Nürnberg

Florian Baudrexel im Kunstverein

Vom 23. Juni bis 2. September stellt der Kunstverein Hamburg in seinen Räumlichkeiten Florian Baudrexel aus. Die Eröffnung findet am Freitag, den 22. Juni um 19 Uhr statt.

Baudrexel 1 Florian Baudrexel im Kunstverein
Florian Baudrexel, Installation Infant, 2007 und Skulptur Fomal, 2007 Pappe, ca. 500 x 700 x 250 cm und Gips auf Styropor/ Neopor, 170 x 58 x 82 cm Installationsansicht „Neuer Konstruktivismus“ Bielefelder Kunstverein, 2007 VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Florian Baudrexel (*1968, lebt in Berlin) entwickelt für seine Einzelausstellung im Erdgeschossraum des Kunstvereins zwei unterschiedliche Raumkonzepte: einen Raum der Leere, der in schrägen Wänden zurückweicht und wenig Anhaltspunkte bietet – sowohl im Sinne eines physischen Erlebens als auch eines phänomenalen Sehens –, und einen Raum der Fülle, der in sein eigenes Zentrum dringt und die Trennung zwischen begrenzender Hülle und Raum auflöst. Der Übergang zwischen beiden ist angelehnt an ein menschliches Gesicht, durch dessen Mund die Besucher wie Luft ein- und ausströmen. Ein Innen- und ein Außenraum, Leere und Dichte, Kühle und vermutlich Wärme – eine Dialektik, die auf der Beto- nung von Form basiert. Der Außenraum ist der klassisch sich Zurückhaltende mit den vermeintlich un- auffälligen Formen, während der Innenraum sich skulptural in den Vordergrund drängt. Dieser gegensätzliche Moment sollte aber natürlich keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass beide bewusst so gestaltet werden, um ihren Gegensatz auszubilden.

Das Formale fällt auf, die Abstraktion, das Kompositorische, aber auch – oder gerade deshalb – das Spielerische, mit dem sich die Skulptur entwickelt hat. Als solche ist übrigens die gesamte Ausstellung zu sehen, denn der Künstler arbeitet am Modell und seine kleinformatigen Skulpturen erinnern an Mo- delle. Ein Element, das vielfach in der Architektur zum Einsatz kommt und damit auch der Raumgestal- tung, die den Rückzug auf das Bild an der Wand oder das Objekt ablehnt und lieber größere Zusammenhänge sieht.

Das Modell seinerseits ist wieder Anhaltspunkt, ein Stilmittel vielleicht, aus dem sich die Arbeit letzten Endes entwickelt. Und hier eben ist sie spielerisch. Wenig ist bis ins Detail geplant, die wesentlichen Entscheidungen fallen im Prozess – und könnten auch anders gefällt worden sein. Gestaltung ist das Stichwort, an dem man sich hier abarbeiten kann. Was also passiert mit diesen Räumen und was passiert mit dem Betrachter, wenn er ein- und ausströmt, fließt und gelenkt wird, womöglich aneckt an einem Winkel der Skulptur und umgelenkt wird?

Alles ist gestaltet, hat seinen Zweck, trägt Unmengen von Überlegungen in sich – viele wohlmeinend, manches Mal gar pädagogisch entwickelt – und dennoch ist nur weniges durchdacht. Und damit auch nur halb gestaltet. Es bedarf der Aufmerksamkeit – und die hat wenig mit dem Ausschluss von Zufällig- keiten zu tun, sondern mit Reaktion. Und hier ist die Skulptur dann vermutlich klar im Vorteil, denn Notwendigkeiten hat sie eigentlich keine – außer vielleicht die Abmaße 200 qm, keine Fenster, Decken- höhe 4,30m – und die kann man alle verändern – durch Gestaltung eben.

Quelle: Kunstverein

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