Nürnberg

Absolventenausstellung der HfbK Hamburg 2012

Vom 24. bis 26. Februar 2012 konnte in den Gebäuden der Hochschule für bildende Kunst Hamburg die diesjährige Absolventenausstellung in Augenschein genommen werden. Insgesamt 36 Studierende au

s den Semestern SS 2011 und WS 2012 waren mit Beiträgen aller universitären Schwerpunkte vertreten. Das Rahmenprogramm wusste neben einer gelungenen Ausstellungseröffnung mit der Verleihung des Karl H. Dietz Preises durch die Jury sowie diverse Performances der Absolventen zu überzeugen.

Unter den vielen abwechslungsreich gestalteten Arbeiten soll in diesem Review eine Auswahl von besonders auffälligen Werken verschiedener Medien besprochen werden.

Christin Kaiser im Schwerpunkt Malerei/Zeichnen wusste durch eine anregende Installation aus stoffüberzogenen Holzkuben in blauem Wasser zu überzeugen. Die Perspektive des Betrachters vom kleinen stählernen Steg, der in den Raum ragte, war die Fernsicht einer Insel der erwähnten Kuben in Vitrinen ähnlich angeordneter Architektur, umgeben vom giftig blauen Ozean. Durch den vorgegebenen Betrachtungsausschnitt vom Steg in den Raum durchläuft die Installation eine Wirkungsentwicklung von einer Skulptur zu einem statischen Bild.

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Christin Kaiser, Souvenir, Foto: Justus Duhnkrack

In ihrer Abschlussarbeit ging es der Künstlerin vor allem um die Symbolik der Insel mit ihren positiven wie negativen Assoziationen. Eine Insel ist eine Landschaftsform, bei der Festland von Wasser umgeben ist. Ungeachtet der verschiedenen Ausprägungen des Übergangs zwischen Sandküste und Klippen handelt es sich immer um einen Ort, der dem Menschen ein Leben in einer gewissen Vereinzelung beschert.  Im Vordergrund der Symbolkraft der Insel steht die Einsamkeit, die jedoch sowohl positiv wie negativ belegt sein kann. Während sich viele Menschen vor der Überforderung des Alltäglichen von Sehnsucht und Reiselust (siehe Wanderstock) getrieben auf eine Insel retten wollen, um Ruhe zu finden, verbinden andere Isolation und Langweile mit der Aussicht auf Einsamkeit. Dies lässt sich auch darauf zurückführen, dass jede Insel notwendigerweise von einer unsteten Bedrohung des Meeres umgeben ist, in der Installation angedeutet durch die farblich abweichenden unregelmäßigen Farbflächen auf dem Wasser.

“Von neuerwachten Welten” betitelt Johanna Tiedke ihre Abschlussarbeit im Schwerpunkt Malerei und Zeichnen. Von einem Baum und träumerischer Landschaft umgeben ist im Bildzentrum eine undefinierte konturenlose Collage aus verschiedenen Paradieserinnerungen zu sehen. Solche Erinnerungen wurden zerrissen, eingescannt, verpixelt, teils gemalt und wieder zusammengesetzt, bis eine formenlose Wolke von Fantasie und Traum geschaffen war.

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Johanna Tiedke, Von neuerwachten Welten, Quelle: Künstlerin
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Johanna Tiedtke, Von neuerwachten Welten (Raumansicht, Quelle: Künstlerin
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Johanna Tiedtke, Von neuerwachten Welten, Quelle: Künstlerin

Themen einer von Vorstellung und Sehnsucht durchdrungenen Paradieswelt können Fragen nach dem Ursprung, dem Moment, verlorenen Zuständen und der Zeit sein. Sich selber im Paradies vorzufinden ist dann möglich wenn man im gleichformatigen gegenüberliegenden Spiegel den eigenen Körper in der Spiegelung des Paradies erscheinen sieht. In der Symbiose der Gegensätze der beiden Werke findet sich so dann jeder Einzelne (das Individuum) in der von Unendlichkeit umgebenen Mitte wieder. Komplettiert wird die Komposition durch den eigens für die Ausstellung gestalteten Boden, der sich als Zitat an eine Kapelle in Padua anlehnt.

Sung-Won Moon ist zur Zeit auch in der Sammlung Flackenberg zu sehen. In der Absolventenausstellung wusste auch seine filmische Arbeit “Yaho / Hallo” zu gefallen, in der das Thema genauso einfach wie gehaltvoll ist. Die Grenzwanderung zwischen zwei Welten, zweier verschiedener Kulturen, mit zwei verschiedenen sozialen Umfeldern und zwei verschiedenen Sprachen geht nicht spurlos am Menschen vorbei. Das ständige Pendeln zwischen seiner Heimat Südkorea und Deutschland veranlasst Moon dazu dem Betrachter in Deutschland das Pendent zum hiesigen “Hallo” entgegenzubrüllen. Die Begrüßungsformel “Yaho” kann im südkoreanischen Sprachgebrauch jedoch auch in Form einer Frage gebraucht werden “ist da jemand?”.

Sung-Won Moon ist zur Zeit auch in der Sammlung Falckenberg zu sehen. In der Absolventenausstellung wusste auch seine filmische Arbeit “Yaho / Hallo” zu gefallen, in der das Thema genauso einfach wie gehaltvoll ist.

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Sung-Won Moon, Yaho, Foto: Justus Duhnkrack

Die Grenzwanderung zwischen zwei Welten, zweier verschiedener Kulturen, mit zwei verschiedenen sozialen Umfeldern und zwei verschiedenen Sprachen geht nicht spurlos am Menschen vorbei. Das ständige Pendeln zwischen seiner Heimat Südkorea und Deutschland veranlasst Moon dazu dem Betrachter in Deutschland das Pendant zum hiesigen “Hallo” entgegenzubrüllen.

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Sung-Won Moon, Yaho, Foto: Justus Duhnkrack
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Sung-Won Moon, Yaho, Foto: Justus Duhnkrack

Die Begrüßungsformel “Yaho” kann im südkoreanischen Sprachgebrauch jedoch auch in Form einer Frage gebraucht werden “ist da jemand?”. In der sichtlich anstrengenden Wiederholung des Yaho-Rufs präsentiert Moon dem Betrachter eine Vielfalt von ehrlichen Emotionen in seinen Gesichtszügen. Seine Traurigkeit und Sehnsucht nach dem Heimatland weicht auch dann nicht aus seinem Gesicht, wenn er nach dem Rufen versucht ein ausdruckloses Gesicht zu bewahren. Regelmäßig sieht man wie Moon einen “Klos” hinunterschluckt und uns so verstärkt durch seine angedeutete Nacktheit tiefe Einblicke in seine Intimsphäre gewährt.

Der mit 10.000 € dotierte Karl H. Dietz Preis wurde an Victor Orozco Ramirez verliehen. In der Begründung der Jury wird dazu ausgeführt: “In seinem Animationsfilm »Reality 2.0« wirft Victor Orozco einen Blick zurück auf seine Heimat Mexiko, der zwischen Sehnsucht und Schrecken schwankt. Die nahezu poetischen Bilder der Gewaltexzesse einer von Drogenkriegen erschütterten Gesellschaft verhalten sich bewusst anachronistisch und gegensätzlich zur Bildproduktion der elektronischen Medien. Über die animierten Zeichnungen wird eine ästhetische Distanz erzeugt, die eine emotionale Annäherung jenseits von Schock und Zynismus möglich macht. So appellieren die filmischen Bilder an eine Menschlichkeit, die der kühl analysierende Kommentar längst aufgegeben hat.”

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