Die jüngsten Werke Cristoph Lohmanns, die aktuell noch bis zum 23.06.2012 in der Tanja Pol Galerie ausgestellt sind, rufen drei Assoziationskomponenten im Betrachter hervor: die Technische, die Häusliche und die Kindliche.
Zunächst erscheinen die Motive wie Puppen, die im kindlichen Bereich eingeordnet werden können. Weiterhin können sie mit dem Bereich des Häuslichen verbunden werden, der durch ein schutzbietendes zivilisiertes Raumgebilde sowie durch den weiblich dominierten Haushalt und die Pflege ebendiesen gekennzeichnet ist. Die Verbindung taucht nicht zuletzt deshalb auf, weil der stoffliche Bezug augenscheinlich ist. Denn die unterschiedlichen Linien und Farbigkeiten der Bilder fügen sich zu einem Muster, das an zusammengenähte Stoffflicken erinnert (Eagle (german), 2012, Öl auf Leinwand, 210x230cm, TPG LOH 04998). Damit wird zudem eine handwerklich-weibliche Assoziation hervorgerufen.
Doch die überwiegend in den Farben violett, rosa, blau, gelb, orange und grün gehaltene Strichführung erscheint bei näherem Betrachten nicht mehr rein plakativ. Es eröffnet sich eine weitere Ebene, indem die Striche im Vordergrund kräftig leuchtend und im Hintergrund eher pastellfarben sind. Das zeigt auf, dass es sich nicht zwingend um Stofffetzen handelt, sondern die Figuren auch aus Gitternetzen bestehen könnten. Durch die nun erkennbare Durchlässigkeit löst sich die klar umrissene eindimensionale Figurvorderseite auf und die Rückseite der abgebildeten Objekte ist zu erahnen, wie beispielsweise bei dem Bild „Bodybuilder (captain), 2012, Öl auf Leinwand, 240x180cm, TPG LOH 05005“.
Mögen die Zwischenräume nun mit Stoff bezogen sein oder nicht, der Innenraum erscheint hohl. Und so sind die Motive trotz ihrer teilweisen Ähnlichkeit zum menschlichen Körper ohne Materie. Vielmehr sind sie mit aus Draht geformten und aus vielen Einzelteilen bestehenden Strichskeletten vergleichbar, die roboterartig ihre Hände ausstrecken, wie es „A big hello, 2012, Öl auf Leinwand, 44x36cm, TPG LOH 05015“ grüßenderweise unternimmt. Hier eröffnet sich erstmals die technische Komponente.
So auch bei „In the studio (knight), 2012, Öl auf Leinwand, 44x36cm“. Wie der Titel bereits zu verstehen gibt, stellt die abgebildete Figur einen Ritter dar. Seine Rüstung ist abermals eine Hülle, ein zusammengesetztes Gestell, das durch technische Errungenschaften geschaffen wurde. Weiterhin sind Ritter Sinnbild für den Schutz der häuslichen Sphäre, die früher nur durch die Absicherung nach Außen aufrecht erhalten werden konnte. Heute noch spielen Kinder mit kleinen Ritterspielzeugfiguren oder verkleiden sich als Ritter, was die kindliche Komponente der Werke Christoph Lohmanns betrifft.
Ein besonders fesselndes Werk ist „Rubbish dump (sorted), 2012, Öl auf Leinwand, 240x180cm, TPG LOH 05000“. Hat man sich zunächst nur auf die stoffliche und spielerische Idee eingelassen hat, so erinnert esan zu einer Pyramide gestapelte Bauklötze. Als Pendant zu Lohmanns „Spider (sculpture), 2012, Öl auf Leinwand, 64x96cm, TPG LOH 05002“, das eine der „Maman“ von Louise Bourgois sehr ähnliche Riesenspinne zeigt, kommt der Stapel einem jedoch vor, wie die personifizierten Totems aus Stoffquardern der berühmten Künstlerin, deren Werke gerade in Hamburg zu sehen sind. Dennoch könnte es ebenso gut ein Hochhaus darstellen und somit im weiteren Sinne auf Zivilisation und die damit verbundene Häuslichkeit und Technik verweisen.
Die Interpretation ist zwar jedem selbst überlassen, doch ist interessant zu sehen, wie sich diese drei Komponenten im Werk des Künstlers zu wiederholen scheinen.










