Derzeit stellt Florian Baudrexel (*1968, lebt in Berlin) im Kunstverein Hamburg aus. Seine Rauminstallation nimmt im Erdgeschoss die hintere Halle ein. Neben einer Reliefarbeit an der Stirnseite des Raumes beansprucht vornehmlich die große in sich geschlossene Raumkonstruktion “Kneeling Window” die Weitläufigkeit der Halle und spielt mit den Gegensätzen von Innen- und Außenraumwahrnehung. Die Installation ragt keilförmig in den Raum hinein und erinnert von außen mit ihrer glatten weißen Oberfläche an eine Festung, die jedoch in ihren Konturen teilweise nicht ganz von der (weißen) Würfelartigen Raumästhetik abzugrenzen ist und dennoch imposant und mächtig wirkt.

Florian Baudrexel, Kneeling Window, 2012 Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012 Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Courtesy Linn Lühn, Düsseldorf VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Im Gegensatz zu dieser äußeren Wahrnehmung erzeugt Baudrexel  durch seine Installation einen davon unabhängigen Innenraum, bei dem ein ganz anderes Gefühl entsteht, wenn man sich durch den Säuleneingang ins Innere begibt. Die erste wahrnehmbare Veränderung ist akustischer Natur. Durch die bis auf den schmalen Eingang geschlossene Installation verblasst der Lärmpegel der städtischen Infrastruktur und der Hall der Schritte ist mit einem Mal gedämpft. Durch die vorwiegend verwendeten Baumaterialien Pappe und Styropor stellt sich gleichzeitig eine veränderte Geruchswahrnehmung ein, die auf die Raumwahrnehmung erheblichen Einfluss hat. Beide Komponenten tragen maßgeblich zum Gefühl des Eintauchens in eine eigenständige Welt bei. In optischer Hinsicht fällt auf, dass wenn der Blick vom Eingang in den hinteren Raum der im Grundriss dreieckigen Konstruktion schweifet, die Farbvielfalt graduell zunimmt. Sind die Baumaterialien anfangs noch naturbelassen, sind sie anschließend weiß gefärbt und verwandeln  sich an der Stirnseite der Installation in zurückhaltende Farbflächen. Durch die unterschiedliche Beleuchtung durch Raumlicht und Neonröhre entsteht eine Abstufung von Kälte zu Wärme.

Florian Baudrexel, Kneeling Window, 2012 Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012 Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Courtesy Linn Lühn, Düsseldorf VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Die von den Wänden herausragenden Winkel und überlappenden Elemente erzeugen Nischen und Winkel, die bei einer Begehung zu eigenen abgrenzbaren Räumen werden. Die überlappenden Wandelemente bilden teilweise schwer zugängliche Nischen, in denen man Zuflucht und Geborgenheit finden kann. Die verspielte Konstruktion zeigt mit seinen Flächen, Ecken, Kanten und Spitzen verschiedene geometrische Formen, die auch durch ihre Höhe mitunter an höhlenartige Gesteinsformationen erinnern.

Florian Baudrexel, Kneeling Window, 2012 Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012 Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Courtesy Linn Lühn, Düsseldorf VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Die Ausstellung ist noch bis zum 2. September im Kunstverein Hamburg am Klosterwall 23 zu sehen.




