Abstrakte Kunst, wie sie Ellsworth Kelly auf hohem Niveau beherrscht, entwickelt sich grundsätzlich indem konkrete Dinge Stück für Stück bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert werden. So wird der Besucher zu Beginn der Ausstellung auch darauf hingewiesen, dass Fotografien von alltäglichen Szenarien, wie Häuserdächer, Fenster oder Landschaftszüge, als Inspirationsquelle für die schwarz-weißen überdimensionalen Arbeiten dienen.
Ellsworth Kelly, „Broken Window, Paris 1978“; Silver gelatin print, 11 x 14 inches (27.9 x 35.6 cm); Collection of the artist, Photo © the artist
Erstaunlicherweise ist das Duett von Schwarz und Weiß auch in Werken vorhanden, die eigentlich ausschließlich aus weißem Material bestehen. So beispielsweise „White Plaque. Bridge Arch and Reflection, 2011“, in dem er drei Ansichten einer Flussbrücke geometrisch vereint. Bestehend aus drei ganz und gar weißen Aluminiumstücken vermisst man zwar zunächst die schwarze Komponente. Bei genauerem Hinschauen ist das Schwarze jedoch unausweichlich in dem Bild, das sich uns zeigt, verankert. Der Künstler nutzt den Schatten und führt uns somit vor Augen, dass Weiß niemals ohne Schwarz oder andersherum existieren kann.
Ellsworth Kelly, „Black Ripe, 1955“; Oil on canvas, 63 1/4 x 59 3/8 inches (160.7 x 150.8 cm); Collection of Harry W. and Mary Margaret Anderson © Ellsworth Kelly
Im Grunde ist uns diese Urvorstellung vom Kampf zwischen Gut und Böse seit jeher durch Märchen und Erzählungen vertraut. Diesen Kampf illustriert unter anderem „Black Ripe, 1955“. Hier geht es darum, inwiefern sich die eine Farbe in der Form des Bildes ausdehnt. Egal wie sehr sie dem Rand zustrebt, es bleibt immer ein Rest der anderen. Im weiteren Verlauf seines Schaffens durchbrach Ellsworth Kelly die Zweidimensionalität der Leinwand und brach damit das statische Gefüge des Bildes auf. Dadurch können wie bei „White over black, 1963“ Schwarz und Weiß parallel zueinander bestehen und sind nicht mehr an ein gegenseitiges Plus und Minus gebunden.









