Die Galerie Max Hetzler zeigt noch bis zum 16.Juni die zweite Einzelausstellung der britischen Bildhauerin Rebecca Warren. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf acht totemähnlichen Bronzeskulpturen, die in der Weite des Galerieraumes verteilt schlank in die Höhe ragen. Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, ob es sich bei den über zwei Meter hohen Arbeiten um abstrakte Formen oder figurative Darstellungen handelt. Bei näherem Betrachten treten dann jedoch die deutlich herausgearbeiteten weiblichen Attribute der Figuren hervor, die durchaus an manchen Stellen die Grenze des Grotesken berühren.

Rebecca Warren, installation view, Galerie Max Hetzler, 2012, Photo: def image Courtesy the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin
Warrens Arbeiten verhehlen keineswegs die Einflüsse bedeutender Bildhauer des 20. Jahrhunderts, die sich in den Schaffensprozess der Künstlerin einfügen und als wiederkehrende Zitate in den Werken erkennbar sind. Unweigerlich kommt beispielsweise die Feingliedrigkeit der Figuren Giacomettis in den Sinn. Ebenso denkt man an die Monumentalität und Oberflächenbewegtheit Rodins, wobei Warren die Modellierung ihrer Figuren bewusst ins Extreme treibt. Intensiviert durch die pastellfarbige Bemahlung bleibt die Atelierarbeit der Künstlerin am Ton, die dem Bronzeguss voran geht, so durchweg spürbar.
Die eigene Verortung Warrens in die Riege männlicher Künstler könnte in Kombination mit der Überzeichnung und bewussten Verzerrung des weiblichen Schönheitsideals leicht zur aggressiven emanzipatorischen Anklage geraten. Die Künstlerin schafft es jedoch, mittels humoristisch anmutenden Details wie beispielsweise Haarschleifen, eine Leichtigkeit der Figuren sowie die Offenheit der künstlerischen Aussage zu erhalten – eine Einladung an den Betrachter, diese Themen mittels der Werke weiter zu erforschen.
Ebenso werden durch die gezeigten Arbeiten Fragen nach musealer Präsentation sowie der Authentizität von Kunstwerken gestellt. So sind die Plinthen, auf denen die Figuren stehen teilweise farbig getönt und außerdem explizit in der Beschreibung der Arbeiten erwähnt. Auch mit den drei gezeigten Vitrinenarbeiten negiert Warren museale Konventionen, indem sie deren Inhalt – Zusammenstellungen gefundener Gegenstände – im Zuge scheinbarer Beliebigkeit sowohl in als auch außerhalb der Vitrinen verteilt.

Rebecca Warren, installation view, Galerie Max Hetzler, 2012, Photo: def image Courtesy the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin
Rebecca Warren
27.04. – 16.06.2012
Galerie Max Hetzler
Oudenarder Straße 16-20
13347 Berlin
DI bis SA 11:00 – 18:00





