschen in Kriegsebieten.
„Fotografie Total“ setzt bekannte Werke neben Neuerwerbungen in einen frischen Kontext. Durch die Integration von Videoinstallationen, wie der Film „Commission“ des Niederländers Erik van Lieshout, eine Analyse der Dynamik der Märkte angesiedelt zwischen sozialkritisch und humorvoll, eröffnet die Ausstellung die Perspektive auf einen erweiterten Fotografiebegriff.
„Jeff Koons“ – Statuen im Liebighaus, Gemälde in der Schirnkunsthalle
An einem Mann kommt man in Frankfurt dieser Tage nicht vorbei: der U.S. amerikanische Künstler Jeff Koons hat Frankfurts Plakat-Flächen seit Wochen fest in der Hand. Nicht ohne Grund. Koons ist mehr als der „Ü-18“ Raum in der Schirn, in dem Gemälde hängen, die ihn und seine damalige Partnerin, Porno-Darstellerin und später Politikerin Ilona Staller, beim Sex zeigen.
Koons ist Spaß. Koons ist Mainstreem in Pop-Art verpackt ins Museum gestellt oder gehängt. Koons glitzert, macht an oder stößt ab – egal sein kann er einem irgendwie nicht. So einen übergroßen, glänzenden Seemann Popeye muss man sich nicht für’s heimische Wohnzimmer wünschen. Koons Kunst ein entspannt physisches Erlebnis im Gegensatz zu abstrakter Konzeptkunst. Kann man genießen.

Jeff Koons The Sculptor Ausstellungsansicht © Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt Foto: Norbert Miguletz
Und wer mit kitschigen Zitaten an die Popkultur nichts anzufangen weiß, muss jedenfalls anerkennen, dass es ein hohes Maß an Perfektion bedarf aus Zentner schwerem Stahl täuschend echte „Badetiere“ zu formen. Und er muss anerkennen, dass der intime Rahmen des Liebighauses eine spannende Kulisse für den Dialog zwischen antiken, mittelalterlichen oder barocken Exponaten und „Ikonen des Edelkitschs und der puren Oberflächlichkeit“ (Danke, M. Hierholzer, FAZ) darstellt.
„Kunste zur Text“ in der Schirn Kunsthalle
Es kann nicht immer die Sonne scheinen. Michael Riedel heißt der Künstler, dessen Retrospektive in der Schirn zu sehen ist. Viel weiß, leer, bisschen schwarz und ein Applecomputer. Vorallem eine Menge Text. Damit erfüllen sich jedenfalls vom Ausstellungstitel geweckte Erwartungen. Das geschriebene Wort ist Ausgangspunkt für Riedles Kunst.
Text wird zusammen gestrichen. Einzelne Wörter, die als Worte einmal Sinn stifteten werden auseinander gerissen, zum Beispiel alphabetisch geordnet, und dann auf Leinwand & Co. neu sortiert. Das ist manchmal witzig, stets ästhetisch und toll anzuschauen. Reproduktion heißt die Riedelsche Guillotine, die über all den verschriftlichten Geistesblitzen hängt, wenn die sich nicht bei drei auf irgendwelche Bäume verkrümelt haben.

Michael Riedel Kunste zur Text Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt Foto: Norbert Miguletz
Wiederholung kann man das nennen und vom Stöckchen geht es zum Steinchen und schließlich zum Künstler gefangen im Kunstapparat. Oder man fragt sich, ob ein Text ins Unleserliche vom Inhalt befreit, vielleicht seinen Wert verliert. Riedel hat für seine Ausstellung auch die Wände der vorangegangenen Munch Ausstellung verwendet. Überklebt. Sieht man auch noch. Ganz schön selbstbewusst so eine Reproduktion.
“Malerei in Fotografie. Strategien der Aneignung” im Städel Museum
Fotografie bezieht sich auf Fotografie und Malerei bezieht sich auf Malerei. Das ist Quatsch und das zweifelt auch schon lange keiner mehr an. Was der Fotoapparat den klassischen Kunstformen angetan hat, ist schon vieler Orts diskutiert worden. Im Städel kann man jetzt bestens sehen, dass die Malerei auch schon öfters im Foto-Metier gewütet hat. Für diesen Aneignungsprozess gibt es ganz verschiedene Ansätze. Malerei kann wie bei Louise Lawler zum Gegenstand von Fotografie werden. Andere Foto-Künstler betätigen sich malerisch an ihren Werken. Oder ein Foto wird ein Zitat an die Malerei.
Jeff Wall hat Manets Bar in den Folies Bergère nachgestellt. Doch sein Bild nach kunsthistorischem Vorbild ist Fiktion. Der Betrachter steht der “Barfrau” gegenüber, doch er sieht, was die Kamera im Hintergrund des Bildes ihm gewährt: ein Spiegelbild, doch nicht das eigene. Kein Mensch hat jemals wirklich gesehen, was diese Fotografie abbildet. Rechts im Bild drückt Wall den Auslöser der mittig platzierten Kamera. Ein fotografischer Blick auf die Welt ist eröffnet.

Jeff Wall (*1946) Picture for Women, 1979 Großbilddia in Leuchtkasten, 142,5 x 204,5 cm Courtesy of the artist © Courtesy of the artist
Das ist nur eine der vielen Schnitzereien die Hiroshi Sugimoto, John Baldessari, Otto Steinert, Wolfgang Tillmanns, Thomas Ruff und viele Weitere sich ausgedacht haben. Das Städel hat sie auf großartige Art und Weise zusammen gebracht.






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